Trainerposse Häme für sponsorhörigen KSC

Für die Entscheidung, den neuen Trainer nach nur sieben Tagen auf Druck des Hauptsponsors zu entlassen, kassiert der Zweitligist Karlsruher SC bissige Kommentare von der Konkurrenz. Allenthalben wird das Einknicken der mittlerweile zurückgetretenen Vereinsführung vor dem Geldgeber kritisiert.


Streitfall Fanz: "Eingriff eines Sponsors in die Angelegenheiten des Vereins"
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Streitfall Fanz: "Eingriff eines Sponsors in die Angelegenheiten des Vereins"

Karlsruhe - "Wenn man so am Nabel eines Sponsors hängt, spricht das nicht für das Management des Clubs. Man darf sich nicht den Fehler erlauben, einen Trainer zu verpflichten, der den Chef des Hauptsponsors beleidigt hat", kritisierte Bayern-Manager Uli Hoeneß. "Man muss die Historie der entscheidenden Leute kennen. Da hat der KSC offenbar einiges versäumt", so der Münchner Macher.

Karlsruhes Sportdirektor Rolf Dohmen hatte seinen Spezi Reinhold Fanz am 28. Dezember verpflichtet, ohne - wie er offen zugab - die Vorbehalte des Hauptsponsors Energie Baden-Württemberg (EnBW) gegenüber dem neuen Mann auf der Bank zu kennen. EnBW-Boss Utz Claasen hatte sich als Präsident von Hannover 96 im Sommer 1997 ein juristisches Scharmützel mit seinem damaligen Trainer Fanz geliefert. Der Coach hatte dem Vereinschef den Fußball-Sachverstand abgesprochen. Später wurde Fanz gerichtlich untersagt, diese Aussagen öffentlich zu wiederholen.

Ohne die jährlich 800.000 Euro, die EnBW zahlt, wäre die Lizenz des mit sieben Millionen Euro verschuldeten KSC in Gefahr. Nach der Hinrunde der zweiten Liga belegt der einstige Uefa-Cup-Teilnehmer den vorletzten Platz. Chefcoach Lorenz-Günther Köstner hatte deshalb gehen müssen, Fanz wurde verpflichtet - und wurde nach sieben Tagen auf Wunsch von EnBW beurlaubt. "Dass ein Sponsor den Trainer entlässt, wäre bei uns ausgeschlossen", sagte Martin Kind, Vorstandsvorsitzender des Bundesligisten Hannover 96, dem "Express".

96-Chef Kind: Verwunderung über Karlsruher Vereinsführung
DPA

96-Chef Kind: Verwunderung über Karlsruher Vereinsführung

Auch DFL-Boss Werner Hackmann übt scharfe Kritik an der Karlsruher Vereinsführung um Präsident Hubert Raase, die inzwischen zurückgetreten ist, aber noch bis zur nächsten Mitgliederversammlung im September amtieren wird. "Es ist der Eingriff eines Sponsors in die direkten Angelegenheiten des Vereins. Das gehört sich nicht. Der KSC muss seine Geschäfte selbst regeln", so Hackmann in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Gute Chancen, neuer KSC-Trainer zu werden, hat der frühere Stuttgarter Bundesliga-Profi Krassimir Balakow. "Ich habe mit ihm ein positives Gespräch geführt", sagte Dohmen, "von den Vereinsgremien habe ich den Auftrag bekommen, mich allein verantwortlich um die Trainersuche zu kümmern und Präsidium sowie Verwaltungsrat entsprechende Vorschläge zu unterbreiten."

Der ehemalige Karlsruher Trainer Winfried Schäfer ist hingegen laut KSC-Boss Raase kein Thema. "Das ist weit vorbei an der Realität, weil das nicht passieren wird. Winnie weiß dies und zwar persönlich von mir", sagte er. Ausgeschlossen scheint auch eine Rückkehr von Thomas Häßler als Spieler. Das Training beim KSC, der seit gestern zur Vorbereitung auf die Rückrunde im türkischen Belek weilt, übernimmt zunächst Co-Trainer Ede Becker.



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