Trostlose Traditionsclubs Absturz in die vierte Liga

Rot-Weiß Oberhausen, Preußen Münster, SG Wattenscheid – gleich drei ehemalige Bundesligisten verpassten in der Regionalliga den Klassenerhalt. Damit teilen sie das Schicksal vieler namhafter Vereine: Sie vereint der Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit.
Von Gunnar Vogt und Dirk Brichzi

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, da kämpfte Oberhausen noch um den Aufstieg in die erste Bundesliga. Ein Punkt fehlte am Ende zum dritten Platz, den sich damals der FSV Mainz 05 sicherte. Ein Jahr verfehlter Personalpolitik später stiegen die "Kleeblätter" aus der zweiten Liga ab, nun folgte der Sturz in die Oberliga. Speldorf und Homberg statt Bayern und Schalke heißen nun die Gegner.

Die SG Wattenscheid 09 kennt die vierte Liga noch gut, schließlich war sie gerade erst wieder in die Regionalliga aufgestiegen. Von den glorreichen Zeiten Anfang der neunziger Jahre unter Trainer Hannes Bongartz und Mäzen Klaus Steilmann, als die SG mit den Stürmern Souleyman Sane und Marek Lesniak in der Bundesliga für Furore sorgte, ist die heutige Mannschaft weit entfernt.

Einzig die gute Jugendarbeit bleibt rund ums Lohrheidestadion als Konstante. Die A-Jugend schaffte in der Bundesliga den Klassenerhalt, die B-Jugend feierte den Aufstieg. Die beiden Altintop-Zwillinge Hamit und Halil sind die letzten bekannten Exporte aus der Wattenscheider-Fußballschmiede.

Von Trainer Georg Kreß hat sich der Club kurz nach dem letzten Spieltag getrennt. Er übernimmt nun die Mannschaft des Bundesliga-Gründungsmitgliedes Preußen Münster. Jahrelang kämpften die Preußen in der Regionalliga gegen den Abstieg, nannten sich selbst auf ihrer Homepage "Traditionsverein in der Regionalliga Nord", nun hat es sie erwischt. Selbst die vierte Verpflichtung von Hans-Werner Moors als Trainer konnte den Sturzflug der Adler nicht bremsen.

Alle genannten Teams haben sich natürlich den direkten Wiederaufstieg auf die Fahne geschrieben. Denn die Angst vor der Bedeutungslosigkeit ist groß. Im Jahr 2008 kommt die eingleisige dritte Liga und es gibt drei Regionalligen. Dann wird die Konkurrenz noch größer und der Weg nach oben noch länger. Denn mit den Abstiegen wachsen meist auch die finanziellen Sorgen, weil sich die Sponsoren zurückziehen und die Fernsehgelder knapper werden oder ganz fehlen. Oft liegt nur ein schmaler Grat zwischen Wiederaufstieg oder Insolvenz.

Auch der SV Meppen galt lange - wenn auch nur in der zweiten Bundesliga - als Traditionsverein.  Dem sportlichen Niedergang folgte aber bald der finanzielle Absturz und schließlich der Zwangsabstieg in die Oberliga. Elf Jahre am Stück spielten die Emsländer in der Zweiten Bundesliga und waren dort meist genauso weit vom Aufstieg entfernt wie vom Abstieg. 

Nach 404 Zweitliga-Partien war es 1998 dann doch soweit: Die Niedersachsen mussten den Gang in die Regionalliga antreten. Nach dem Abstieg 2000 aufgrund der Ligenreform (aus vier Regionalligen wurden zwei) spielen die Emsländer nun in der Oberliga und bangen jede Saison aufs Neue, die finanziellen Mittel für eine weitere Spielzeit in der vierten Liga aufzubringen.

Nach dem Lizenzentzug in der vergangenen Saison ist auch der KFC Uerdingen in der Oberliga gelandet. Unter den Fittichen der Bayer AG gelang den Krefelder 1975 der Aufstieg in die Erste Bundesliga. Zehn Jahre später gewann die Werkself mit Trainer Karl-Heinz Feldkamp den DFB-Pokal und stand im Jahr darauf im Halbfinale des Uefa-Cup.

Diese Erfolge prägten fortan das Anspruchsdenken im Verein. Doch noch bevor sich Bayer 1995 als Sponsor und Namensgeber zurückzog, pendelte der Club zwischen Erst- und Zweitklassigkeit. Nach dem Ausstieg des Pharma-Konzerns endete der sportlicher Niedergang zunächst in der Regionalliga. Genauso erfolglos wie um den Wiederaufstieg wurde gegen die Insolvenz gekämpft. Mit dem Lizenzentzug 2005 und dem damit verbundenen Abstieg in die Oberliga ist der bezahlte Fußball in weite Ferne gerückt.

Union Berlin und Magdeburg schafften den Aufstieg

Ebenfalls einen weiten Weg nach oben haben andere namhafte Vereine vor sich: Waldhof Mannheim, SSV Ulm (beide Oberliga Baden-Württemberg), VfB Oldenburg (verpasste gerade knapp den Aufstieg in der Niedersachsenliga West), Hallescher FC, Chemnitzer FC und FC Sachsen Leipzig (alle Oberliga Nordost). Den Aufstieg in die Regionalliga schafften dafür der 1. FC Magdeburg und Union Berlin.

Dass es einen Weg zurück gibt, bewies jüngst auch der KSV Hessen Kassel. 1990 verabschiedeten sich der Club aus dem bezahlten Fußball, überstand zwei Konkurse samt Löschung aus dem Vereinsregister, um sich nach der Neugründung Anfang 1998 wieder langsam aus der achten Liga hochzuarbeiten.

Den vorläufigen Höhepunkt feierte der Verein jetzt nach vier Jahren in der Oberliga Hessen. Ein 1:0 beim FSV Frankfurt vor 10.800 Zuschauern im Stadion am Bornheimer Hang sicherte am letzten Spieltag den Meistertitel und den damit verbundenen Regionalliga-Aufstieg. Ein kleiner Schritt zurück ins Rampenlicht.

Im Tor des KSV Hessen Kassel steht übrigens Oliver Adler, der bis vergangenen Sommer noch in Oberhausen das Tor hütete. "Die Regionalliga Süd kenne ich noch gar nicht", sagte er und kündigte sein Bleiben in Nordhessen an.

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