Trikot-Zoff Milan will nicht nackt spielen

Der Trikotstreit zwischen der Münchner Stadtverwaltung und dem AC Mailand droht zu eskalieren. Die Italiener bestehen darauf, im Champions-League-Rückspiel mit Werbung auf der Brust aufzulaufen. Theoretisch könnten die Bayern deshalb sogar rausfliegen.


München - Hintergrund ist die Aufforderung des Münchner Kreisverwaltungsreferats (KVR) an die Mailänder, im Viertelfinal-Rückspiel bei den Bayern am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr/Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf ihre etatmäßigen Trikots zu verzichten, weil der Milan-Sponsor "bwin" als privater Wettanbieter den bayrischen Behörden ein Dorn im Auge ist. Nach gültiger Rechtslage ist die Trikotwerbung in Bayern verboten. Die Europäischen Fußball-Union (Uefa) hat die Hemden mit diesem Aufdruck allerdings genehmigt.

Mailänder Werbepartner "bwin": Streit mit Münchner Stadtverwaltung
AFP

Mailänder Werbepartner "bwin": Streit mit Münchner Stadtverwaltung

Die Italiener haben nun angekündigt, dass sie sich der europäischen Rechtsauffassung (Niederlassungsfreiheit, europaweites Dienstleistungsangebot) anschließen und deshalb auf das Tragen ihrer Trikots bestehen. In einem Fax an das Kreisverwaltungsreferat, das dem Sport-Informations-Dienst (sid) vorliegt, kritisiert der AC Mailand, dass das KVR als lokale Behörde sich bisher nie mit europäischen Rechtsauffassungen beschäftigt habe und sich nun profilieren wolle.

Theoretisch ist laut sid folgendes Szenario denkbar: Das Kreisverwaltungsreferat setzt auf Kosten des Steuerzahlers zwei Dutzend Polizisten in Marsch, welche die Milan-Spieler am Betreten des Spielfeldes hindern. Verantwortlich wäre der FC Bayern als Hausherr. Er würde unweigerlich von der Uefa mit einem 0:3 am Grünen Tisch belegt und wäre so nach dem 2:2 im Hinspiel aus der Champions League ausgeschieden.

Doch so weit wollen es die Münchner Staatsdiener aber offensichtlich doch nicht kommen lassen. Zwar verweigerten sie eine genaue Auskunft, drohten dem AC Mailand aber ein "Zwangsgeld" in Höhe von 100.000 Euro an. Das ist angesichts der Millionen-Umsätze in der Champions League vergleichsweise lächerlich.

Wilfried Straub, der Wettbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL), sagte zu dem Streit: "Ich bin froh, dass der DFB weder Hausherr noch Veranstalter ist und uns das Problem deshalb nicht direkt betrifft. Grundsätzlich kann es der AC Mailand meiner Meinung nach aber durchaus wagen, für seinen Sponsor aufzulaufen."

Jörg Wacker, Deutschland-Drektor bei "bwin", ist sich sogar sicher, dass die Mailänder den Spieß umdrehen werden: "Der AC Milan hat dem Kreisverwaltungsreferat mitgeteilt, dass er ein Werbeverbot für eklatant gemeinschaftsrechtswidrig hält. Dies ergibt sich eindeutig aus dem jüngsten Schreiben der EU-Kommission an Deutschland. Sollte das KVR dennoch die Werbung untersagen, wird dies sicher Schadensersatzklagen zur Folge haben."

mac/sid/dpa



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