Transfers in der Bundesliga Wechsle, wenn du kannst

Wer zu wem? Und für wie viel? Nach der WM beginnt in der Bundesliga die Transferzeit. Die Wunschzettel sind voll, die Ambitionen groß, das Geld knapp. Jetzt lauern die Cluboberen auf den ersten großen Deal - danach beginnt das wilde Wechseln. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick.

dpa

Von Jan Reschke


Am 22. August geht es los mit einem Kracher: Die Bundesliga-Saison 2010/2011 startet mit dem Spiel Bayern gegen Wolfsburg - der amtierende Meister gegen den vorherigen.

Doch bevor die Liga ihren Betrieb wieder aufnimmt, entfalten die Clubs noch einmal hektische Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Es gilt, sich für die kommende Spielzeit zu verstärken. Die WM in Südafrika wirkt dabei wie ein Turbo. Schließlich war das Turnier auch ein Schaulaufen der Spieler.

Jetzt liegen die Clubbosse auf der Lauer: Wer kauft wen? Wer wagt sich zuerst aus der Deckung? Das Transfergeschäft geht in den kommenden Wochen in die heiße Phase. Vieles hängt auch davon ab, ob die begehrten deutschen Jungstars nach einer tollen WM den verlockenden Angeboten aus dem Ausland folgen.

So lange wollten einige Clubs nicht warten und haben deshalb schon vor oder während der WM einige Planstellen besetzt. So verpflichtete…

  • …der VfL Wolfsburg die Innenverteidiger Arne Friedrich (2 Millionen Euro/von Hertha BSC Berlin) und Simon Kjaer (12/US Palermo),

  • …Borussia Dortmund den Angreifer Robert Lewandowski (4,5/Lech Posen),

  • …Gladbach der Stürmer Igor de Camargo (4/Standard Lüttich),

  • ...Werder Bremen die Offensivkraft Marko Arnautovic (6,5/Twente Enschede),

  1. …Bayer Leverkusen Deutschlands Mittelfeldstar Michael Ballack (ablösefrei/FC Chelsea).
  2. ...der FC Schalke holte Verteidiger Christoph Metzelder zurück in die Bundesliga (ablösefrei/Real Madrid)

Viel Geld ist schon geflossen. Bevor nun der nächste große Wechsel verkündet werden kann, brauchen die Clubs erstmal wieder Cash - und da ist Kreativität gefragt. "Es ist so, dass wir Spieler abgeben müssen, um Einkäufe tätigen zu können", sagt VfB-Trainer Christian Gross dem "Kicker". "Es gibt Planspiele", erklärt auch Wolfsburg-Manager Dieter Hoeneß.

Planspiele für Kreative

Und so könnte ein solches Kreativplanspiel aussehen: Schalkes Trainer Felix Magath erhielt vom Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies die Zusage, "alle Zusatzeinahmen aus dem kommenden Jahr für Verstärkungen" investieren zu dürfen. Damit dürften Magath zwischen 15 und 20 Millionen Euro zum Einkaufen zur Verfügung stehen, der damit seine Wunschspieler Raúl von Real Madrid und Zvjezdan Misimovic vom VfL Wolfsburg holen könnte.

Dort bemüht sich Manager Dieter Hoeneß um weitere Verstärkung. Sein Objekt der Begierde: Juventus-Regisseur Diego. Der wäre ein guter Ersatz im Falle eines Misimovic-Abgangs. Sollte Turin Diego tatsächlich abgeben und eine hohe Ablöse kassieren, könnten die Italiener im Gegenzug die Verpflichtung des Bremers Mesut Özil angehen.

Werder wiederum hat den Brasilianer Wesley vom FC Santos im Blick. Allerdings bremsen die Bremer. Zunächst gilt es, die Champions-League-Qualifikation erfolgreich zu überstehen. Mit den Zusatzerlösen ließe sich der Kauf leichter stemmen.

Schneller könnte es beim VfB Stuttgart gehen, bei dem Nationalspieler Sami Khedira verkauft werden könnte - eine Folge seines souveränen Auftritts im Mittelfeld der Nationalmannschaft. "Aufgrund der aktuellen Situation und seiner Leistungen bei der WM wäre es töricht, sich darüber keine Gedanken zu machen", so Gross.

Denn der VfB hat ein Problem: Khedira hat nur noch einen Vertrag bis 2011 und könnte im Anschluss ablösefrei gehen. Dann lieber jetzt gleich verkaufen, lautet das Kalkül der Planer um Gross. Mit dem Geld könnten die dringend benötigten offensiven Außenspieler nach Stuttgart gelockt werden. Außerdem müsste Ersatz für Khedira her, denn mit Martin Lanig wurde bereits ein zentraler Mittelfeldspieler an den 1. FC Köln abgegeben. Damit würden sich auch die Stuttgarter in das wilde Wechselspiel einreihen.

Ebenso wie der Hamburger SV. Der hat dem niederländischen Mittelfeldstar Ibrahim Afellay vom PSV Eindhoven bereits einen unterschriftsreifen Vertrag vorgelegt. Doch der 24-Jährige pokert noch. Schalkes Heiko Westermann steht als Ersatz für den zu Manchester City transferierten Verteidiger Jérôme Boateng auf der Liste von HSV-Trainer Armin Veh. Womit wir wieder bei Felix Magath und damit am Anfang wären. Er müsste sich auch noch nach einem neuen Defensivmann umgucken.

Alles cool in München

Nur wenige Clubs scheint das Geschacher nicht wirklich zu interessieren: Der Deutsche Meister Bayern München etwa plant völlig unabhängig von der Konkurrenz und macht einen sehr entspannten Eindruck. Schließlich kommt Top-Talent Toni Kroos nach seiner Ausleihe aus Leverkusen zurück. Eine Verstärkung macht derzeit höchstens auf der Außenverteidigerposition Sinn. Und da steuern die Münchner ein Top-Level an. Nach dem Motto: Bitte einen Vizeweltmeister. Für die rechte Seite ist der Niederländer Gregory van der Wiel (Ajax Amsterdam) im Gespräch, Philipp Lahm könnte dann wieder auf die linke Seite rücken.

Auch die Aufsteiger FC St. Pauli und der 1. FC Kaiserslautern beobachten das Transfergebaren entspannt. Sie haben ihre Planungen noch während der WM weitgehend abgeschlossen. Für die Verantwortlichen bleibt nur zu hoffen, dass sie bei möglichen Niederlagen an den ersten Spieltagen nicht noch in Hektik verfallen und auf die Suche nach Ad-hoc-Verstärkung gehen müssen.

Denn bis zum 31. August haben die anderen Clubs noch Zeit ihre komplizierten Wechselspiele zu beenden, dann schließt der Transfermarkt bis zur Winterpause.

Dass die Vereine schon am ersten Spieltag knapp eine Woche zuvor mit ihrem endgültigen Aufgebot aufwarten, ist unwahrscheinlich. Die Blaupause dafür lieferte die vergangene Saison.

Vor rund einem Jahr hatten die Vereine nach dem Ligastart noch über drei Wochen Zeit, um Spieler zu kaufen - und taten dies nach Kräften. Bayern München verpflichtete Arjen Robben nach dem vierten Spieltag. Der Niederländer wurde von den Bundesliga-Kollegen zum besten Spieler der Saison gewählt. Der VfB Stuttgart holte Zdravko Kuzmanovic, Claudio Pizarro kehrte ebenfalls nach Bremen zurück, als der Ball schon wieder rollte. Ähnlich dürfte es in diesem Jahr laufen.



insgesamt 7 Beiträge
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Kanzla87 15.07.2010
1. Die Bundesliga holt auf!
Würde mich freuen, wenn Raul, Diego, van der Wiel und Afellay den Weg in die Bundesliga finden. Man bekommt irgendwie das Gefühl, dass selbst für Topstars der Weg in die Bundesliga auf einmal nicht mehr unmöglich ist. @Stuttgart: Verkauft den Khedira so schnell wie möglich, was besseres kann euch nicht passieren bei dem Angebot ;)
loncaros 15.07.2010
2. t
Bei Real spielen derzeit drei verschiedene Rauls. Von welchem reden wir eigentlich die ganze Zeit?
Zwietracht, 15.07.2010
3. Hey was geht, krieg isch 30% von dir...
Die ganze Wechselei ist inflationär und getrieben von den geldgeilen Vermittlern. Das Fussballgeschäft lebt zum großen Teil von den Transfers, nur dann können viele Trittbrettfahrer die Hand aufhalten. Der Qualität im Fussball ist das ganze übertriebene Transfergeschäft unter dem Strich aber eher abträglich. Mannschaften können keinen Teamcharakter mehr entwickeln, Spieler können sich nicht in Ruhe entwickeln sondern werden verheizt, usw. Man könnte darüber nachdenken, eine Transferobergrenze einzuführen. Wie bei den Einwechslungen pro Spiel z.B. Maximal drei Transfers pro Saison. Das könnte dem Teamgeist und Mannschaftsgefüge nur zuträglich sein. Der Mannschaftssport Fussball würde qualitativ gestärkt. Aber gegen die Lobby der ganzen asozialen Wegelagerer und Schutzgelderpresser die es im bezahlten Fussball gibt wird das unmöglich durchsetzbar sein.
Kanzla87 15.07.2010
4. .
Zitat von loncarosBei Real spielen derzeit drei verschiedene Rauls. Von welchem reden wir eigentlich die ganze Zeit?
Raúl González Blanco, Spielername: Raúl. (der Bekannteste von allen)
huelin 15.07.2010
5. Real?
Zitat von loncarosBei Real spielen derzeit drei verschiedene Rauls. Von welchem reden wir eigentlich die ganze Zeit?
Gegenfrage: von welchem Real reden Sie eigentlich? Real Madrid, Real Mallorca, Real Betis, Real Zaragoza oder Real Sociedad? ;) In Spanien heißt ja nur Real Sociedad "la Real", Real Madrid wird in Kurzform immer nur "el Madrid" genannt. Ebenso wie mit Raúl natürlich Raúl González Blanco gemeint ist; bei den anderen lautet der "Künstlername" nämlich nicht "Raúl" allein.
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