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07. Juni 2016, 09:22 Uhr

Gruppe D - Tschechien

Der Glanz ist verflogen

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Aus dem erfolgreichen EM-Kader von 2004 sind nur noch zwei Spieler dabei - in Frankreich will Tschechien nun mit Talenten für eine Überraschung sorgen. Das wird wohl nichts.

Deutschland? Wurde in der Gruppenphase mit einer B-Elf 2:1 besiegt. Das 3:2 gegen die Niederlande? Gilt bis heute als eines der besten Spiele der EM-Geschichte und als Beleg: Auch die Tschechen hatten eine goldene Generation. Damals, bei der EM 2004. Trotz einer starken Leistung im weiteren Turnierverlauf musste sich das Team dem späteren Sieger Griechenland im Halbfinale nach Verlängerung geschlagen geben.

Im Tor stand zu jener Zeit Petr Cech, vor ihm dirigierte Tomás Ujfalusi (HSV) die Abwehr. Das Mittelfeld war gleich mit mehreren Stars besetzt: Pavel Nedved (Juventus Turin), Tomás Rosicky (FC Arsenal) und Karel Poborsky (Sparta Prag). Im Sturm spielten mit Jan Koller (Borussia Dortmund, 55 Länderspieltore) und Milan Baros (FC Liverpool, 41) ebenfalls zwei namhafte Spieler.

Zwölf Jahre später sind zwei von ihnen noch dabei. Rosicky, in den letzten Jahren von großem Verletzungspech heimgesucht, wird beim anstehenden Turnier wohl nur Reservist sein. Der 35-Jährige absolvierte in der abgelaufenen Saison nur 19 Minuten für den FC Arsenal. Torhüter Cech hingegen ist weiterhin die unangefochtene Nummer eins im Team von Trainer Pavel Vrba.

Unberechenbarer Kader, Krejcí als Hoffnungsträger

Der Glanz vergangener Tage ist verflogen. Die Gegenwart steht im Zeichen unbekannter Talente, denen in der Gruppenphase zur EM-Qualifikation eine Überraschung gelang. Vor Island, der Türkei und den schwächelnden Niederländern setzten sich die Tschechen mit 22 Punkten an die Spitze. Das Team besticht durch seine Ausgeglichenheit und gilt als unberechenbar. Von den 19 Toren, die die Mannschaft in der Qualifikation gelangen, erzielte Borek Dockal vier. Damit war der Mittelfeldspieler von Sparta Prag der torgefährlichste Spieler des Kaders.

Dass die Mannschaft auch vor großen Namen nicht zurückschreckt, zeigte der letzte Spieltag. Trotz der bereits feststehenden EM-Teilnahme gewann Tschechien in Amsterdam gegen die Niederlande 3:2. Die tschechischen Torschützen Pavel Kaderabek (TSG Hoffenheim) und Josef Sural (Sparta Prag) sind in Europa bislang noch unbekannt. Ein weiterer Akteur von Sparta Prag zählt zu den Hoffnungsträgern der Mannschaft. Ladislav Krejcí, 23, ist der wertvollste Spieler der heimischen Liga und hat trotz seines jungen Alters bereits 23 Länderspiele absolviert. Der schnelle Linksfuß kommt zumeist über die Außenbahn.

Bei der EM dürfte es trotz der jüngsten Erfolge schwer werden für die tschechische Auswahl. Platz eins scheint in Gruppe D an Spanien vergeben zu sein. Platz zwei sollten sich die individuell besser besetzten Kroaten sichern. Es könnte auf einen Kampf um Platz drei, der möglicherweise auch zur Qualifikation für das Achtelfinale berechtigt, mit der Türkei hinauslaufen. Für viel mehr wird es in diesem Jahr nicht reichen.

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