Folgen des Putschversuchs Rücktrittswelle im türkischen Fußballverband

Die "Säuberungen" durch die türkische Regierung erreichen den Fußball: Alle Vorsitzenden von Ausschüssen des Fußballverbandes haben ihr Amt niedergelegt.

Istanbul
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Von den sogenannten "Säuberungen" nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei ist nun auch der Fußball im Land betroffen. Alle Vorsitzenden und Mitglieder der einzelnen Ausschüsse des türkischen Fußballverbandes (TFF) reichten ihren Rücktritt ein, teilte der Verband auf seiner Webseite mit. Zu den betroffenen Ausschüssen gehörten unter anderem der Disziplinar-, der Schiedsrichter- und der Anti-Doping-Ausschuss.

Zuvor seien "Sicherheitsprüfungen" eingeleitet worden, die erbringen sollten, welche Mitarbeiter der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen oder Bestrebungen zur Einrichtung eines "Parallelstaats" zuzuordnen seien. Der in den USA im Exil lebende Gülen wird von der türkischen Regierung beschuldigt, der Drahtzieher des Putschversuchs gewesen zu sein. Seitdem gab es in der Türkei Tausende Festnahmen und Entlassungen von Personen, denen Verbindungen zu seiner Bewegung vorgeworfen werden.

Das türkische Sportportal "Sporx.com" berichtete, die Leitung des TFF hätte die Mitarbeiter vorher zum Rücktritt aufgefordert, da der Verband aufgrund der Statuten nicht befugt sei, Mitglieder der Ausschüsse zu entlassen. Nun könne es auch zu Verschiebungen im Spielplan für die neue Saison kommen, schrieb das Portal weiter. Für den 13. August ist der Supercup zwischen Meister Besiktas und Galatasaray geplant, eine Woche später soll die Süper Lig starten.

In einer weiteren Erklärung am Abend teilte der Verband mit, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien. Nur die Rücktritte jener Mitglieder, denen Verbindungen zu "Terrororganisationen" nachgewiesen werden könnten, würden angenommen. Alle anderen Mitglieder sollen demnach in ihr Amt zurückkehren.

aev/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
k12170726 31.07.2016
1.
Die Türkei hat andere Probleme als Fußball.
openyoureyes! 31.07.2016
2. Die Erdoganisten
spielen halt auch einfach besser Fussball...
Dumme Fragen 31.07.2016
3. Auch die Spieler überprüfen!
Dann fällt die Saison au!
goethestrasse 31.07.2016
4. Hut ab !
Das wird professionell durchgezogen. Kompletter Austausch in allen Bereichen. Fakten schaffen, bevor aus dem verweichlichten Europa, welches Kerzen anzündet, mahnt und sich zu Gedenkgottesdiensten versammelt einen vorsichtig formulierte Bitte um Wahrung von Menschenwürde, Demokratie und Blabla geäußert wird.
morbidesdesinteresse 31.07.2016
5. Emotionen
Leider scheinen sehr emotionale Menschen ihre Schwierigkeiten mit der Objektivität selbst nicht zu erkennen - ich hoffe, dass das zum größten Teil schlafende türkische Volk irgendwann aufwacht. Evtl. müssen erst Spielbetriebe jeglicher Sportarten zum erliegen kommen (scheinbar willkürliche Festnahmen und Entlassungen ohne gerechte Prozesse reichen wohl nicht aus) bis die blinden die Augen öffnen. Sport, so zumindest gestützt aus meiner Erfahrung, muss wohl den Emotionalen ihr liebstes Kind sein. Aber diese Rücktritte werden wohl eher als Verrat am türkischen Volke propagiert und schon singen und klatschen viele freiwillig im Takt mit. Traurig ...
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