Hoffenheimer Remis gegen Leipzig "Den Fußball zerstört nur einer"

TSG Hoffenheim gegen RB Leipzig: In der Bundesliga gibt es kein Spiel, das Traditionalisten kritischer sehen. Die TSG-Fans reagierten mit viel Selbstironie - und sahen dabei noch guten Fußball.
Rhein-Neckar-Arena

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Foto: Simon Hofmann/ Bongarts/Getty Images

Es soll ja Menschen geben, die mit der TSG Hoffenheim und RB Leipzig ein Problem haben, das nichts mit dem Geschehen auf dem Platz zu tun hat. Durch einige Randaspekte des direkten Aufeinandertreffens der beiden Teams dürften sich die Kritiker bestätigt sehen. 24.188 Zuschauer waren im Stadion live dabei - das ist weit weniger als der Durchschnitt einiger Traditionsvereine in Liga zwei. Deren Fans werden sich dann auch dadurch nicht umstimmen lassen, dass die 24.188 Menschen in Sinsheim ein ziemlich unterhaltsames, teilweise hochklassiges Bundesligaspiel gesehen haben.

RB Leipzig wurde nicht vor 120 Jahren im Hinterzimmer einer Gastwirtschaft gegründet, sondern entstand 2009 im Meeting eines Getränke-Giganten. Und weil der Klub das nicht ändern kann, versuchen die Verantwortlichen durch das fußballerische Konzept zu überzeugen und damit zumindest diejenigen gnädig zu stimmen, denen es nur um die 90 Minuten auf dem Rasen geht.

Genau deshalb nutzte Trainer Ralph Hasenhüttl am Sonntag auch schon den zweiten Satz seiner Spielanalyse zur Eigen-PR: "Wir haben durch unsere Art zu spielen gezeigt, dass wir eine Bereicherung für die Liga sein können. Wir haben am zweitmeisten Torschüsse hinter dem FC Bayern abgegeben."

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Leipzig punktet in Hoffenheim: Spektaktel nach der Pause

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Das stimmte, und da die Hausherren aus Hoffenheim ebenso offensivfreudig und technisch gut agierten, ergab sich daraus ein Spiel, das ansehnlicher war als einige Begegnungen der etablierten Erstliga-Konkurrenz. In einem Spiel, das viele Torraumszenen bot und in dem beide Defensivformationen ihre Aussetzer hatten, stand es am Ende unentschieden. Oder wie RB-Sportdirektor Ralf Rangnick so schön formulierte: "Das war ein 6:6, das 2:2 ausgegangen ist."

Hoffenheim überspielte das Leipziger Pressing in der Anfangsphase geschickt, geriet dann aber zusehends unter Druck. Immer dann, wenn es schnell und direkt ging, war die TSG aber gefährlich. So wie in der 55. Minute, als Lukas Rupp einfach draufhielt und das 1:0 erzielte. Oder wie in der 83. Minute, als Sebastian Rudy sich schnell vom Ball trennte und Mark Uth bediente, der das 2:1 schoss. Doch in beiden Fällen fiel der schnelle Ausgleich - durch Leipzigs großen Willen und weil ein Hoffenheimer Spiel ohne Konzentrationsmängel in der Schlussphase schlichtweg nicht vorstellbar ist. So traf Dominik Kaiser drei und Marcel Sabitzer neun Minuten nach dem jeweiligen Rückstand.

"Dass wir so zurückkommen und so an uns geglaubt haben, macht Bock auf mehr", sagte Kaiser, der 2012 von Hoffenheim zum damaligen Viertligisten Leipzig gewechselt war und am Sonntag stärkster Spieler seiner Mannschaft war. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass auch er sich prompt als PR-Experte in eigener Sache betätigte: "Wir stehen für eine gewisse Art von Fußball. Das versuchen wir in jeder Liga auf den Platz zu bringen."

Selbstironie in der Hoffenheimkurve

Also ein ganz normales Erstligaspiel? Nein, beziehungsweise: noch nicht, wie Rangnick hofft, der ja immer wieder betont, dass man in 100 Jahren eine 107-jährige Fußballtradition vorweisen könne.

In Hoffenheim sind sie derweil insgeheim nicht traurig über den Aufstieg der sächsischen Red-Bull-Dependenz. Schließlich galt man selbst in den vergangenen Jahren als Feindbild Nummer eins vieler Fanszenen. Diese gestehen den Hoffenheimern nun sogar etwas zu: Im Gegensatz zu RB habe TSG-Gönner Dietmar Hopp wenigstens einen real existierenden Fußballverein aus seinem Heimatdorf gepäppelt - ohne direkten Nutzen fürs eigene Partemonnaie.

Dabei wählten die Hoffenheimer Fans am Sonntag den besten Ausweg aus dem Dilemma, bei der kurventypischen Kommerzkritik im Glashaus zu sitzen: gekonnte Selbstironie. "Grüße an die 4 Sky-Zuschauer", hieß es auf einem Transparent, "Kommerzverein kann nicht jeder sein: Scheiß RBL" auf einem anderen. Und als Krönung: "Den Fußball zerstört nur einer. Hoffe uns sonst keiner."

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