Comeback von Huub Stevens Der Knurrer erobert die Herzen

Huub Stevens hat seine nächste Rettungsmission angetreten. Mit Hoffenheim holte er einen Punkt in Köln. Stevens gab sich charmant. Nur eins bringt ihn in Rage: als Defensiv-Trainer bezeichnet zu werden.
Hoffenheim-Trainer Stevens: Knurrer mit Herz

Hoffenheim-Trainer Stevens: Knurrer mit Herz

Foto: Dean Mouhtaropoulos/ Bongarts/Getty Images

Ein ausgesprochen zufriedenes Lächeln zierte das Gesicht von Huub Stevens, als er nach dem 0:0 von 1899 Hoffenheim beim 1. FC Köln im Presseraum des Stadions stand und in der Rolle des launigen Entertainers glänzte. Der neue Trainer der Gäste plauderte, riss Witze, neckte sich mit alten Bekannten, und ließ sein dröhnendes Männerlachen ertönen. Zwar trägt der mittlerweile 61-Jährige den Beinamen "Knurrer aus Kerkrade", in Wahrheit ist er aber ein Mann, der überall Herzen erobert.

Nun befindet er sich also wieder im Zentrum des Geschehens, und er ist nach wie vor eine prächtige Besetzung für die so oft gefragte Rolle des Krisenbewältigers. "Man sieht, dass da eine Verunsicherung ist, und die möchtest du weg haben", erläuterte er Punkt Eins seines Rettungsplans, und tatsächlich wirkten die Hoffenheimer etwas stabiler, vielleicht sogar selbstbewusster als in den letzten Wochen. Und passenderweise hat Stevens gleich seine ersten 90 Minuten ohne Gegentor überstanden.

Wenn dieser Mann irgendwo auftaucht, wird ja stets der alte Spruch hervorgekramt, der zwar noch aus dem letzten Jahrtausend stammt, den er aber nicht los wird: "Die Null muss stehen." Nun stand die Null, kein Wunder also, dass sich jemand erkundigte, ob der Schwerpunkt seiner ersten Tage in Hoffenheim auf der Arbeit an der Defensive lag.

"Ich bin kein Defensiv-Trainer"

Das war der Moment, in dem sich Stevens' Miene verfinsterte. "Das stört mich, ich bin kein Defensiv-Trainer" fauchte er, und warf den Reportern vor, seine Trainerkunst immer nur darauf zu reduzieren, Mannschaften das Zerstören beizubringen. Allerdings formuliert er selbst so eine Kritik mit einem herzlichen Unterton, und der Statistikzettel zu dem 0:0 in Köln lieferte ihm einige Argumente gegen das alte Klischee.

So hatte Hoffenheim zehnmal aufs Tor geschossen, das ist ein zumindest respektabler Wert für einen auswärts spielenden Abstiegskandidaten. "Wir sind auch nach vorne gekommen, wir hatten Momente vor dem Kölner Tor", erklärte Stevens und fragte seine Kritiker: "Wie war denn das Eckenverhältnis?" Die Antwort lautete 5:5, und als zugestanden worden war, dass Hoffenheim durchaus aktiv gewesen war, räumte der Trainer doch noch ein, erstmal an der Stabilität seines Teams arbeiten zu wollen.

Bei einem neuen Klub, der so oft verloren hat, "fängt man immer an, die Mannschaft von hinten aufzubauen", erklärte er, und auch Torhüter Oliver Baumann bestätigte, dass in den vergangenen Tagen "viel über die Defensive geredet" worden sei. Ein Defensivfanatiker ist Stevens trotzdem nicht, vielmehr kann man ihn als Meister des Pragmatismus betrachten, der feinsinnig erspürt, was eine Mannschaft braucht. Als Mann, dessen positives und uneitles Wesen Blockaden löst.

Kleine Krise des FC

Wobei die Hoffenheimer an diesem Tag Glück hatten, in einem recht günstigen Moment auf den 1. FC Köln getroffen zu sein. Die Rheinländer stecken in einer kleinen Krise, hatten vor diesem Punktgewinn zwei Bundesligaspiele und eine Partie im Pokal verloren, was wohl auch damit zusammenhängt, dass Anthony Modeste nicht mehr so kaltblütig trifft wie in der ersten Phase der Saison. Gegen seinen Ex-Klub aus Hoffenheim vergab der Franzose nun vier wunderbare Gelegenheiten, aber beim FC sind sie schon froh, dass diese Chancen überhaupt erspielt werden. "Nach drei Niederlage nacheinander war ich gespannt, wie die Mannschaft mit dieser Situation umgeht", sagte FC-Trainer Peter Stöger, der dann aber zufrieden feststellte, dass "die Mannschaft alles abrufen und unbedingt gewinnen möchte".

Vielleicht handelte es sich sogar um das unterhaltsamste 0:0 unter den vielen torlosen Spielen, die dem Kölner Publikum in den vergangenen eineinhalb Jahren vorgesetzt wurden, und das lag eben auch an den Gästen aus Nordbaden. "Das war der erste Schritt, die nächsten müssen nun folgen", sagte Kapitän Pirmin Schwegler. Ein Phänomen, das sich nach Trainerwechseln manchmal beobachten lässt, scheint sich an diesem Standort allerdings nicht zu zeigen: Dass der entlassene Markus Gisdol weg ist, hat keinen entfesselnden Effekt der Befreiung ausgelöst. "An der Einstellung hat sich nichts geändert, die war immer top", sagte Torhüter Baumann. Aber ganz bestimmt hören auch die Spieler lieber das Lachen des Huub Stevens als die zuletzt ziemlich angestrengt wirkenden Referate Gisdols.

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