Leipziger Champions-League-Pleite gegen Lyon Selbst schuld

Nach einem furiosen Saisonstart hat Leipzig nun die zweite Partie in Folge verloren. Die Mannschaft hat ihre gute Ausgangslage in der Champions League verspielt - durch zwei bemerkenswerte Blackouts.

Timo Werner kann es nicht fassen
Jens Meyer AP

Timo Werner kann es nicht fassen

Aus Leipzig berichtet


Was macht ein Spitzenteam aus? Dominiert es jeden fußballerisch unterlegenen Gegner über 90 Minuten? Spielt es besonders schnell, besonders attraktiv? Ist es außergewöhnlich effektiv? Zeichnet es sich einfach nur durch gute Ergebnisse aus - und muss dabei gar nicht glänzen?

Es gibt viele verschiedene Arten von Spitzenmannschaften. Ein ganz einfaches Merkmal vereint sie alle: Spitzenmannschaften und ihre Spieler treffen in den wichtigsten Momenten mehr richtige Entscheidungen als ihre Gegner. Und zumindest was dieses Merkmal angeht, war RB Leipzig bei der 0:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Olympique Lyon beileibe kein Spitzenteam.

Denn es waren zwei schwerwiegende falsche Entscheidungen, die maßgeblich zu der Pleite beitrugen. Vor dem 0:1 ging Ibrahima Konaté nach einem Missverständnis mit Konrad Laimer ins Dribbling, anstatt den Ball sofort weiterzuspielen und schenkte ihn her. Sekunden später schob Memphis Depay zur Führung der Gäste ein (11. Minute).

Kurz danach musste Konaté verletzt ausgewechselt werden, für ihn rückte Nordi Mukiele in die Dreierkette. Und auch er verschuldete ein Tor: Am Strafraum ließ er einen Ball durch die Beine rollen, weil er Martin Terrier hinter sich nicht bemerkt hatte. Der Franzose eroberte den Ball und traf zum 2:0 (65.). Trainer Julian Nagelsmann ärgerte sich später, dass Mukiele den Ball nicht zurück zu Torwart Peter Gulasci gespielt hatte. Das habe man schon ein paar Mal angesprochen. "Da muss auch der nächste Schritt kommen."

Nagelsmann sieht keinen Abwärtstrend

Der nächste Schritt. Ob Leipzig der unter dem neuen ambitionierten Trainer gelingt, diese Frage steht auch insgesamt über dieser Saison. RB steht am Anfang einer spannenden Spielzeit. Schon im vergangenen Jahr hat sich die Mannschaft als erster Verfolger des FC Bayern und des BVB etabliert. Nach Nagelsmanns Verpflichtung stellt sich ganz automatisch die Frage: Geht da noch mehr?

Der Saisonstart verlief vielversprechend, nahezu perfekt. Einzig beim Remis gegen die Bayern ließ Leipzig zunächst Punkte. Aber: Hier hätte RB zur Pause schon klar hinten liegen können. Beim 3:0-Sieg gegen Werder war Leipzig dann effizient, aber auch nicht herausragend gut. Am vergangenen Wochenende folgte gegen Schalke die erste Niederlage, nun also die zweite. Geht der Trend derzeit also eher abwärts?

"Wenn das ein Abwärtstrend ist, dann darf es gern weiter bergab gehen", sagte Nagelsmann in Bezug auf die Leistung seines Teams. Er sprach von einem "guten Spiel", verwies auf die "Eigentore" und darauf, dass RB "deutlich mehr Chancen" gehabt habe als Lyon, drei "Tausendprozentige". In den ersten Wochen habe RB seine ersten Gelegenheiten genutzt - und an diesem Abend eben nicht, wie auch schon gegen Schalke. So sei die Niederlage zu erklären.

Werner vergibt zwei Großchancen

Allerdings traf Leipzig auf einen extrem angeschlagenen Gegner: Lyon ist derzeit nur Elfter der französischen Ligue 1, hatte zuletzt sieben Pflichtspiele in Folge nicht gewonnen. Umso bemerkenswerter war es, dass sich Leipzig zu selten so passsicher und zielstrebig in den gegnerischen Strafraum kombinierte wie in der fünften Minute, als Werner knapp neben das Tor schoss. Seine zweite gute Chance entstand durch einen Abwehrfehler, der Stürmer lief ab dem Mittelkreis allein auf das Tor zu, zog aber zu weit nach innen und setzte seinen Lupfer über die Latte (22.). Später klärte Marcelo einen Kopfball von Yussuf Poulsen nach einem Schuss von Werner knapp vor der Linie (33.).

Insgesamt aber präsentierte sich Leipzig zu fahrig, zu ungenau im Passspiel, entschied sich im falschen Moment für ein Dribbling oder für einen langen Pass. Und immer wieder fing das schon im Aufbau in der Dreierkette an, gerade wenn Lyon sich nicht zurückzog, sondern doch mal sehr früh attackierte. Auch als Nagelsmann nach dem 0:2 auf Viererkette umstellte, wurde das Leipziger Spiel nicht zielstrebiger oder gefährlicher.

Orban: "Kein so schlechtes Spiel"

Die Spieler verwiesen in ihrer Analyse ähnlich wie ihr Trainer vor allem auf die Aussetzer vor den Gegentoren, und auch auf die vergebenen Chancen. Kapitän Willi Orban sagte, es sei "kein so schlechtes Spiel gewesen". Aber wie ist der Rückschlag einzuordnen? "Ich will das nicht größer machen, aber zwei Spiele zu verlieren ist nicht gut. Auch wie wir es verloren haben, ist nicht gut", sagte Emil Forsberg.

Und was ist nun von Leipzig zu erwarten? In der Champions League ist das Team schon unter Druck geraten: Durch den Heimsieg von Zenit St. Petersburg gegen Benfica Lissabon ist RB von Platz eins auf drei abgerutscht, eine Niederlage im Heimspiel gegen Zenit (23. Oktober) darf sich die Mannschaft kaum erlauben. In der Bundesliga hat Leipzig ebenfalls gerade erst die Tabellenführung verloren. Um sich weiter ganz oben in der Liga zu etablieren, muss RB auch dort schnell zeigen, dass die Niederlagen tatsächlich nur unglückliche Ausrutscher waren.

Denn es gibt ein weiteres Merkmal, das Spitzenteams auszeichnet. Sie erholen sich schnell von Rückschlägen, finden schnell zurück zu Leistung und Erfolg. Die erste Gelegenheit dazu hat Leipzig am Mittwochabend verstreichen lassen. Die nächste wartet am Samstagnachmittag bei Bayer Leverkusen.

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ThomasS79 03.10.2019
1. Diese Berichterstattung: Spitzenteam!
Lieber SPON, Brausemillionen mal hin oder her, was wollt Ihr eigentlich? Die Leipziger spielen oben mit und alles ist noch offen. RBL spielt seine vierte Erstligasaison, alleine dass sie dabei das vierte Mal international dabei sind, spricht für gute Arbeit in Leipzig! Man darf dabei nicht vergessen, dass dabei viele populäre Gesichter wie Klostermann, Demme, Forsberg, Poulsen und Sabitzer seit der 2.Liga dabei sind, sehr jung sind und eine extreme Entwicklung gezeigt haben! Klar ist das ärgerlich, wenn Timo 2 mal direkt vorm Tor nicht die Nerven hat, aber meine Güte, der Junge ist 21! Leipzig spielt aus guten Gründen noch nicht in der Konstanz, das ist aber bei weitem keine Enttäuschung oder der Untergang. Leipzig muss hier gar nichts, um irgend welchen Medien-Orakeln zu entsprechen... wenn ich solche Berichterstattung lese, dann ist RBL definitiv schon Spitzenteam - das hat jedoch nichts mit der Realität zu tun! Zielvorgabe Platz (1)-4 in der BL, der Rest: alles kann nichts muss!
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