Transferstreit Drohungen gegen van der Vaart, HSV schaltet Fifa ein

Die Schlammschlacht geht weiter: HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer hat im Transferstreit mit dem FC Valencia die Fifa und die DFL eingeschaltet. Rafael van der Vaarts Frau Sylvie sagte heute einer Zeitung, sie fühle sich und ihre Familie bedroht.

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Hamburg - HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer hat einen Brief an den FC Valencia geschickt, in dem er anmahnte, die Bemühungen um van der Vaart "unverzüglich" einzustellen, da der Spieler nicht zum Verkauf stünde. Kopien dieser Briefe wurden an die DFL und die Fifa gesandt, die sich bei weiteren Verstößen einschalten könnten.

Laut Fifa-Statuten darf ein Profi durch einen Konkurrenz- Club nicht zur Vertragsauflösung bewegt werden. HSV-Sprecher Jörn Wolf bestätigte heute einen entsprechenden Bericht des "Hamburger Abendblatts". "Sollte Lerby (van der Vaarts Berater, Anm. d. Red.) oder Valencia nachgewiesen werden, dass sie van der Vaart aufgefordert haben, seinen Verkauf zu forcieren, droht Lerby seine Vermittler-Lizenz zu verlieren. Valencia drohten hohe Geldstrafen", schreibt das "Abendblatt" weiter. Lerby hatte gestern zusammen mit van der Vaarts Vater Beiersdorfer zu überreden versucht, aber eine deutliche Abfuhr erhalten.

Unterdessen wird der Druck auf die Familie offenbar immer größer. Van der Vaarts Ehefrau Sylvie fürchtet um ihre Sicherheit und die ihres Sohnes, wie die "Bild"-Zeitung heute berichtet. Demnach traue sich die 29-Jährige nicht mehr aus der Wohnung, weil sie sich von HSV-Fans bedroht fühle.

"Jetzt wird die Sache wirklich unschön. Ich habe Angst, sorge mich besonders um meinen Sohn. Gerade, wenn Rafael nicht in Hamburg ist", sagte sie der Zeitung. Auf den Stadionbesuch am Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), wenn der HSV sein erstes Heimspiel gegen Leverkusen bestreitet, wolle Sylvie van der Vaart verzichten, berichtet das Blatt weiter.

"Hundert Jahre ohne van der Vaart"

Der 24-jährige Spielmacher des HSV wird massiv vom FC Valencia umworben. Dem Verein liegt seit Tagen ein Angebot über 14 Millionen Euro für den Niederländer vor. Während der HSV-Vorstand stets betonte, dass der Nationalspieler "unverkäuflich" sei, drängte van der Vaart zuletzt immer dreister auf einen Wechsel. Dem spanischen Radiosender Radio Nou soll van der Vaart in einem Interview gesagt haben, dass er den Druck auf den HSV erhöhen will, um bereits am kommenden Samstag bei der Präsentation der Mannschaft in Valencia dabei zu sein.

Für zusätzliche Unruhe sorgte zuletzt eine Rückenverletzung des Profis, die er sich beim Hochheben seines Sohnes zugezogen haben will. Im gestrigen Qualifikationsspiel für den Uefa-Cup bei Honved Budapest (0:0) hatte van der Vaart mit Verspannungen im muskulären Bereich gefehlt, um somit für den FC Valencia noch in der Champions League zum Einsatz zu kommen.

Die Lokalpresse in Valencia berichtet, dass van der Vaart bereits nach einem Haus in der ostspanischen Hafenstadt suche. Seinem Freund Shota Arveladze, der in Valencia beim Lokalrivalen UD Levante unter Vertrag steht, habe der HSV-Kapitän gesagt: "Such mir eine Bleibe, ganz bei Dir in der Nähe." Beide Fußballer hatten 2000/01 für Ajax Amsterdam gespielt. Der HSV lehne jedoch weiterhin jeden Kontakt mit dem FC Valencia ab, berichteten die Zeitungen "Las Provincias" und "Levante".

Der Partner von Lerby, Bayram Tutumlu, sagte der valencianischen Presse: "Die Sache ist keine Frage des Geldes. Was der HSV verlangen wird, dürfte von der Offerte des FC Valencia nicht sehr weit entfernt sein." Laut "Las Provincias" will der FC Valencia, der bisher 14 Millionen Euro Ablöse bot, dem HSV-Kapitän einen Fünf-Jahres-Vertrag mit einem Nettoeinkommen von 1,8 Millionen Euro im Jahr geben.

Van der Vaarts Kredit bei Fans und Mitspielern wird nicht zuletzt durch die seltsame Verletzung immer geringer. Die Anhänger in Budapest stimmten gestern schon "van der Vaart - Hochverrat"-Gesänge an. Mitspieler Vincent Kompany sagte der "Bild-Zeitung": "Der HSV hat in den letzten hundert Jahren ohne van der Vaart gespielt und kann es auch die nächsten hundert". Das sieht der Vorstand allerdings ganz offensichtlich anders. "Die Fronten sind völlig verhärtet", sagte der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker.

HSV-Torwartlegende Uli Stein hat Verständnis für die Hartnäckigkeit der HSV-Verantwortlichen - und gleichzeitig einen Tipp parat: "Es gibt eigentlich nur zwei Varianten: Entweder er geht, oder - und das würde ich so machen - man setzt ihn auf die Tribüne und lässt ihn verhungern", so Stein im "Abendblatt". Ob van der Vaart am Sonntag in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen auflaufen wird, ist unklar.

Mit Material der dpa

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Seite 1
Tomislav, 15.08.2007
1.
Zitat von sysopImmer mehr Stars tricksen sich aus gültigen Verträgen, um zu einem anderen Verein zu wechseln. Sind Sie der Meinung, dass die Manager wieder verstärkt auf die Einhaltungen der Verträge pochen sollten? Welche Möglichkeiten oder Sanktionen gibt es dafür? Oder gilt bei Ihnen eher das Motto "Reisende soll man nicht aufhalten"?
Reisende sollte man wirklich nicht aufhalten. Jemand der unter "Zwang" für einen Verein spielt, bringt sowieso nicht mehr seine 100%-ige Leistung. Abgesehen davon, wird es doch andersrum auch oft so betrieben. Spieler die man nicht mehr haben will schiebt man ab, mobbt sie raus, etc.
JustusJonas, 15.08.2007
2. Typisch HSV
Seit Netzer nicht mehr beim HSV ist (okay, die Zeiten sind auch insgesamt anders) hat es der HSV nie mehr geschafft, ein Team aufzubauen. Jedesmal, wenn man mal in der oberen Tabellenregion war, wurde sofort den Verlockungen des Geldes nachgegeben und die Spieler waren weg. Ob Kovac, Salihamidzic, Butt, Ujfalusi, van Buyten, Boulahrouz - immer ließ man wichtige Spieler ziehen und damit zerfiel die Mannschaft. Ganz fatal ist das dann, wenn das nicht zu Saisonende, sondern wie jetzt am Beginn passiert. Das Signal ist doch klar, jeder talentiertere Spieler wie Kompany, Trochowski oder Feilhaber wird den Verein verlassen. Dann ist wieder Geld in der Kasse, aber keine Mannschaft. Meiner Meinung nach sollte der HSV nun mal Stärke zeigen und Van der Vaart nicht ziehen lassen, gegen Budapest auf den Platz tragen, dann ist das Kapitel Champions League mit Valencia erledigt. Er hat einen Vertrag, den muss er erfüllen, er ist dem HSV und den Fans auch etwas schuldig, schließlich hat er ihn von der Bank aus Amsterdam weggeholt und ein Podium gegeben. Wenn er dann aus Trotz schlecht spielt, sollte man ihn einfach bei den Amateuren verhungern lassen, dann wird er sich schon überlegen, ob er die EM aufs Spiel setzen wird. Die Konkurrenz wie Sneijder kann sich derweil bei Real profilieren. Sollte Valencia dann noch mal richtig was draufpacken, so 35 Mio bieten, kann man ihn immer noch ziehen lassen, dann hat man vielleicht noch die Chance, einen adäquaten Ersatz zu verpflichten.
Frau Wutz, 15.08.2007
3.
Mir ist nicht ganz klar, warum die Vereine nicht diese Verträge so gestalten, dass ein Spieler wie nun in Hamburg regressflichtig gemacht werden kann. Denn er schadet dem Verein, auch wirtschaftlich. Klar würde Hamburg eine ordentliche Ablöse bekommen, doch damit hätte der HSV noch lange keinen spielerisch gleichwertigen Ersatz. Ansonsten: Spieler solchen Charakters sollte man so schnell wie möglich loswerden. Sie schaden dem gesamten Mannschaftsgefüge.
seifertinho 15.08.2007
4. von mehreren Faktoren abhängig
So wie die Spieler auch bei sportlichem Versagen auf ihre Millionenverträge pochen, sollten die Clubs bei sportlichen Topleistungen eines Spielers auf Vertragserfüllung bestehen. Dazu gehört jedoch der entsprechende Hintergrund: Zunächst in finanzieller Dimension, denn die Ablöse darf nicht zum Einlenken verlocken. Ferner auch und besonders hinsichtlich der Verträglichkeit für die Gruppe. Das Management muss abwägen, ob der Spieler noch tragbar ist und Leistungsbereitschaft aufbringt. Letzteres wird Werder Bremen dazu bewogen haben, Miro Klose an die Bayern zu verscherbeln. Nun hat sich Raffael van der Vaart beim Hochheben seines Sohnes am Rücken verletzt und der Verdacht liegt nahe, dass er sich damit eine Europacupteilnahme mit dem FC Valencia offenhalten möchte (vgl. Khalid Bhoularouz 2006). Wenn es soweit ist, hat ein Verein kaum noch die Wahl und muss den Spieler verkaufen! Gegenbeispiele gibt es ebenfalls. Bei Werder Bremen hatten die Spieler Marco Bode und Dieter Eilts mehrfach lukrative Angebote anderer Clubs, haben jedoch nie ihren Wechsel provoziert. Eilts sagte irgendwann sinnemäß, dass er einfach Pech gehabt habe, dass sein Vertrag nie zum richtigen Zeitpunkt auslief... Fazit: Es hängt ab von im wesentlichen zwei Faktoren - dem Reiz des Geldes - dem Charakter des Spielers
nillivanmilli 15.08.2007
5. Wohl nicht praktikabel, .....
... aber eventuell doch möglich. Verzichtet auf all das Geld und setzt den Kerl auf die Tribüne. Und sei es nur zur Abschreckung für die anderen Geldsäcke. 2010 kann er dann Straßen kehren.
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