Trainerzukunft in München Klinsmann zwischen Hoeneß und Hölle
Jürgen Klinsman gab sich nach der 0:4-Blamage im Champions-League-Viertelfinale bei Barcelona kämpferisch, wie immer. "Wir ziehen das durch", sagte der Bayern-Trainer vor dem Rückflug Richtung München. Und: "Ich stehe meinen Mann." Klinsmann weiß, dass das Durchhalteparolen sind. Er weiß auch genau, dass nicht er oder sein Engagement über seinen Job bei den Bayern entscheiden, sondern die Vorstände. Bei denen hatte Klinsmann lange Zeit Rückendeckung, doch spätestens seit der 1:5-Pleite in Wolfsburg bröckelt diese massiv. Dass Manager Uli Hoeneß und der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nach dem Wolfsburg-Debakel lieber schwiegen, ist ein Alarmzeichen. Auch sie treibt plötzlich die Angst vor einer Spielzeit ohne Titel - eine Vorstellung, die den Bayern so fremd ist wie ein vor Enttäuschung weinender Udo Lattek auf der Tribüne des Nou-Camp-Stadions in Barcelona.
Doch was läuft hinter den Kulissen, wer hat die Fäden tatsächlich in der Hand und hört überhaupt noch jemand auf den alternden Präsidenten Franz Beckenbauer? Eine Einordnung:
Der Präsident
Franz Beckenbauer heizte noch vor dem Abflug nach Barcelona die Diskussionen an: "Man wird bis zum Ende dieser Saison alles so machen wie bisher und dann nach der Saison möglicherweise reagieren", sagte der Präsident des FC Bayern München. Ein Satz, den Bayerns Manager Hoeneß für ziemlich unklug hielt und ihn zu folgender Aussage verleitete: "Ich frage mich, ob der Franz noch nahe genug dran ist, um das zu beurteilen."
Tatsache ist, dass Beckenbauer die Mannschaft erstmals seit Jahren wieder zu einer Auswärtspartie in der Champions League begleitete. Vielleicht wollte er ein Zeichen setzen. Tatsächliche Macht und Einblick in das Tagesgeschäft hat Präsident Beckenbauer, auf den Ende des Jahres Manager Hoeneß folgt, aber kaum mehr. Schon in die Entscheidungen, Ottmar Hitzfeld nicht weiter zu beschäftigen und Jürgen Klinsmann zu holen, soll Beckenbauer kaum noch eingebunden gewesen sein.
Manager Uli Hoeneß und der Finanzvorstand Karl Hopfner
Beide haben mit der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann geklotzt. Klinsmann verdient laut der französischen Zeitung "France Football" mit Werbeverträgen angeblich 5,5 Millionen Euro im Jahr. Mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge entscheiden sie auch über seinen Verbleib. Hopfner gilt dabei als Macher. Er hat den Kontakt zu Klinsmann aufgenommen. Hopfner prescht nie lautstark nach vorne, sondern arbeitet meist im Hintergrund. Hoeneß dagegen poltert auch mal gerne. Solange er das tut, ist das ein gutes Zeichen, denn dann kämpft er noch. Seine Zurückhaltung nach den Niederlagen in Wolfsburg und Barcelona wiegt ungleich schwerer und ist vielleicht schon ein Zeichen der Resignation. Hoeneß hatte Klinsmann bislang immer den Rücken freigehalten, obwohl er nie als besonderer Freund des Schwaben galt. In Barcelona saß Klinsmann zwischen Hoeneß und Hopfner am Bankett. Er muss den Druck förmlich gespürt haben.
Der Vorstandsvorsitzende
An der Reaktion von Karl-Heinz Rummenigge lässt sich vielleicht am deutlichsten erkennen, wie sehr der Stuhl von Jürgen Klinsmann wackelt. "Ich muss mich bei allen entschuldigen", sagte Rummenigge und "der Stolz des FC Bayern ist mit Füßen getreten worden." Wenn ein Vorstandsvorsitzender sagt, es solle keine spontane und unsinnige Entscheidung hinsichtlich des Trainers getroffen werden, ist der Kredit des Übungsleiters so gut wie aufgebraucht. Er wird mit Hoeneß und Hopfner genau analysieren, ob und wie lange es noch sinnvoll ist, Klinsmann zu halten.
Klinsmann hat einen Vertrag bis 30. Juni 2010, doch schon kursieren Namen möglicher Trainer, die ihn beerben könnten. Von Bernd Schuster ist die Rede, der im Dezember bei Real Madrid entlassen wurde und von spanischen Clubs umworben wird. Franz Beckenbauer hatte ihn schon 2007 als Nachfolger von Felix Magath ins Spiel gebracht, Schuster war schon damals nicht abgeneigt.
Die Zeitung "Sport" berichtete unlängst, dass die Bayern mit vier weiteren Top-Clubs um die Dienste von Frank Rijkaard buhlen, der bis Sommer 2008 ausgerechnet den FC Barcelona trainierte. Weitere Namen tauchen auf: Der Schwede Sven-Göran Eriksson zum Beispiel, der erst vor einer Woche als Trainer der mexikanischen Nationalmannschaft entlassen worden war. Oder Armin Veh, der Ende 2008 beim VfB Stuttgart gehen musste und offenbar auch bei Schalke 04 im Gespräch ist.
Es spricht für Jürgen Klinsmann, dass es schwer wird, so kurzfristig einen hochkarätigen Trainer zu bekommen. Was soll der auch noch ausrichten? Der Pokal ist passé, die Champions League auch, wenn kein Wunder geschieht. Er kann die Bayern zur Meisterschaft führen, dieses Ziel haben sie noch.
Auch Klinsmann will diesen einen noch möglichen Titel. Und wenn es der einzige ist, den der Trainer Klinsmann mit seinen Bayern je erreicht.