Trauer um Rolf Rüssmann "Ich habe meinen besten Freund verloren"

Der Tod von Rolf Rüssmann sorgt für Bestürzung in der Bundesliga. Vereinsvertreter und ehemalige Mitspieler würdigen die Verdienste des langjährigen Profis und Managers. Borussia Mönchengladbach und Dortmund werden am Samstagabend in Trauerflor spielen.

Rolf Rüssmann: Tod mit 59 Jahren
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Rolf Rüssmann: Tod mit 59 Jahren


Hamburg - "Die Bundesliga trauert um eines ihrer prägenden Gesichter", sagte Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL), über Rüssmann. "Er war ein großer Sportsmann, der wie kein Zweiter für den Ruhrgebietsfußball stand. Beliebt bei den Fans, wurde seine lebenslustige und humorvolle Art von allen Seiten geschätzt."

Auch bei Schalke 04, wo Rüssmann als Spieler und Manager gewirkt hat, zeigte man sich bestürzt. "Ganz Schalke ist erschüttert", teilte Vorstandschef Josef Schnusenberg auf der Internetseite des Clubs mit. "Rolf Rüssmann war nicht nur ein außergewöhnlich guter Fußballer, sondern auch außerhalb des Platzes durch seine immer freundliche und offene Art ein großer Sympathieträger." Für S04 absolvierte der Verteidiger 304 Bundesliga-Spiele.

Betroffenheit herrscht auch bei einem anderen Ex-Club Rüssmanns: "Das ist ein trauriger Tag für Borussia Mönchengladbach", so Präsident Rolf Königs. Bei den Gladbachern hatte Rüssmann von 1990 bis 1998 als Manager gearbeitet. Wie der Club auf seiner Internetseite bekanntgab, werden die Mannschaften von Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund beim heutigen Bundesligaspiel (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eine Gedenkminute abhalten und mit Trauerflor spielen.

Langjährige Weggefährten brachten ebenfalls ihre Trauer zum Ausdruck: "Ich bin schockiert, ich habe meinen besten Freund verloren", sagte Klaus Fischer, der von 1970 bis 1980 mit Rüssmann zusammen bei Schalke spielte. Rüssmann sei der beste Kopfballspieler gewesen, den er je gesehen habe. "Er hat sich alles erarbeitet, vorbildlich erarbeitet. Davon können sich heute viele eine Scheibe abschneiden", so Fischer. "Der einzige Trost für mich ist, dass er erlöst ist", sagte Rüssmanns früherer Teamkollege Erwin Kremers, "und dass wir uns bis zuletzt um ihn gekümmert haben".

"Dem Fußball zeitlebens verbunden"

Zehn Tage vor seinem 59. Geburtstag war Rüssmann in der Nacht zum Samstag an einem Krebsleiden verstorben. Der ehemalige Vorstopper der deutschen Nationalmannschaft, der am 13. Oktober 1950 im westfälischen Schwelm geboren wurde, hinterlässt Ehefrau Eva und zwei Töchter.

"Kürzlich erst hat Rolf bei uns seine Mitarbeit in den ehrenamtlichen Gremien für die Nachwuchsförderung mit dem Hinweis auf seine angegriffene Gesundheit beendet", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, "dem Fußball war er zeitlebens leidenschaftlich verbunden. Ich persönlich kannte und schätzte ihn seit über 30 Jahren. Unser großes Mitgefühl gilt seiner Familie".

Rüssmann, der es auf 20 Einsätze in der DFB-Auswahl brachte und 1978 bei der WM in Argentinien dabei war, absolvierte in der Bundesliga 453 Spiele. Mit dem FC Schalke 04 wurde der kopfballstarke Verteidiger 1972 deutscher Pokalsieger und Vizemeister.

In den Bundesliga-Skandal verwickelt

Rüssmann war auch in den Bundesliga-Bestechungsskandal verwickelt. Für die 0:1-Niederlage der Schalker gegen Arminia Bielefeld am 17. April 1971 hatte er 2300 Mark angenommen. "Das war das mieseste Geschäft meines Lebens", sagte er später. Das Landgericht Essen verurteilte Rüssmann im März 1973 zu einer Geldstrafe. Der DFB verhängte zudem eine zweijährige Spielsperre, woraufhin Rüssmann zum belgischen Spitzenclub FC Brügge wechselte.

Nach seiner raschen Begnadigung durch den DFB kehrte Rüssmann bereits im Januar 1974 von Brügge zum FC Schalke zurück. Dort spielte Rüssmann bis November 1980. Anschließend wechselte er nach Dortmund und war bei der Borussia bis 1985 aktiv. 1999 wählten ihn Schalker Fans in die Jahrhundertelf des Clubs.

Nach der aktiven Laufbahn war Rüssmann als Manager tätig: 1987 für wenige Monate als Nachfolger Rudi Assauers bei Schalke, dann in Mönchengladbach und von Februar 2001 bis Dezember 2002 beim VfB Stuttgart.

hbm/ach/sid/dpa



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