Absturz eines Traditionsvereins TuS Koblenz ist insolvent

Jahre der Misswirtschaft sind bei der inzwischen fünftklassigen TuS Koblenz zu Ende: Die Rheinländer haben einen Insolvenzantrag gestellt. Petrik Sander kämpft aber weiter gegen den Trainerfluch vom Oberwerth.
Glücklichere Zeiten: 2010 schaltete die TuS im Pokal Hertha BSC aus.

Glücklichere Zeiten: 2010 schaltete die TuS im Pokal Hertha BSC aus.

Foto: Thomas Frey/ dpa

Am Deutschen Eck scheint es seit Jahren schwierig zu sein, Profifußball kostendeckend zu betreiben. So gesehen ist es nur der traurige Endpunkt einer langen Reihe von Problemen, dass die TuS Koblenz GmbH nach dem jüngsten Abstieg in die fünfte Liga Konkurs angemeldet hat, wie der Klub über seine Insolvenzverwalterin mitteilen ließ.

Bereits 2007 hatte die DFL wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen einen Abzug von acht Punkten gegen die TuS verhängt - bis heute die schwerste Sanktion, die der Ligaverband je ausgesprochen hat. Die drakonische Maßnahme wurde später auf sechs Punkte Abzug reduziert. Auch in der Folgesaison zog die DFL den Rheinländern drei Punkte ab. Der Abstieg aus der zweiten Liga folgte dann aber erst 2010, als die Mannschaft erstmals seit Jahren ohne Handicap antrat.

Obwohl der Etat für die 3. Liga drastisch reduziert wurde und die TuS im DFB-Pokal das Achtelfinale erreichte, meldete Koblenz seine Mannschaft nach nur einer Saison vom Profifußball ab und startete 2011 in der Regionalliga Südwest. Aus dieser stürzte die TuS als 17. nur deshalb nicht sofort weiter ab, weil eine Ligareform den Abstieg ausgesetzt hatte. Im vergangenen Frühjahr war es dann soweit: Weil Saarbrücken und Kickers Offenbach beide ihre Relegationsspiele zum Aufstieg in die 3. Liga verloren, reichte Koblenz der 16. Rang nicht zum Klassenerhalt. Parallel dazu scheiterte man im Rheinland-Pokal am FSV Salmrohr und vergab so die Chance auf die Einnahmen aus dem DFB-Pokal.

In der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar heißen die Derbygegner nun nicht mehr wie zu Zweitligazeiten Kaiserslautern und Mainz 05, sondern Glas-Chemie Wirges und SpVgg Burgbrohl. Schon lange findet die einst für den Profifußball ausgegliederte GmbH keine Sponsoren und Investoren mehr, der Zuschauerschnitt von einst 11.000 rutschte zuletzt in den dreistelligen Bereich. Die Aussicht, nun gegen die zweite Mannschaft des FK Pirmasens zu spielen, konnte daran nichts mehr ändern, sodass die TuS jetzt einen Insolvenzantrag stellte.

In der Oberliga spielt man allerdings aufgrund eines Winkelzugs weiter: Das Spielrecht war schon zuvor an den eingetragenen Verein TuS Koblenz e.V. übertragen worden. Die Angestellten der Leistungsfußballabteilung waren von der GmbH beschäftigt worden, gegen die auch die für die Insolvenz verantwortlichen Forderungen bestanden.

Trainer Petrik Sander, einst schon mit der TuS aus der zweiten Liga abgestiegen, soll die Mannschaft in der Oberliga weiter betreuen. Sander, immerhin ehemaliger Bundesligatrainer in Cottbus, kämpft so tapfer gegen den Trainerfluch vom Oberwerth: Von den sechs Chefcoaches der TuS seit dem Zweitligaaufstieg ist er der einzige, der aktuell noch als Trainer tätig ist. Sein Vorvorgänger Peter Neustädter arbeitet immerhin als Jugendkoordinator - bei einem aserbaidschanischen Zweitligisten.

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