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Metzelder, Marica und Co.: Die Schalker Streichkandidaten

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Trainingsauftakt Entschlacken auf Schalke

Die Bundesliga-Hinrunde verlief für Schalke 04 bestens, auch im Europapokal liegt der Club auf Kurs. Dennoch gibt es reichlich Konfliktpotential: Der Kader ist zu groß und zu teuer. Im Trainingslager könnten fünf Stars bald ihr königsblaues Wunder erleben.

Wenn am Mittwoch der Airbus A330 um 11.05 Uhr die Landebahn des Frankfurter Flughafens verlässt, beginnt für einige an Bord eine Reise ins Ungewisse. 29 Profis des FC Schalke 04 sowie fünf Nachwuchsspieler werden sich in Richtung Katar aufmachen, wo sie ein neuntägiges Trainingslager erwartet. Wie viele der königsblauen Fluggäste aber tatsächlich bis zum 12. Januar im Land des WM-Ausrichters 2022 bleiben werden, ist unklar. Der Tabellendritte arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, seinen Kader zu verkleinern.

Auf 22 bis maximal 24 Spieler soll er schrumpfen. Atsuto Uchida, Hans Sarpei, Ciprian Marica, José Manuel Jurado und Alexander Baumjohann, so heißt es auf Schalke, seien die ersten Streichkandidaten. Ihre Berater sind informiert, bei möglichen Anfragen dürften sie sogar vorzeitig die Übungseinheiten am Arabischen Golf beenden und zu Gesprächen mit Interessenten reisen. In der Vorbereitung auf die Rückrunde sollen zudem weitere Weichenstellungen folgen.

Es stehen Vertragsgespräche mit Stürmer Raúl, den Torhütern Mathias Schober und Timo Hildebrand sowie Mittelfeldmann Jefferson Farfán an, die derzeit lediglich bis zum kommenden Sommer an den Verein gebunden sind. Zudem laufen weitere elf Verträge im Jahr 2013 aus, darunter auch die von Leistungsträgern wie Top-Torschütze Klaas-Jan Huntelaar oder Nationalspieler Lewis Holtby. "Vor uns liegt noch einiges an Arbeit", sagt Manager Horst Heldt.

Magaths überteuerter Kader

Um das zu untermauern, verweist der 42-Jährige auf den Schalker Konzernabschluss des Jahres 2010. Dort schlägt sich der derzeitige Kader mit einem Rekordetat von 83,1 Millionen Euro wieder. 2009 lagen die Personalausgaben demnach bei 68,9 Millionen Euro. Zudem räumt der Bericht auch mit der Legende auf, dass der ehemalige Schalke-Trainermanager Felix Magath die Sanierung des hochverschuldeten Clubs vorangetrieben hätte.

Die damals von Magath zusammengestellte Mannschaft war vor allem auf die Champions League ausgerichtet und verursacht in Jahren ohne große Europacup-Einnahmen ein groteskes Minus. Zwar ist Schalke auch nach der Hinrunde voll auf Champions-League-Kurs, doch den Verantwortlichen ist das Risiko eines derart aufgeblähten Kaders mittlerweile deutlich zu groß.

"Das bedeutet auch, dass man dann eben über den einen oder anderen Spieler strenger diskutiert", sagt Heldt. Insbesondere sind das die beiden Härtefälle Farfán und Raúl. Bei beiden gibt es noch Chancen auf eine Vertragsverlängerung, "aber zu vernünftigen und perspektivischen Konditionen". Im Fall Farfán scheinen Club, Spieler und Berater jedoch meilenweit voneinander entfernt zu sein. Laut "Bild"-Zeitung verlangte der Peruaner für eine Verlängerung ein Handgeld von 14 Millionen Euro sowie ein jährliches Gehalt von sechs Millionen Euro. "Die Forderungen seines Beraters konnten wir nicht erfüllen. Ich hoffe noch, dass da eine Einsicht einkehrt", sagte Trainer Huub Stevens der "Sport-Bild".

Zweikampf der Egozentriker

Falls nicht, steht mit dem von 1899 Hoffenheim ausgeliehenen Chinedu Obasi ein talentierter Stürmer parat. Wie der Konkurrenzkampf der beiden als egozentrisch geltenden Außenspieler jedoch ablaufen wird, darauf sind auch die Verantwortlichen auf Schalke gespannt. Bislang waren Obasi und Farfán in ihren jeweiligen Clubs zumeist Stammspieler, in der Rückrunde wird einer der beiden auf der Bank Platz nehmen müssen. Oder Farfán wird doch noch im Winter verkauft, "was wir aber nicht wollen", so Heldt.

Doch bei der Fülle an Arbeit wird sich der ehemalige Stuttgarter Manager nicht lange mit dem Thema aufhalten können. Zumal es im Trainingslager außer vertraglichen auch um sportliche Brennpunkte geht. So ist es für Torwart Hildebrand die wahrscheinlich letzte Chance, ernsthaft in den Kampf um den Platz zwischen den Pfosten einzugreifen. Erfolg dürfte er dabei nicht haben. Intern heißt es, Konkurrent Lars Unnerstall habe klar die Nase vorn. Dass sich der als schwierig verrufene Hildebrand eine weitere Halbserie ohne zu Murren zu den Amateuren abschieben lässt, gilt als ausgeschlossen.

Auch Christoph Metzelder, der ehemalige Nationalspieler und Ex-Profi von Real Madrid, hofft im Wüstenstaat auf eine neue Chance. In der Hinrunde spielte er weder bei Ralf Rangnick noch bei Stevens eine Rolle. Das gilt auch für Peer Kluge, der den Pöbeleien und Fouls seines Konkurrenten Jermaine Jones von außen zuschauen musste.

"Auf Schalke ist immer was los. Wir kennen das schon", sagt Kapitän Benedikt Höwedes. Einiges davon soll in den kommenden Tagen abgearbeitet werden. "Denn wir wollen für die Rückrunde eine starke Basis haben", so Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies. Schalke, das in der Bundesliga lediglich drei Punkte hinter Spitzenreiter Bayern München zurückliegt und in der Europa League fast mühelos die Gruppenphase überstanden hat, muss dafür jedoch zunächst einmal ein Trainingslager überstehen. Eines, das am Ende wohl zur Entschlackungskur wird.

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