Trapattoni-Ausbruch "Musse, mussen viel Arbeit!"

Mit seiner Wutrede als Bayern-Trainer ging Giovanni Trapattoni 1998 in die Bundesliga-Geschichte ein. Nun zeigte der Italiener, dass er nichts verlernt hat. Nach der Niederlage seines neuen Clubs VfB Stuttgart gegen Aufsteiger Köln machte Trapattoni die Spieler rund.


Coach Trapattoni: Soldo der neue Strunz
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Coach Trapattoni: Soldo der neue Strunz

Stuttgart - Trapattoni nahm sich bei seiner Abrechnung vor allem VfB-Kapitän Zvonimir Soldo vor. Bei der 2:3-Heimpleite gegen Köln am Sonntag hatte er den 37-Jährigen nicht eingesetzt, wofür der Coach vom Kroaten mit Spott bedacht wurde. "Das ist eine neue Erfahrung für mich. Mir tut ein bisschen der Rücken weh. Ich bin es wohl nicht gewohnt, auf der Bank zu sitzen", sagte Soldo.

Entsprechend sauer war Trapattoni, der Soldo schon im Auftaktspiel beim MSV Duisburg (1:1) ausgewechselt hatte. "Fehler, wenn wir spiele wie Soldo", schimpfte Trapattoni, "ich weiß, was Soldo geben diese Mannschaft. Soldo okay, wir machen steht, bleiben okay spielen." Da wurden Erinnerungen an Trappatonis legendäre Brandrede vom 10. März 1998 wach, als er gegen die Bayern-Profis wütete. "Was erlaube Strunz?", "Flasche leer", "Ich habe fertig".

Mit der Umstellung gegen Köln wollte der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt (Inter Mailand, Juventus Turin und Benfica Lissabon) offenbar neue Impulse setzen. "Diese Mannschaft muss ein bisschen andere Situation suchen, no?", so Trapattoni, "ich bin hier für andere Situation suchen, ein Entwicklung suchen, oder steht wie letzte Jahr, ha? Okay, komm zuruck die alte Spieler de letzte Jahre, wir spielen wie letzte Jahre."

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Auch am Stellungsspiel seiner Elf ließ der 66-Jährige kein gutes Haar: "Waren andere Spiele, waren weit de Ball, mussen näher, näher!" Besonders ärgerte den impulsiven Übungsleiter der verschossene Elfmeter Silvio Meißners, der in der 35. Minute den 1:1-Ausgleich vergeben hatte. "Die Silvio ... Meißner, das mussen ruhig sein, schießen, Fehler gemacht, wenn waren bereit, vielleicht, äh, Tor machen", polterte Trapattoni.

Nach dem verpatzten Saisonauftakt setzt Trapattoni nun auf eine angeblich typisch deutsche Tugend: "Mussen viel arbeite, musse, mussen viel Arbeit! Ich denke erste Moment, ich habe gedacht unsere Ziel ist oben, ruhig, jetzt mussen überlegen wie wird unsere Ziel", so Trapattoni. Im Pokal spielt der VfB am Sonntag um 14.30 Uhr beim Drittligisten Hoffenheim, die nächste Bundesligapartie ist Ende August bei Werder Bremen.



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