Absturz eines Traditionsvereins TuS Koblenz ist insolvent

Jahre der Misswirtschaft sind bei der inzwischen fünftklassigen TuS Koblenz zu Ende: Die Rheinländer haben einen Insolvenzantrag gestellt. Petrik Sander kämpft aber weiter gegen den Trainerfluch vom Oberwerth.

Glücklichere Zeiten: 2010 schaltete die TuS im Pokal Hertha BSC aus.
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Glücklichere Zeiten: 2010 schaltete die TuS im Pokal Hertha BSC aus.

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Am Deutschen Eck scheint es seit Jahren schwierig zu sein, Profifußball kostendeckend zu betreiben. So gesehen ist es nur der traurige Endpunkt einer langen Reihe von Problemen, dass die TuS Koblenz GmbH nach dem jüngsten Abstieg in die fünfte Liga Konkurs angemeldet hat, wie der Klub über seine Insolvenzverwalterin mitteilen ließ.

Bereits 2007 hatte die DFL wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen einen Abzug von acht Punkten gegen die TuS verhängt - bis heute die schwerste Sanktion, die der Ligaverband je ausgesprochen hat. Die drakonische Maßnahme wurde später auf sechs Punkte Abzug reduziert. Auch in der Folgesaison zog die DFL den Rheinländern drei Punkte ab. Der Abstieg aus der zweiten Liga folgte dann aber erst 2010, als die Mannschaft erstmals seit Jahren ohne Handicap antrat.

Obwohl der Etat für die 3. Liga drastisch reduziert wurde und die TuS im DFB-Pokal das Achtelfinale erreichte, meldete Koblenz seine Mannschaft nach nur einer Saison vom Profifußball ab und startete 2011 in der Regionalliga Südwest. Aus dieser stürzte die TuS als 17. nur deshalb nicht sofort weiter ab, weil eine Ligareform den Abstieg ausgesetzt hatte. Im vergangenen Frühjahr war es dann soweit: Weil Saarbrücken und Kickers Offenbach beide ihre Relegationsspiele zum Aufstieg in die 3. Liga verloren, reichte Koblenz der 16. Rang nicht zum Klassenerhalt. Parallel dazu scheiterte man im Rheinland-Pokal am FSV Salmrohr und vergab so die Chance auf die Einnahmen aus dem DFB-Pokal.

In der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar heißen die Derbygegner nun nicht mehr wie zu Zweitligazeiten Kaiserslautern und Mainz 05, sondern Glas-Chemie Wirges und SpVgg Burgbrohl. Schon lange findet die einst für den Profifußball ausgegliederte GmbH keine Sponsoren und Investoren mehr, der Zuschauerschnitt von einst 11.000 rutschte zuletzt in den dreistelligen Bereich. Die Aussicht, nun gegen die zweite Mannschaft des FK Pirmasens zu spielen, konnte daran nichts mehr ändern, sodass die TuS jetzt einen Insolvenzantrag stellte.

In der Oberliga spielt man allerdings aufgrund eines Winkelzugs weiter: Das Spielrecht war schon zuvor an den eingetragenen Verein TuS Koblenz e.V. übertragen worden. Die Angestellten der Leistungsfußballabteilung waren von der GmbH beschäftigt worden, gegen die auch die für die Insolvenz verantwortlichen Forderungen bestanden.

Trainer Petrik Sander, einst schon mit der TuS aus der zweiten Liga abgestiegen, soll die Mannschaft in der Oberliga weiter betreuen. Sander, immerhin ehemaliger Bundesligatrainer in Cottbus, kämpft so tapfer gegen den Trainerfluch vom Oberwerth: Von den sechs Chefcoaches der TuS seit dem Zweitligaaufstieg ist er der einzige, der aktuell noch als Trainer tätig ist. Sein Vorvorgänger Peter Neustädter arbeitet immerhin als Jugendkoordinator - bei einem aserbaidschanischen Zweitligisten.



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kai1967 17.07.2015
1. Koblenz
bekommt doch bestimmt Geld von der Stadt, oder? Subventionen aus öffentlichen Kassen sind für Fußball doch völlig normal! Traditionsverein halt!
donadoni 17.07.2015
2. Das Deutsche Eck mit der Statue von Kaiser Wilhelm I.
...wird dem Verein zum Verhängnis. Viele geschichtsunwissende Investoren deuten die Statue als rechtsradikalen Gedankengut in Koblenz. Außerdem ist in Koblenz das Bundeswehrkrankenhaus und eine große private Krankenversicherung zu Hause. Linke Systemveränderer sehen letztere als zu bürgerlich an. Auch das schreckt die Fußballfans, die meistens in der billen AOK versichert sind. Alles das führte zum Niedergang des TUS Koblenz. Patrick Sander aus Cottbus wird auch der 10. Liga in Koblenz bleiben. Cottbus ist einfach zu grauslich, was er dort erlebt hat.
karlmeier6565 17.07.2015
3. Ein schwerer Schlag,
Für den Fussball.Aber im Ernst, Insolvenz hat schon ganz andere Kaliber erwischt.Sogar welche,die richtige Traditionsmannschaften in Ersten Ligen gespielt haben.
janfred 17.07.2015
4. @donadoni
da hat aber jemand sehr phantasievoll versucht den Grund der Misére der TUS zu erklären. Die Älteren kennen vielleicht noch den TUS Neuendorf. Tus Koblenz ist quasi der Nachfolger der Traditionsmannschaft, die bis in die 70er Jahre jedem Fussballfan ein Begriff war. Die 11000 Zuschauer während der Zeit in der 2.Liga zeigen auch das Koblenzer Fans weder vom Kaiser Wh. noch vom BW Lazarettt abgeschreckt wurden. Und die Koblenzer Fans haben ihre TUS auch bei Auswärtsspielen zahlreich unterstützt. Das Fussball Urgestein Rudi Gutendorf kommt auch aus Koblenz. Winni Schäfer fast :-) Einzig und allein finanzielle Probleme + evtl. auch schlechtes Management brachten die TUS dorthin, wo sie jetzt ist. Wenn Koblenz einen richtig guten Sponsor gehabt hätte; Z.B. haben wir in Koblenz ein Softwareunternehmen, das auf bestem Weg ist das SAP der Ärzte zu werden. Mit AMAZON, Stabilus, und ein grosses Aluminiumwalzwerk nenne ich nur einen Teil der grossen Arbeitgeber. Bürgerliche Provinz sieht anders aus. Oder muss der echte Fussballfan arbeitslos/Hartz4 Empfänger sein???
donadoni 18.07.2015
5. TuS Neuendorf
Zitat von janfredda hat aber jemand sehr phantasievoll versucht den Grund der Misére der TUS zu erklären. Die Älteren kennen vielleicht noch den TUS Neuendorf. Tus Koblenz ist quasi der Nachfolger der Traditionsmannschaft, die bis in die 70er Jahre jedem Fussballfan ein Begriff war. Die 11000 Zuschauer während der Zeit in der 2.Liga zeigen auch das Koblenzer Fans weder vom Kaiser Wh. noch vom BW Lazarettt abgeschreckt wurden. Und die Koblenzer Fans haben ihre TUS auch bei Auswärtsspielen zahlreich unterstützt. Das Fussball Urgestein Rudi Gutendorf kommt auch aus Koblenz. Winni Schäfer fast :-) Einzig und allein finanzielle Probleme + evtl. auch schlechtes Management brachten die TUS dorthin, wo sie jetzt ist. Wenn Koblenz einen richtig guten Sponsor gehabt hätte; Z.B. haben wir in Koblenz ein Softwareunternehmen, das auf bestem Weg ist das SAP der Ärzte zu werden. Mit AMAZON, Stabilus, und ein grosses Aluminiumwalzwerk nenne ich nur einen Teil der grossen Arbeitgeber. Bürgerliche Provinz sieht anders aus. Oder muss der echte Fussballfan arbeitslos/Hartz4 Empfänger sein???
Ich war ein kleiner Junge, als sich der TuS Neuendorf (Hölzenbein, Stracke, Beitzel, Bracht etc.) mit dem SV Alsenborn oder 1. FC Saarbrücken packende Duelle lieferte. Es war so Ende der 60er Jahre. Die damalige Sportschau mit Huberty berichtete immer sonntags aus der seligen Regionalliga Südwest. Der Spieler Hölzenbein ist mit dem Nationalspieler gleichen Namens nicht verwandt. Das Stadion Oberwert muss wohl nahe am Rhein liegen. Einmal wurde ein Bild gezeigt, bei dem das Stadion bis zur Torlatte unter Wasser stand.
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