Transfer-Reform Uefa droht Blatter

Der Streit um die Reform des Transferwesens eskaliert. Die europäische Fußballunion Uefa fühlt sich bei den Verhandlungen mit der EU-Kommission vom Weltverband Fifa übergangen.


Fifa-Boss Sepp Blatter: "Wir setzen weiterhin auf Diplomatie"
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Fifa-Boss Sepp Blatter: "Wir setzen weiterhin auf Diplomatie"

Hamburg - Auslöser des seit Monaten schwelenden und nun offen ausgebrochenen Konflikts ist ein Papier der Fifa an die EU, in dem der Weltverband den Brüsseler Behörden offenbar weit reichende Zugeständnisse signalisiert hat.

So soll die Fifa im Gegensatz zur Uefa inzwischen dazu bereit sein, Spielern ein einseitiges, dreimonatiges Kündigungsrecht einzuräumen. Aus Uefa-Kreisen verlautete, dass Profis nach den Fifa-Vorstellungen anschließend den Club verlassen könnten. Dabei sollen die Aktiven, so heißt es, schon dann ihre Verträge auflösen können, wenn es mit dem Trainer Unstimmigkeiten über die Taktik gäbe. Ein Fifa-Sprecher widersprach der Uefa-Darstellung, verweigerte aber detaillierte Angaben zum Inhalt des Papiers.

Uefa vom Fifa-Vorschlag erst im Nachhinein informiert

In einer gemeinsamen Erklärung lehnten die Europäer die Fifa-Vorschläge, von denen die Uefa erst im Nachhinein informiert wurde, kategorisch ab. Harsch wurde nach einer Sitzung mit Vertretern von 13 europäischen Ligen das eigenmächtige Vorgehen des Weltverbandes kritisiert und der Fifa mit dem Abschied aus der Verhandlungs-Allianz gedroht.

Sollte die Fifa nicht von ihrer Position abrücken - auch über die Laufzeit der Verträge für Spieler über 23 Jahre sowie die Frage der Ausbildungsentschädigung für Nachwuchskicker besteht noch keine Einigkeit -, werde die Uefa eigene Vorschläge zur Transferreform bei der EU einreichen, sagte Generaldirektor Gerhard Aigner nach dem Treffen, bei dem Uefa-Exekutivmitglied Gerhard Mayer-Vorfelder den DFB vertreten hatte.

Fifa-Präsident Sepp Blatter verteidigte das Vorgehen und wehrte sich gegen den Vorwurf, einen Alleingang gestartet zu haben: "Wir setzen weiterhin auf Diplomatie." Im Übrigen seien die Vorschläge nicht verbindlich. "Es ist ein Dikussionspapier", machte Blatter deutlich, "da stellt sich nicht die Frage, ob man es akzeptiert oder ablehnt." Der EU-Kommission sei das Papier mit der Maßgabe überreicht worden: "Wir wollen verhandeln."

Gespräche mit der Fifa vorerst ausgesetzt

Doch die Uefa will sich von Blatter nicht einlullen lassen. Die Zeichen stehen auf Konfrontation. In Nyon versammelte sich das Exekutivkomitee am Dienstag zu einer zweitägigen Dringlichkeitssitzung, in der das weitere Vorgehen beraten werden soll. Man werde die Gespräche mit der Fifa so lange aussetzen, bis "einige Grundsätze" geklärt seien, erklärte der Kontinentalverband.

So ruhen die Verhandlungen zwischen den Verbänden, der EU und der Spielergewerkschaft Fifpro vorerst. "Es gibt im Moment keinen neuen Termin für ein Treffen", bestätigte auch EU-Sprecherin Amelia Torres. Voraussetzung für weitere Gespräche zwischen Politik und Fußball sei die Beilegung des Streits der Fußballverbände, wobei die EU die Fifa als ihren Haupt-Ansprechpartner sähe.

"Wir sind zuversichtlich, eine Lösung zu erreichen"

Ein anderer EU-Mitarbeiter verwies darauf, dass bereits "erhebliche Fortschritte" verzeichnet worden seien. Rivalitäten im Fußball-Lager seien nichts Besonderes, diese gäbe es schon länger: "Wir sind weiterhin zuversichtlich, eine Lösung zu erreichen."

Die EU mit der für den Sport zuständigen Kommissarin Viviane Reding an der Spitze strebe bei der von der EU geforderten Reform des Transferwesens einvernehmliche Regelungen mit allen Beteiligten an. Sonst könnte eine Gruppe, beispielsweise die Spieler, später vor Gericht ziehen.



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