Türkei-Rückkehr Daum lässt Fenerbahce zappeln

Eigentlich sollte zwischen Christoph Daum und Fenerbahce Istanbul längst alles klar sein. Doch vergangenes Wochenende verspielte der türkische Traditionsclub den schon sicher geglaubten Platz im Uefa-Cup. Nun könnte der Wechsel des derzeit bei Austria Wien tätigen Erfolgstrainers an den Bosporus doch noch scheitern.


Christoph Daum: Wo dirigiert er in der kommenden Saison?
REUTERS

Christoph Daum: Wo dirigiert er in der kommenden Saison?



Wien - Obwohl er am Montag in Wien eigens eine Pressekonferenz einberief, auf der er sein neues Tätigkeitsfeld verkünden wollte, wird Christoph Daum, 49, seinen künftigen Club erst am Mittwoch offiziell bekannt geben. Bisher steht lediglich fest, dass der Deutsche seinen bisherigen Club Austria Wien, den er in dieser Saison zum Double aus Meisterschaft und Pokalsieg geführt hatte, verlassen wird. Seinen Nachfolger will die Austria laut einer Meldung der österreichischen Nachrichten-Agentur APA ebenfalls am Mittwoch vorstellen. Als Favorit gilt der ehemalige Coach des VfB Stuttgart, Joachim Löw.

Dass Daums künftiger Club Fenerbahce Istanbul heißt, galt bis zuletzt auch am Bosporus als sicher. So schrieb die türkische Zeitung "Fanatik" am Montag, der Fenerbahce-Vorstand werde nach seiner Sitzung am Montagabend verkünden, dass man sich mit Daum auf einen Dreijahresvertrag geeinigt habe. Demnach soll Daum am Mittwoch nach Istanbul kommen und offiziell unterschreiben. Daum soll einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr erhalten und zwei Millionen Euro pro Jahr verdienen. Allerdings verpasste Fenerbahce am Wochenende durch das 1:1 bei Absteiger Göztepe Izmir die sicher geglaubte Uefa-Cup-Qualifikation, was Daum noch einmal ins Grübeln gebracht haben könnte.

"Ich habe mit ihnen Gespräche geführt. Aber eine Sache ist erst perfekt, wenn die Tinte trocken ist - und das ist nicht der Fall", so Daum, "ich werde meine Entscheidung am Mittwoch bekannt geben. Das ganze Gerede geht mir ziemlich auf die Nerven." Nach dem Pokalsieg (3:0-Sieg über den FC Kärnten) am Samstag hatte Daum das Ende der Zusammenarbeit mit Austria angekündigt, obwohl er noch einen Vertrag bis 30. Juni 2004 beim Meister besitzt. Als Grund für die Trennung vom Champion gab er die geringen Entfaltungsmöglichkeiten in Österreich an.

Vote
Bosporus statt Bundesliga

Christoph Daum wird höchstwahrscheinlich erneut in der Türkei arbeiten. Sollte der ehemalige Leverkusener Coach lieber nach Deutschland zurückkehren?

Zudem soll dem deutschen Coach ein lukratives Angebot aus Griechenland vorliegen. Der frisch gebackene Meister Olympiakos Piräus sondiere die Möglichkeiten, Daum zu verpflichten, berichtete die Athener Zeitung "Eleftherotypia" am Montag. Unter Berufung auf gut informierte Kreise habe Olympiakos bereits telefonisch Kontakt mit dem deutschen Coach gehabt. Nach Angaben des Blattes fordert Daum eine Jahres-Gage von 1,5 Millionen Euro.

Olympiakos hat in diesem Jahr einen Rekord aufgestellt. Das Team ist zum siebten Mal in Serie Landesmeister geworden. Doch die Erfolge in der Champions League bleiben bislang aus. Der Vorstand von Olympiakos sucht daher einen international renommierten, erfahrenen Coach. Den glaubt man in Daum gefunden zu haben, der vor allem in der Türkei große Erfolge gefeiert hat. So führte Daum den Fenerbahce-Erzrivalen Besiktas Istanbul, wo er 1994 bis 1996 und 2001 bis 2002 tätig war, 1994 zum Pokal- und Supercup-Sieg und 1995 zum türkischen Meistertitel. Zuvor hatte Daum den VfB Stuttgart 1992 zum deutschen Meister gemacht. Daums jüngster Erfolg war das Double mit Austria Wien in dieser Saison.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.