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Fußball-EM: Modric-Treffer reicht den Kroaten

Foto: Francois Mori/ AP

Kroatiens Sieg gegen die Türkei Kopfsache

Der Sieg der Kroaten gegen die Türkei war knapp. Der türkische Torwart kopierte Tim Wiese, ein kroatischer Verteidiger spielte trotz Kopfverletzung - und ein Fan war ganz nah dran. Alles Wichtige zum Spiel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ausgangslage: Dank ihrer Topstars (wie Ivan Rakitic, Luka Modric und Mario Mandzukic) gingen die Kroaten leicht favorisiert in die Partie gegen die Türkei. Auch ein Blick in die Geschichtsbücher stimmte den kroatischen Anhang vor Anpfiff optimistisch: Ihr Team hatte noch nie zum Auftakt verloren. Die Türkei, die sich als Gruppendritter für die EM qualifiziert hatte, musste sich hingegen bei ihren drei Teilnahmen bislang immer zum Turnierstart geschlagen geben.

Startaufstellungen:
Türkei: Babacan - Gönül, Topal, Balta, Erkin - Tufan, Inan, Özyakup - Calhanoglu, Turan - Tosun.

Kroatien: Subasic - Srna, Corluka, Vida, Strinic - Modric, Badelj - Brozovic, Rakitic, Perisic - Mandzukic.

Revanchegelüste: Im Viertelfinale der EM 2008 rettete sich die Türkei durch ein Tor in der Nachspielzeit ins Elfmeterschießen, das sie anschließend gegen die Kroaten gewann. Für das kroatische Team, bei dem vor acht Jahren genauso wie heute Darijo Srna, Rakitic, Vedran Corluka und Modric im Kader standen, ein ganz bitterer Moment. Kapitän Srna betonte zwar vor Anpfiff, dass er nicht von Rache sprechen wolle. Dennoch erzählte er im Rückblick von einem "sehr schmerzhaften" Abend.

Ergebnis: Kroatien gewann knapp 1:0 (1:0) durch ein Traumtor von Modric. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Halbzeit: Durch Srna sorgten die Kroaten bereits in der zweiten Minute für Gefahr im türkischen Strafraum. Anschließend kontrollierten sie das Geschehen, konnten aber mehrere vielversprechende Gelegenheiten nicht nutzen. Erst Modric besorgte per traumhafter Volleyabnahme die verdiente Führung für Kroatien (42. Minute). Auf der Gegenseite hatte Ozan Tufan die beste Chance der Türken per Kopf (29.) vergeben.

Kroatischer Glückspilz: Nach dem erlösenden Führungstor durch Modric war es einem kroatischen Fan gelungen, sich auf das Spielfeld zu schleichen. Inmitten der Jubeltraube aus Kroatiens Nationalspielern zelebrierte der Unbekannte den Treffer und erlebte diesen emotionalen Moment Arm in Arm mit seinen großen Stars.

Foto: Francois Mori/ AP

Die zweite Halbzeit: Begann wiederum schwungvoll. Genau wie in der ersten Hälfte versäumten es die Kroaten jedoch, ihre zahlreichen Torchancen konsequenter zu nutzen. Allein Kapitän Srna hatte innerhalb von drei Minuten gleich zweimal die Vorentscheidung auf dem Fuß, sein Freistoß klatschte jedoch an die Querlatte (52.) und auch sein Versuch aus neun Metern fand nicht den Weg ins Tor der Türken (55.).

Harter Hund: Kroatiens Innenverteidiger Corluka, der Anfang 2012 ein halbes Jahr für Bayer Leverkusen spielte, stellte seine Nehmerqualitäten unter Beweis. In der ersten Hälfte hatte er sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen, die die Teamärzte in der Pause offensichtlich nur ungenügend versorgt hatten. In der 57. Minute musste die medizinische Abteilung nachbessern und verpasste Corluka einen Verband in der bekannten Turban-Variante, um die Blutungen endgültig zu stoppen. Der Abwehrspieler gewann trotz seines Handicaps alle seine sechs Zweikämpfe in der Luft.

Vedran Corluka

Vedran Corluka

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Déjà-vu des Spiels: Der türkische Torhüter Volkan Babacan hatte sich offensichtlich Tim Wiese bei der Wahl seiner Berufskleidung zum Vorbild genommen. Wie der ehemalige deutsche Nationaltorhüter, der nie einen Hehl aus seinem extravaganten Modegeschmack gemacht hatte, trug Babacan ein gewagtes Torhütertrikot in neon-rosa zur Schau. Offenbar kein gutes Omen: Wie Wiese anno 2006 gegen Juve unterlief Türkeis Schlussmann ein schwerwiegender Patzer, der das Spiel entscheiden sollte.

Erkenntnis des Spiels: Im Mittelfeld werden einer gängigen Fußballweisheit zufolge Begegnungen gewonnen. Im Zentrum des Spielfelds tummelten sich mit Modric und Rakitic auf kroatischer sowie Arda Turan und Hakan Calhanoglu auf türkischer Seite einige namhafte Mittelfeldakteure. Die Kroaten entschieden dieses Duell für sich, insbesondere in der zweiten Halbzeit kontrollierten sie das Mitteldrittel. Bezeichnend, dass Modric zum Matchwinner avancierte, während Barça-Star Turan in der 65. Minute nach einer wenig beeindruckenden Vorstellung den Platz verlassen musste.