Trainerflops Zurück zur Mami

Manchmal passt es einfach nicht zwischen Übungsleiter und Verein. Das Unglück vorgezeichnet ist, wenn der Coach selbst nicht an seinen Erfolg glaubt. Ein anderer Fußballlehrer scheiterte auch deshalb, weil er sich nicht einmal die Namen seiner Spieler merken konnte.


Bayer-Coach Hörster: "Nicht entlassen, sondern erschießen"
DDP

Bayer-Coach Hörster: "Nicht entlassen, sondern erschießen"

Platz 6 - Thomas Hörster bei Bayer Leverkusen (Frühjahr 2003)

Nein, er war für diesen Job nicht gemacht. Wenn sich Hörster als Coach von Bayer in der Öffentlichkeit bewegte, wirkte er immer, als würde er am liebsten zurück zur Mami, und hopp auf den Arm. Nachdem der zurückhaltende Mann in einem Fernsehinterview mit gesenktem Kopf bekannt hatte, er glaube nicht mehr an den Klassenerhalt, war er von seinem Leiden erlöst. "Wenn ein Trainer so etwas sagt, muss man ihn nicht entlassen, sondern erschießen", kommentierte "Experte" Udo Lattek gewohnt markig. Der Angeklagte wurde freilich nicht exekutiert, sondern kehrte in die Leverkusener Jugendabteilung zurück. Hörster-Nachfolger Klaus Augenthaler bewahrte Bayer vor dem Abstieg.

Platz 5 - Winfried Schäfer beim VfB Stuttgart (Juli bis November 1998)
Schäfer übernahm einen aufstrebenden VfB, der sich unter Jogi Löw für den Uefa-Cup qualifiziert hatte. Doch irgendwie schaffte er es, sich innerhalb kürzester Zeit mit der gesamten Mannschaft anzulegen, insbesondere den drei großen "B" (Balakov, Bobic und Berthold). Bezeichnendes Zitat von Thomas Berthold: "Wenn Schäfer am Samstag noch Trainer ist, muss er doch von einer Armee geschützt werden." Musste er nicht.

Platz 4 - Wolfgang Sidka bei Arminia Bielefeld (Sommer 1994)
Sidka war auserkoren, den damaligen Regionalligisten Arminia um die Stars Fritz Walter und Thomas von Heesen zurück in den Profifußball zu führen, doch die Ahnungslosigkeit, mit der er agierte, war atemberaubend. Sidka kannte sich im eigenen Kader nicht aus, schickte einen Betreuer zum Üben ans Kopfballpendel und nannte Publikumsliebling Stefan "Studti" Studtrucker konsequent "Stucki". Eine teaminterne Abstimmung mit dem Ergebnis von 0:23 brach ihm dann das Genick. Nach der ersten Niederlage und dem ersten Gegentor flog er raus. Sidka schaffte insgesamt vier Spiele. Auch eine Leistung.

Lesen Sie morgen im dritten und letzten Teil der Trainerflops-Serie vom Coach mit der kürzesten Amtszeit im deutschen Profifußball.



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