TV-Coup ZDF sichert sich die Champions League

Die Champions League kehrt ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zurück: Das ZDF erhält ab 2012 die Free-TV-Rechte an den Spielen und zahlt dafür gut 50 Millionen Euro pro Saison. Der bisherige Rechteinhaber Sat.1 hat das Nachsehen.
Startrainer Mourinho und der Champions-League-Cup: Demnächst im ZDF

Startrainer Mourinho und der Champions-League-Cup: Demnächst im ZDF

Foto: REUTERS

Hamburg - Das ZDF hat den Zuschlag für die Champions League ab der Saison 2012/13 bekommen und damit Sat.1 die Free-TV-Rechte an dem Wettbewerb abgejagt. Entsprechende Medieninformationen hat das ZDF am Dienstag bestätigt. Sat.1 überträgt seit 2009 die Königsklasse des europäischen Fußballs, verliert dieses Recht aber mit dem Ende der Spielzeit 2011/12. Die Rechtekosten werden auf etwa 54 Millionen Euro pro Saison geschätzt.

Im Pay-TV wird dagegen der langjährige Rechteinhaber Sky weiterhin Champions und Europa League übertragen. Sky hatte als einziger Bewerber ein Angebot bei T.E.A.M., dem Rechtevermarkter der Europäischen Fußball-Union (Uefa), abgegeben. Die Europa-League-Rechte für das Free-TV werden später vergeben.

Die Champions League findet seit Jahren ohne die öffentlich-rechtlichen Fensehanstalten statt. Das ZDF hatte sich bereits 2008 um die Übertragungsrechte bemüht. Damals hatte jedoch überraschend Sat.1 den Zuschlag erhalten.

Das ZDF teilte mit, es habe sich mit dem Rechteinhaber darüber verständigt, ab 2013 keine Werbespots der Champions-League-Sponsoren nach 20 Uhr auszustrahlen, da dies der neue Rundfunkstaatsvertrag den öffentlich-rechtlichen Anstalten verbietet. An sich beinhaltet der Kauf der Champions-League-Rechte auch die Verpflichtung, die Sponsoren-Werbung zu senden. In der Hinrunde der Saison 2012/13 ist Sponsoring nach 20 Uhr zunächst noch erlaubt, da der neue Staatsvertrag erst 2013 in Kraft tritt. Außerdem wird die Vorberichterstattung schon nach der "heute"-Sendung, also gegen 19.20 Uhr, beginnen.

18 Spiele pro Saison gehören zum Angebot

Zum ZDF-Paket gehören ab der Saison 2012/2013 für drei Jahre 18 Spiele pro Saison: zwei Playoffs, eine Partie pro Spieltag und das Supercup-Finale. ZDF-Intendant Markus Schächter sagte zu dem erfolgreichen Abschluss: "Uefa und ZDF werden als Doppelspitze mit der Champions League besten europäischen Vereinsfußball präsentieren. Die künftige Erweiterung auf bis zu vier deutsche Mannschaften wird noch mehr Fans in Deutschland für die stärkste Liga der Welt mobilisieren."

Sat.1 hatte dem ZDF während der Verhandlungen vorgeworfen, sich aus der Verpflichtung herauskaufen zu wollen und den Sponsoren eine Entschädigung dafür zu zahlen, dass deren Trailer nicht gesendet werden. "Unser Angebot orientiert sich an den rechtlichen Grundlagen von heute und an denen, von denen wir bereits wissen, dass sie kommen", antwortete darauf ZDF-Sprecher Alexander Stock. Der sogenannte Mediawert der Sponsorenpräsenz wird auf rund 15 Millionen Euro geschätzt.

Kritik kam auch vom privaten Konkurrenten RTL: Tobias Schmid, bei RTL Bereichsleiter für Medienpolitik, warf dem öffentlich-rechtlichen Sender Verschwendung von Gebühren vor. Er sagte: "Es ist faszinierend, wie das ZDF in Zeiten, in denen die Gesellschaft eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Gebühren fordert, das Geld mit vollen Händen raus wirft, um etwas anzubieten, was der Zuschauer längst hatte - und zwar ohne einen Cent unserer Gebühren."

aha/sid
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