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15. August 2007, 14:56 Uhr

Transferpoker

Die Wechseltricks der Fußballprofis

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Einen solchen Zufall kennt man beim HSV: Rafael van der Vaart hat sich kurz vor seinem Uefa-Cup-Einsatz verletzt, der einen Vereinswechsel sehr erschwert hätte. Immer wieder tricksen Stars, wenn es um Transfers geht. SPIEGEL ONLINE hat einige Beispiele zusammengestellt.

Morgen ist der Tag der Entscheidung. Sollte Rafael van der Vaart beim Uefa-Cup-Qualifikationsspiel des HSV bei Honved Budapest (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auflaufen, dürften die HSV-Fans aufatmen. In diesem Fall wäre der Mittelfeldstratege für keinen anderen Verein mehr in internationalen Wettbewerben spielberechtigt. Damit würde die Wahrscheinlichkeit, dass der 24-Jährige noch vor dem Transferschluss zum FC Valencia wechselt, gen Null tendieren. Doch danach sieht es nicht aus. Ausgerechnet einen Tag vor dem entscheidenden Spiel hat sich van der Vaart verletzt - beim Hochheben seines Sohnes.

Die Anhänger der Rothosen werden spätestens jetzt ein Déjà-vu-Erlebnis haben. Denn vor fast genau einem Jahr verletzte sich der von halb Europa umworbene Innenverteidiger Khalid Boulahrouz angeblich beim Aufwärmen für das Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Osasuna am Knöchel. "Der angeblich lädierte Knöchel ist jedenfalls nie dick geworden", erinnert das "Hamburger Abendblatt" an die skurrile Szene. Hätte der Niederländer das Spiel absolviert, hätte er für keinen anderen Verein in der Königsklasse antreten dürfen. Wenige Tage später unterschrieb Boulahrouz beim Champions-League-Favoriten FC Chelsea.

Überhaupt mussten die HSV-Fans in den vergangenen Jahren einige merkwürdig eingefädelte Abgänge der Stars verkraften. Denn neben Boulahrouz hatte auch dessen Innenverteidiger-Kollege Daniel van Buyten einen unrühmlichen Abgang. Anstatt sich zum HSV zu bekennen, schwärmte der Belgier öffentlich für zahlreiche europäische Topclubs. Nicht zuletzt für den FC Bayern, zu dem der Nationalspieler dann vor der abgelaufenen Saison wechselte.

Unkontrollierter Selbstbewusstseinsschub

Einen anderen Pflegefall teilte sich der HSV mit dem VfB Stuttgart. Kurz vorm Transferschluss vor der Saison 2006/2007 wurden die Hamburger auf der Suche nach einem Stürmer beim Ligakonkurrenten VfB Stuttgart fündig und liehen Danijel Ljuboja aus. Der Serbe hatte in der Vorsaison in 26 Spielen acht Treffer erzielt. Die Tore gaben ihm allerdings einen etwas unkontrollierten Selbstbewusstseinsschub. Trotz eines gültigen Vertrages forderte Ljuboja am Saisonende eine Verdoppelung der Bezüge. Der VfB versetzte ihn zur Strafe in die Regionalliga-Mannschaft und legte ihm einen Wechsel nahe.

Auch beim HSV wurde der Nationalspieler nicht glücklich. Spätestens, als Huub Stevens den beurlaubten Thomas Doll beerbte, war auch beim HSV Schluss für Ljuboja, der erneut zur zweiten Mannschaft geschickt wird. Nach seiner Rückkehr nach Stuttgart wollten die Schwaben den ungeliebten Angreifer zum AC Siena in die italienische Serie A transferieren. Der Deal scheiterte allerdings. Ljuboja stellte zu hohe Gehaltsforderungen.

Doch nicht nur in der Bundesliga haben die Stars mittlerweile ihre eigenen Methoden entwickelt, um schnell aus gültigen Arbeitsverträgen herauszukommen. Um Bezüge ging es auch im Streit zwischen Claude Makelele und Real Madrid. Der Franzose fühlte sich 2003 von seinem Verein Madrid mit 1,5 Millionen Euro im Jahr unterbezahlt und forderte eine sofortige Gehaltsverdopplung. Der damals 30-Jährige verlieh seiner Forderung Nachdruck, in dem er mehrere Tage das Training schwänzte. Die Real-Ärzte schrieben den defensiven Mittelfeldspieler daraufhin aufgrund einer "leichten emotionalen Störung" krank. "Es wird bald was Gutes für alle passieren", verkündete Makelele. Kurze Zeit später überwies der FC Chelsea 20 Millionen Euro nach Spanien.

Zwei Vereinswechsel in 48 Stunden

Ein besonders krasser Fall ereignete sich vor einem Jahr in England. Chelseas Verteidiger William Gallas soll seinen Wechsel zum FC Arsenal dadurch beschleunigt haben, indem er ein Eigentor androhte. Der Franzose dementierte, landete aber letztlich beim gewünschten Club.

Nicht ganz so günstig kam Robinho davon. Der Brasilianer wollte seinen Heimatclub FC Santos 2005 unbedingt verlassen und zu Real Madrid wechseln. Da er sich den Königlichen innerlich bereits angehörig empfand, trat er in einen Streik. Am Ende stockte der Nationalspieler die Ablösesumme von 24 Millionen um einige private Millionen auf und durfte nach Spanien wechseln.

Zwei Vereinswechsel binnen 48 Stunden - diesen Rekord stellte der ehemalige deutsche Nationalspieler Dietmar Hamann auf der Insel auf. Sein Vertrag beim FC Liverpool, mit dem er 2005 die Champions League gewann, war vor der Saison 2005/2006 ausgelaufen. Hamann unterschrieb daraufhin im Juli beim Premier-League-Club Bolton Wanderers, entschied sich dann noch am selben Tag anders. Einen Tag später wurde Hamann als Neuzugang bei Liga-Konkurrent Manchester City vorgestellt. Auch der damals 32-Jährige soll sich aus seinem eigenen Vertrag herausgekauft haben.

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