Triumph in den USA Deutsche Damen feiern WM-Titel

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen hat zum ersten Mal die Weltmeisterschaft gewonnen. Die erst kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit eingewechselte Nia Künzer sorgte mit ihrem Golden Goal in der Verlängerung für die Entscheidung.


Triumphgefühle: Die deutsche Mannschaft holt sich den Cup ab
AP

Triumphgefühle: Die deutsche Mannschaft holt sich den Cup ab

Carson - Das DFB-Team besiegte im Endspiel vor 26.137 Zuschauern im kalifornischen Carson den EM-Zweiten Schweden mit 2:1 (1:1, 0:1) nach Verlängerung und löste durch den Gewinn des ersten WM-Titels den alten Titelträger USA auch in der Fifa-Weltrangliste als Nummer eins ab.


Meinert schaffte den Ausgleich nach der Pause


Nia Künzer sicherte mit dem Golden Goal in der 98. Minute acht Jahre nach dem verlorenen WM-Finale gegen Norwegen (0:2) den größten Triumph des Teams von DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer. "Es ist einfach Freude pur. Mein Dank gilt meiner Mannschaft, die den Rückstand noch umgebogen hat. Jetzt steht eine schöne Feier mit vielen Überraschungen an", sagte Theune-Meyer nach ihrem größten Triumph. Maren Meinert (46.) hatte die Führung der Schwedinnen durch Hanna Ljungberg (41.) ausgeglichen.


"Deutschland spielt den besten Fußball"


Der schnelle Ausgleich: Maren Meinert (l.) und Kerstin Stegemann freuen sich über das Blitztor Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit
DPA

Der schnelle Ausgleich: Maren Meinert (l.) und Kerstin Stegemann freuen sich über das Blitztor Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit

Mit dem Coup im Endspiel krönte die DFB-Elf ihren gut dreiwöchigen Siegeszug durch die USA und vollbrachte das, was der Männer-Nationalmannschaft vor rund 15 Monaten im WM-Finale von Yokohama gegen Brasilien (0:2) versagt geblieben war. Das Lob von allen Seiten brachte Fifa-Präsident Joseph Blatter auf den Punkt. "Deutschland spielt den besten Fußball. Und wer den besten Fußball spielt, hat auch den WM-Titel verdient", sagte der Schweizer, der wie zahlreiche Ehrengäste den Finalerfolg der Deutschen bestaunte.


Doch im Stadion von Carson begannen die in ihrer Stammformation auflaufenden Deutschen zunächst verhalten. Besonders Meinert, die wie Rekordnationalspielerin Bettina Wiegmann (154 Spiele) ihre Nationalmannschafts-Karriere beendet, konnte ausgerechnet in ihrem letzten Spiel lange Zeit kaum Akzente setzen. Als stetiger Unruheherd erwies sich indes wie gewohnt Prinz, die zwischen der 25. und 36. Minute gleich dreimal das schwedische Tor nur äußerst knapp verfehlte.


Schwache erste Hälfte der Deutschen


Ihr schwedisches Pendant Victoria Svensson bereitete dagegen der deutschen Abwehr um Kerstin Stegemann ein ums andere Mal Kopfzerbrechen. Bezeichend, dass die blonde Angreiferin die Vorarbeit zum verdienten Führungstreffer der Schwedinnen leistete, als sie ihre Sturmpartnerin Ljungberg mit einem Steilpass vorbildlich bediente. Die 24-Jährige ließ sich die Chance nicht nehmen und ließ Nationaltorfrau Silke Rottenberg aus elf Metern keine Chance.


"Unser Aufbauspiel war in der ersten Halbzeit die reinste Katastrophe", schimpfte Co-Trainerin Silvia Neid in der Pause. Die Gardinenpredigt fruchtete, in die zweite Hälfte startete der Olympia-Dritte famos. Ausgerechnet die bis dahin glücklose Meinert verwertete 43 Sekunden nach Wiederanpfiff eine Vorlage von Prinz zum Ausgleich. Auch in der Folge dominierte Deutschland die Partie und hatte durch Pia Wunderlich (62.) und Meinert (74.) beste Chancen zur Vorentscheidung. In der Schlussphase der regulären Spielzeit hatten die Schwedinnen allerdings gleich mehrere hochkarätige Möglichkeiten.

Vorbereitung mit Radetzky-Marsch


Am Dienstag wird der frischgebackene Weltmeister unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Übersee auf dem Frankfurter Römerberg (11.30 Uhr) empfangen. Die deutsche Elf, bereits zuvor von Fans aus aller Welt via Internet zum Team mit der attraktivsten Spielweise gewählt, hatte sich mit Streuselkuchen, Jürgen Klinsmann als Glücksbringer und dem Radetzky-Marsch auf ihr zweites WM-Finale nach 1995 vorbereitet. Theune-Meyers 76-jährige Mutter Eva war eigens aus Deutschland nach Carson angereist, um die Spielerinnen wie vor allen wichtigen Spielen mit dem am amerikanischen Zoll vorbeigeschleusten Kuchen zu verwöhnen.

Ex-Nationalspieler Klinsmann stand unter der Woche im Training als Überraschungsgast parat, während Theune-Meyer ihre Mannschaft am Finaltag auf dem Weg ins Stadion im Mannschaftsbus mit dem Radetzky-Marsch wachrüttelte. "Da ist richtig Schwung drin", begründete die 49-Jährige die Maßnahme, die wie die Vorverlegung des Frühstücks auf sechs Uhr fruchtete.


"Ein stolzer Tag für Deutschland"


Die Weichen für eine rosige sportliche Zukunft auf internationalem Parkett sind trotz der Rücktritte von Wiegmann, Meinert und Steffi Jones gestellt. Um die Ausgangslage weiter zu erbessern, forderte Theune-Meyer die Professionalisierung der Bundesliga. "Es kommt jetzt darauf an, was die Vereine aus der Situation machen. Welche Ideen sie haben und wie es mit den Strukturen weitergeht", sagte die Pfarrerstochter, die als erste Frau 1985 die A-Trainerlizenz des DFB erwarb.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder war begeistert von der Vorstellung der Frauen: "Ich freue mich wahnsinnig. Das ist ein stolzer Tag für Deutschland. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft mindestens zehn gute Chancen gehabt, deshalb ist der Sieg hoch verdient. Allerdings konnte man am Schluss auch froh sein, dass das zweite Gegentor nicht gefallen ist. Der Frauen-Fußball hat insgesamt eine tolle Entwicklung genommen", so der Präsident.


Auch Jürgen Klinsmann wusste die Leistung zu würdigen: "Die deutsche Mannschaft hat ein gigantisches Turnier gespielt. Dies ist ein wirklich traumhaftes Team. Es hat riesigen Spaß gemacht, ihm zuzuschauen. Die deutschen Frauen haben verdient die Trophäe gewonnen."

Deutschland - Schweden 2:1 n.V. (1:1, 0:1)
0:1 Ljungberg (41.)
1:1 Meinert (46.)
2:1 Künzer (98.)
Deutschland: Rottenberg (FCR Duisburg / 88 Länderspiele) - Stegemann (Heike Rheine / 106), Hingst (FFC Turbine Potsdam / 84), Minnert (FFC Frankfurt / 103), Gottschlich (VfL Wolfsburg / 38) - Garefrekes (Heike Rheine / 24, ab 77. Müller / 07 Bad Neuenahr / 35), Wiegmann (Brauweiler-Pulheim / 153), Lingor (FFC Frankfurt / 83), Pia Wunderlich (FFC Frankfurt / 81, ab 88. Künzer / FFC Frankfurt / 31) - Prinz (Carolina Courage / 109), Meinert (Boston Breakers / 91)
Schweden: Jönsson (Malmö FF / 47 Länderspiele) - Marklund (Umea / 66), Törnqvist (Djurgarden/Alvsjo / 86), Westberg (Malmö FF / 86), Larsson (Malmö FF / 39, ab 77. Bengtsson / Kopparbergs / 127) - Andersson (Malmö FF / 131, ab 53. Sjögran / Malmö FF / 61), Östberg (Umea / 12), Moström (Umea / 72), Sjöström (Umea / 25, ab. 53. Fagerström / Djurgarden / 73) - Ljungberg (Umea / 94), Svensson (Djurgarden/Alvsjo / 89)
Schiedsrichterin: Ionescu (Rumänien)
Zuschauer: 26.000
Gelbe Karte: Törnqvist



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.