TV-Fußball Auslaufmodell "ran"

Beim Münchner Kirch-Konzern denkt man darüber nach, die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga an das ZDF zu verkaufen. Das wäre das Ende der Sat.1-Sendung "ran".


München - Die Lösung ist schlicht. Weil das konzerneigene Pay-TV Premiere World nicht die erwünschten Abonnentenzahlen erreicht hat, hat man sich im Management der KirchGruppe jetzt mehrere Pläne zurechtgelegt, wie mit Hilfe des Fußballs die Finanzkraft des Münchner Medienunternehmens erhöht werden kann.

Eine bereits an die Öffentlichkeit gedrungene Überlegung sieht die Verlegung des Bundesliga-Formats "ran" (Sat.1) am Samstag von 18.30 Uhr auf 22 Uhr vor. So erhofft man sich in München eine Steigerung der Attraktivität der Bundesliga-Live-Übertragungen auf Premiere World.

Das zweite, ungleich radikalere Modell sieht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) den Verkauf der Bundesliga-Rechte an das ZDF vor. Dann könnte die Zusammenfassung des Spieltages im "Sportstudio" um 22 Uhr laufen.

Noch dementiert man die Gerüchte, wenn auch wacklig. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sat.1 aus der Bundesliga aussteigt", sagte Kirch-Sprecher Hartmut Schultz auf Anfrage. Ein anderer Manager des Unternehmens hatte in der "SZ" auf die Frage, ob die Bundesliga bei "ran" bleibe oder dem ZDF angeboten werde, mit den Worten "Es steht 50:50" geantwortet. "An unserer Position hat sich nichts geändert. 'ran' wird sowohl in der kommenden Rückrunde als auch in der kommenden Saison auf dem bekannten Sendeplatz ab 18.30 Uhr ausgestrahlt", sagte Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler.

Das ZDF, das gute Kontakte zur KirchGruppe besitzt, strahlt in dieser Saison das Samstagabend-Spiel als erster Free-TV-Sender aus. Der drei Milliarden Mark teure Bundesliga-Vertrag der KirchGruppe mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) läuft im Sommer 2004 aus. Er schreibt eine "zeitnahe Berichterstattung" im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) vor. "22 Uhr ist nicht mehr zeitnah und somit nicht im Geiste des Vertrages", sagte DFB-Ligadirektor Wilfried Straub. Allerdings schloss Straub Gespräche über eine Modifizierung des Vertrages nicht grundsätzlich aus.

Die SportA als Sportrechte-Agentur von ARD und ZDF will sich mit der "neuen Situation" in den nächsten Tagen befassen. Die SportA hat von der Kirch-Agentur ISPR Sublizenzen für die Zweit- und Nachverwertung der Bundesligaspiele erworben.

In der ARD wird die Entwicklung mit großem Interesse verfolgt. Man will mitbieten, falls die Bundesliga-Rechte von der KirchGruppe angeboten werden. "Kirch steht mit dem Rücken zur Wand. Er benötigt Geld, um die Forderungen seines Mitgesellschafters Rupert Murdoch zu erfüllen. Deshalb hat er uns auch die WM-Rechte 2002 angeboten", sagte ein ARD-Sprecher. Der Abschluss des 225-Millionen-Mark-Vertrages für das Turnier in Japan und Südkorea muss noch von den ARD-Intendanten genehmigt werden.



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