Klassenerhalt von 1860 Die nächsten Sorgen warten schon

1860 München hat in letzter Sekunde den Klassenerhalt in der zweiten Liga geschafft. Doch die Zukunft des Traditionsklubs ist ungewiss: Zwischen Präsident und Geldgeber herrscht Funkstille, Sportchef und Trainer verstehen sich nicht.
Von Christoph Leischwitz
1860-Spieler: "Froh, dass diese Scheißsaison vorbei ist"

1860-Spieler: "Froh, dass diese Scheißsaison vorbei ist"

Foto: Tobias Hase/ dpa

In der Nachspielzeit der Relegation sah der TSV 1860 München kurz wie ein Fußballverein aus, in dem alle zusammenhalten. Kai Bülow hatte gerade per Abstauber das entscheidende 2:1 gegen den Drittligisten Holstein Kiel erzielt und damit den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt in der zweiten Liga gesichert; Trainer Torsten Fröhling, Sportdirektor Gerhard Poschner und all die Ersatzspieler rannten auf den Torschützen zu und begruben ihn unter sich. Auch Ersatzspieler wie Stefan Ortega oder Martin Angha - Fußballer, die Sportdirektor Poschner zum Verein geholt hatte und die auf der Bank sitzen, seitdem Torsten Fröhling Trainer dieser Mannschaft ist.

In der Euphorie fällt es leicht, eins zu sein. "Das musste einfach mal raus", sagte Christopher Schindler, stellvertretend für die rund 57.000 Fans, mit denen das Team im Anschluss feierte. Der Kapitän wirkte aber eher erschöpft als in Feierlaune: "Ich bin einfach nur heilfroh, dass diese Scheißsaison vorbei ist", sagte er. Fast jede Woche habe man sich mit irgendeiner anderen "Eskalation" beschäftigt, "nur nie mit dem nächsten Gegner".

Gespaltenes Fanlager

Es lief auch diesmal nicht rund. Nach einem torlos dahinplätschernden Hinspiel am vergangenen Freitag in Kiel wurde am Dienstag auch gegen den Drittligisten klar, warum 1860 die heimschwächste Mannschaft der Liga war: In der Offensive herrschte Ratlosigkeit, nach 66 Spielminuten hatte man gerade einmal einen gefährlichen Torschuss abgegeben und war nach 16 Minuten durch ein Tor von Rafael Kazior in Rückstand geraten. Erst in der Schlussphase war Sechzig überlegen und drehte dank Daniel Adlung (78. Minute) und Bülow (90.+1) das Spiel.

Der Spielverlauf und die Gefahr des möglichen Absturzes in die Drittklassigkeit ließen tief in die Fanseele blicken. Während beim Stand von 0:1 die einen Anhänger sangen "Einmal Löwe, immer Löwe", rief 50 Meter weiter ein anderer Block den Spielern zu: "Wir sind Löwen und ihr nicht." Volle Bierbecher wurden bei vermeintlichen Fehlentscheidungen des Schiedsrichters nicht nur aus der Fankurve in Richtung Rasen geworfen, sondern auch von der Haupttribüne.

Dort wiederum ist eine Person so gut wie nie anzutreffen: Sechzigs Investor Hasan Ismaik. Auch an diesem Abend war er nicht da, bei einem für den Verein so eminent wichtigen Spiel. Warum der Jordanier mittlerweile etwa 50 Millionen Euro in den Klub gepumpt hat, weiß niemand. Sicher ist nur, dass Sportchef Poschner von Ismaik protegiert wird, und Präsident Gerhard Mayrhofer seit Wochen keinen Kontakt zu Ismaik hatte.

Fröhling will Trainer bleiben

Mayrhofers Verhältnis zu Poschner gilt, gelinde gesagt, als angespannt. Einig war man sich im vergangenen Sommer lediglich darin, dass man um den Aufstieg in die erste Liga mitspielen wolle. Kurz gesagt: 1860 München steckt von der Vereinsführung bis zur Fankurve voller Widersprüche.

Inmitten dieser Konstellation ist nun ausgerechnet Torsten Fröhling der Klassenerhalt gelungen, dem dritten Trainer der nun abgeschlossenen Spielzeit. Einem 48-Jährigen, der bislang nur für Jugendteams und Oberligisten verantwortlich war, einige Wochen im Jahr 2009 auch für Holstein Kiel. Seine Zukunft in München ist unklar. Es ist auch möglich, dass er in der kommenden Saison wieder die U21 übernimmt.

Nach dem Sieg stellten sich mehrere Leistungsträger demonstrativ hinter ihn. "Er ist ein super Trainer. Ich hoffe, dass er bleibt", sagte etwa 1860-Spieler Christopher Schindler. "Ich habe nicht das Gefühl, dass der Verein nicht mit mir weiterarbeiten will", erklärte Fröhling etwas kompliziert. Und stellte sich seinerseits hinter die Spieler: "Die Mannschaft hat Perspektive. Es wird keinen großen Umbruch geben." Dann machte er eine kurze Pause, grinste und fügte an: "Also, wenn ich etwas zu sagen habe."

Wie so oft bei 1860 scheinen einer Phase relativer Zufriedenheit die nächsten Konflikte bereits gesät: Präsident und Geldgeber reden nicht miteinander, Sportchef und Trainer haben eine komplett andere Spielauffassung. So geht es nun in die Sommerpause.

Überraschend hatte sich Ismaik vor dem Spiel in einem Brief zu Wort gemeldet, zum ersten Mal seit Monaten. Darin beschwor er die Sechziger-Fankultur, mahnte aber auch an: "Es muss ehrlicher miteinander umgegangen werden." Wen er damit meinte, ließ er allerdings offen.

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