Streit um TV-Einnahmen in der Premier League Die "Big Six" gegen den Rest

Die reichsten sechs Vereine der Premier League drängen auf einen neuen Verteilungsschlüssel der TV-Einnahmen. Der Konflikt droht den englischen Klubfußball zu zerreißen. Wieder einmal.
Manchester City vs. Liverpool (19.03.17)

Manchester City vs. Liverpool (19.03.17)

Foto: Laurence Griffiths/ Getty Images

Die 20 Vereine der Premier League treffen sich am heutigen Mittwoch, um über die Verteilung der Fernsehgelder zu beraten. Die Interessenlage ist eindeutig: Die reichsten sechs Klubs - Manchester United und City, Chelsea, Tottenham, Arsenal und Liverpool - drängen auf ein Ende des Gründungskonsenses der Liga, die Erlöse aus dem Verkauf der internationalen TV-Rechte gleichmäßig unter allen Teams aufzuteilen.

Es geht dabei um viel Geld: In der vergangenen Saison erhielt jeder der Vereine in der höchsten englischen Spielklasse 39 Millionen Pfund (knapp 44 Millionen Euro) aus diesem Topf. Der Plan der "Big Six", so berichten verschiedene englische Medien, sehe vor, dass künftig 35 Prozent der Auslandseinnahmen über einen Schlüssel verteilt werden, der auch die Tabellenpositionen berücksichtigt - den erfolgreichen Klubs also einen größeren Anteil garantiert.

Die Einnahmen aus dem lukrativen Inlandsdeal mit Sky Sports and BT Sports werden bereits nach einem ähnlichen System verteilt, das auch die Zahl der Liveübertragungen im Fernsehen berücksichtigt. Meister Chelsea bekam so knapp 151 Millionen Pfund (170 Millionen Euro), der Tabellenletzte Sunderland immerhin noch 93 Millionen Pfund (105 Millionen Euro).

14 Stimmen für einen neuen Schlüssel erforderlich

Für jede Änderung des Verteilungsschlüssels ist allerdings eine Zweidrittelmehrheit notwendig, d.h. mindestens 14 von 20 Klubs müssten für eine Abkehr vom aktuellen egalitären Modell stimmen. Während die meisten kleineren Klubs sich im Vorfeld des Treffens nicht öffentlich äußern wollten, wurde Burnleys Trainer Sean Dyche sehr deutlich, er lehne den Vorstoß ab. Es sei "auch so bereits ein ungleicher Wettbewerb", das neue Modell würde die Ungleichheiten weiter verstärken.

Bemerkenswert ist, dass sich die Geschichte wiederholen könnte: Vor 25 Jahren waren es die erfolgreichsten Klubs der First Division gewesen, die auf eine Abspaltung gedrängt hatten, um die TV-Gelder nicht mehr mit den anderen drei Profiligen teilen zu müssen. Dieser Streit endete im Jahr 1992 mit der Gründung der Premier League.

Nun verläuft der Riss mitten durch die erste englische Liga. Nicht unwahrscheinlich, dass jetzt die europäische Superliga ein Thema wird - und sei es nur als argumentative Drohkulisse im aktuellen Streit.

chh/Reuters