Treffen in Deutschland Ballack und Löw haben sich ausgesprochen

Die Spannung steigt: Am Donnerstagabend haben Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw ein Gespräch in Frankfurt geführt. Das Ergebnis der Aussprache will der DFB allerdings erst am Freitag bekanntgeben.


Hamburg - Das Rätselraten um die Zukunft von Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack geht weiter, allerdings nur noch bis Freitag. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bestätigte am Abend, dass Ballack und Löw sich zu einem Gespräch in Frankfurt getroffen haben, nannte jedoch keine Einzelheiten.

DFB-Kapitän Ballack (l. im Zweikampf gegen den Waliser Fletcher): Besuch in Frankfurt
DDP

DFB-Kapitän Ballack (l. im Zweikampf gegen den Waliser Fletcher): Besuch in Frankfurt

Ballack, der mit Genehmigung seines Premier-League-Clubs FC Chelsea in die DFB-Zentrale gekommen war, flog nach der Unterredung umgehend zurück nach London. Eine Stellungnahme zu der Aussprache, auf der Löw nach Ballacks kritischen Aussagen in einem Zeitungsinterview bestanden hatte, wurde für Freitag angekündigt.

Löw hatte den 32-Jährigen nach Deutschland zitiert, nachdem dieser den Bundestrainer in einem Interview scharf angegriffen und sich damit den Zorn des obersten DFB-Trainers zugezogen hatte. Ballack hatte sich unter anderem für seinen Nationalmannschaftskollegen Torsten Frings stark gemacht, der in den vergangenen beiden WM-Qualifikationsspielen nur auf der Bank gesessen hatte. Zunächst hatte Löw nach Ballacks verbalem Angriff erklärt, dass er sich von keinem Spieler in die Mannschaftsaufstellung reinreden lassen werde.

Der England-Legionär hatte daraufhin am vergangenen Samstag eingeräumt, dass er über das Ziel hinausgeschossen sei und in einer Presseerklärung mitgeteilt: "Ich habe zwar vorher geahnt, dass ich für meinen Gang an die Öffentlichkeit Kritik bekommen werde, dass es allerdings dieses Ausmaß annehmen würde, hätte ich nicht erwartet. Und somit muss ich leider feststellen, dass es ein Fehler war, diesen Weg zu wählen."

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Mittelfeldspieler eine Entschuldigung beim Bundestrainer angekündigt und versichert, dass er Löw "persönlich als Mensch und Trainer sehr schätze". Löw hatte die Stellungnahme Ballacks, der im August 2004 unter dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann anstelle von Oliver Kahn zum neuen Kapitän bestimmt worden war, registriert, seine endgültige Entscheidung aber von dem persönlichen Gespräch abhängig gemacht.

Zuspruch in der Auseinandersetzung mit seinem wichtigsten Spieler bekam Löw von Teammanager Oliver Bierhoff. "Man kann Joachim Löw nicht vorwerfen, dass er anderen gegenüber keinen Respekt zeigt. Der Trainer hat die Verantwortung, er muss die Entscheidungen treffen, er muss schließlich auch den Kopf hinhalten. Alle Spieler haben dies zu akzeptieren", sagte Bierhoff dem "Kicker".

Bislang hatte sich Bierhoff, der von Juni bis September wegen des EM-Disputs selbst mit Ballack öffentlich im Clinch lag, nicht zu dem Konflikt geäußert. In wichtigen Situationen habe Löw "immer die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte Teammanager Bierhoff.

Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte Löw freie Hand für die Sanktionierung Ballacks gegeben. "Ich wage keine Prognose, wie sich der Trainer entscheidet. Aber ich werde jede Entscheidung mittragen", sagte Zwanziger.

Am 19. November bestreitet die DFB-Auswahl in Berlin ihr letztes Länderspiel des Jahres gegen England. Wer dann die Kapitänsbinde trägt, ist nach wie vor offen. Als Stellvertreter Ballacks fungierte bislang WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, der mit seinen bislang 86 Länderspielen normalerweiser der Favorit auf das Kapitänsamt wäre. Aber auch Kloses Münchner Vereinskollegen Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, der nach der EM bereits die Binde getragen hat, sind angeblich in der engeren Auswahl, falls Ballack seinen Verzicht erklärt haben sollte.

Ballack selbst sowie sein Berater Michael Becker waren für ein Statement nicht zu erreichen.

mig/sid/dpa



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DerBlicker 21.10.2008
1. Tja auch Jogi ist nicht sakrosant
Zitat von sysopIst Michael Ballacks Kritik an Bundestrainer Joachim Löw gerechtfertigt? Oder ist der Kapitän mit seinem Vorstoß zu weit gegangen? Sollte das Leistungsprinzip das entscheidende Kriterium bei der Aufstellung der Nationalelf sein?
Ballack kann sich die Kritik wohl leisten, denn Jogi kann nicht auf ihn verzichten, siehe Finnlandspiel. Eine gute Abwehr ist das A und O, und dazu braucht es erfahrene Leute, das weiß Ballack. Das hat Ballack übrigens auch Klinsi vor der WM2006 klar gemacht, als er lieber weiter hinten spielte, um Klinsis Kamikaze Taktik zu durchkreuzen und die Abwehr mit zu beaufsichtigen.
Justitia 21.10.2008
2.
Zitat von sysopIst Michael Ballacks Kritik an Bundestrainer Joachim Löw gerechtfertigt? Oder ist der Kapitän mit seinem Vorstoß zu weit gegangen? Sollte das Leistungsprinzip das entscheidende Kriterium bei der Aufstellung der Nationalelf sein?
Wenn Ballack mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit gegangen ist, ohne vorher mit Löw darüber zu sprechen, dann ist er eindeutig zu weit gegangen. Solche Dinge gehen ihn als Mannschaftsführer zwar durchaus etwas an, er sollte dies aber zuerst mit Löw diskutieren die Sache nicht in die Presse tragen.
derpolokolop 21.10.2008
3.
Der Maul der Nation meldet sich mal wieder zur wort. Das wundert mich nicht. Was mich wundert aber ist dass der Ballack sich beschwert hat dass der Löw ihm nicht angerufen hat wegen sein fuss OP. Stell euch vor was für ein haufen Geld das kosten wird nach england zu telefonieren so oft wie der Ballack sich verletzt!
pulzator, 21.10.2008
4.
Jogis Job ist es die besten der Besten zu finden, um den nächsten WM-Titel zu holen. Und auf dem Platz sind leider nur 11 Leute erlaubt. Wie soll er neuen Spielern eine Chance geben, wenn immer wieder die alten Hasen auflaufen? Die wissen wie es in der Nationalelf läuft und können sofort ihre Leistung abrufen, wenn sie aufgestellt werden. Mein Gott, Herr Ballack, Herr Frings... mal 2-3 Spiele auf der Bank ist doch kein Weltuntergang. Und der Jogi weiß schon ganz genau auf wen Verlass ist. Ein Kurani ist überflüssig, aber einen Frings oder Ballack kickt der Jogi bestimmt nicht über Nacht für immer aus dem Team.
shokaku 21.10.2008
5.
Da hat wohl Einer die Faxen dicke. Sagt einiges über den Zustand der NM aus, dass viel übereinander, aber scheinbar wenig miteinander gesprochen wird.
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