Türkei gegen Tschechien "Elfmeterschießen ist besser als eine Münze zu werfen"

Sie können Geschichte schreiben: Spielen Tschechien und die Türkei unentschieden, gibt es erstmals ein Elfmeterschießen in einem EM-Gruppenspiel. Doch darauf wollen es beide Teams nicht ankommen lassen. Der Gewinner der Partie folgt Gruppensieger Portugal ins Viertelfinale.

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Für Tschechien und die Türkei beginnt die K.o.-Runde bereits mit ihrem letzten Gruppenspiel. Und für eine der beiden Mannschaften ist sie anschließend auch schon wieder vorbei. Wenn die beiden Mannschaften am heutigen Sonntagabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Genf aufeinandertreffen, gibt es ein echtes Endspiel um Platz zwei der Gruppe A und den Einzug ins Viertelfinale der EM. Der Sieger der Partie trifft auf Kroatien - und es wird auf jeden Fall einen Gewinner geben.

Sowohl die Türkei als auch Tschechien weisen nach zwei Spielen eine Bilanz von drei Punkten und 2:3 Toren auf. Sollte es nach 90 Minuten unentschieden stehen, käme es daher direkt zum Elfmeterschießen - ohne vorherige Verlängerung.

Grundlage dafür ist Absatz 7.08 des EM-Reglements der Europäischen Fußball-Union (Uefa): "Treffen zwei Mannschaften im letzten Gruppenspiel aufeinander, die dieselbe Anzahl Punkte, die gleiche Tordifferenz und dieselbe Anzahl Tore aufweisen, und endet das betreffende Spiel unentschieden, wird die Platzierung der beiden Mannschaften durch Torschüsse von der Strafstoßmarke ermittelt, vorausgesetzt, dass keine anderen Mannschaften derselben Gruppe nach Abschluss der Gruppenspiele dieselbe Anzahl Punkte haben." Dies ist in der Gruppe A der Fall, da die Portugiesen (6 Punkte/5:1 Tore) bereits als Gruppensieger feststehen und die Schweiz (0 Punkte/1:3 Tore) bereits ausgeschiedenen ist.

Sollte diese Regel angewendet werden müssen, wäre das ein Novum in der EM-Geschichte. Bislang wurde noch nie ein Gruppenspiel durch Elfmeterschießen entschieden.

Wenn es nach den Torhütern geht, darf das auch gerne so bleiben. "Ich denke, wir schlagen die Türkei auch so", sagt Peter Cech und vertraut auf seine Vorderleute im tschechischen Team. Der türkische Schlussmann Volkan Demirel antwortet auf die Frage nach einem möglichen Elfmeterschießen: "Wir werden alles dafür tun, um das zu vermeiden."

Dabei könnte gerade für die Türken diese Elfmeter-Regelung zum Glücksfall werden. Zum einen profitieren sie davon, dass sie im letzten Vorrundenspiel auf Tschechien treffen. Denn wäre dies nicht der Fall und wären beide Teams nach dem dritten Gruppenspiel punkt- und torgleich, würde der Uefa-Koeffizient entscheiden - und da haben die Tschechen den höheren Wert.

Zum anderen anderen hat sich Volkan Demirel in dieser Saison bereits als Elfmeter-Held bewährt. Im Achtelfinale der Champions League sicherte er seinem Verein Fenerbahçe Istanbul erstmals den Einzug ins Viertelfinale, da er gegen den FC Sevilla drei Elfmeter hielt.

Petr Cech dürfte nur ungern an sein letztes Elfmeterschießen zurückdenken: Der Torhüter des FC Chelsea verpasste so vor wenigen Wochen den Gewinn der Champions League im Finale gegen Manchester United. An Europameisterschaften auf Schweizer Boden hat er jedoch gute Erinnerungen. Tschechien holte 2002 den EM-Titel der U21-Mannschaften. Das Finale gegen Frankreich im Basler St.-Jakob-Park wurde im Elfmeterschießen entschieden - Cech parierte zwei Schüsse. "Elfmeterschießen ist besser als eine Münze zu werfen", sagt er, froh darüber, dass am Ende nicht das Los entscheiden muss.

Sein Coach Karel Brückner will auf alles vorbereitet sein - er ließ die tschechischen Spieler im Training vorsichtshalber Elfmeterschießen üben. Der 68-Jährige fordert dennoch: "Wir müssen uns vor allem auf die reguläre Spielzeit konzentrieren und die Partie da entscheiden."

Im Fall einer tschechischen Niederlage wäre es Brückners letztes Spiel als Coach - nach der EM hört er auf. "Aber ich hoffe natürlich, dass wir noch etwas weiter kommen. Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit gegen Portugal, haben wir alle Chancen." Die 1:3-Niederlage gegen Portugal hat also durchaus positive Eindrücke hinterlassen.

An Zuversicht mangelt es aber auch den Türken nicht. "Alles liegt in unserer Hand. Wir glauben fest an unser Weiterkommen", sagt Arda, Torschütze des türkischen Last-Minute-Treffers gegen die Schweiz. Der 2:1-Sieg gegen die Schweizer hat für Euphorie im Team gesorgt. "Die große Chance ist da - und wir werden sie ergreifen", sagt Arda.

Den türkischen Trainer plagen jedoch große Personalsorgen. "Emre Belözoglu und Tümer stehen definitiv nicht zur Verfügung", sagte Terim vor dem Abschlusstraining. Zudem bangt der Coach um den Einsatz von Ayhan, Emre Güngör und Gökdeniz, die das Training auslassen mussten. Auch Abwehrchef Servet hat immer noch Kniebeschwerden, wird aber auflaufen. Bei den Tschechen gibt es derzeit keine Verletztenmeldungen.

Welche Mannschaft sich am Abend durchsetzt, ist völlig offen. Fest steht aber, dass es einen Sieger geben wird.

Mit Material von sid und dpa

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