Streit über TV-Rechte Rummenigge schaltet offenbar Kartellamt ein

Es ist ein Vorstoß, der die anderen Bundesliga-Klubs verärgern dürfte: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat sich in Sachen TV-Rechte offenbar an das Bundeskartellamt gewandt. Er möchte eine eigenständigere Vermarktung erreichen, sprich: mehr Geld für seinen Klub.
Rummenigge: Gespräch mit Wettbewerbshütern

Rummenigge: Gespräch mit Wettbewerbshütern

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images

Karl-Heinz Rummenigge hat laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" beim Bundeskartellamt Möglichkeiten für eine andere Vergabe der Fernsehrechte an der Bundesliga ausgelotet. Der Vorstandsvorsitzende von Bayern München wolle eine eigenständigere Vermarktung der TV-Rechte durch die Vereine erreichen. "Es wurde diskutiert, was für den FC Bayern möglich ist", hieß es. Der Besuch habe vor gut drei Wochen stattgefunden. "Im Laufe der Prüfung werden auch Gespräche mit einzelnen Marktteilnehmern geführt", zitierte die "SZ" das Kartellamt.

Die Wettbewerbshüter in Bonn befassen sich derzeit mit dem Vergabeverfahren der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga, da die 36 Proficlubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga die Rechte über die Deutsche Fußball Liga (DFL) zentral vermarkten. Daher ist eine Prüfung notwendig.

Der laufende Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro endet 2017. In dieser Saison verteilt die DFL aus der zentralen Vermarktung insgesamt 850 Millionen Euro, 170 Millionen davon (20 Prozent) gehen an die 2. Liga.

Rummenigge hofft auf 200 Millionen Euro

Rummenigge soll laut "SZ" beim Kartellamt nicht die Abschaffung der bestehenden Zentralvermarktung gefordert haben. Es sei aber über die derzeitige Rechtslage gesprochen worden. Denkbar seien etwa mehr Freiheiten bei der Vermarktung außerhalb Deutschlands oder im Internet.

Die Bayern erhalten derzeit jährlich gut 50 Millionen Euro aus dem Verkauf der Fernsehrechte und deutlich weniger als etwa die britischen oder spanischen Spitzenvereine. Laut Rummenigge könnte der Klub aus der Direktvermarktung der TV-Rechte bis zu 200 Millionen Euro erlösen können, also das Vierfache.

Zuletzt hatte der Zweitligist FC St. Pauli mit einem Antrag für die DFL-Mitgliederversammlung am kommenden Mittwoch für Aufregung gesorgt. Darin fordern die Hamburger, Werksvereine wie Bayer Leverkusen (Bayer) und VfL Wolfsburg (VW), aber auch 1899 Hoffenheim (Mäzen Dietmar Hopp), die sich nicht der sogenannten 50+1-Regel über die Stimmenmehrheit bei den Profivereinen unterwerfen müssen, in Zukunft von der Gruppenvermarktung auch der Fernsehrechte auszuschließen.

Neuer Verteilungsschlüssel?

St. Pauli wolle weder wie behauptet die Solidargemeinschaft der Klubs aufkündigen noch die zentrale Vermarktung der TV-Rechte angreifen, schreiben Vereinspräsident Oke Göttlich und Geschäftsführer Andreas Rettig in einem Brief an die anderen 35 Profiklubs. Bei der künftigen Ausschüttung der Erlöse solle vielmehr neben sportlichem Erfolg ein zusätzliches Kriterium ausschlaggebend sein.

Würden einzelnen Klubs besondere Vermarktungsmöglichkeiten eingeräumt, die anderen verwehrt bleiben, müssten die Bevorzugten von der TV-Geldverteilung ausgeschlossen werden, so der Antrag. Solcherart bevorzugt seien jene Klubs, die von der sogenannten "50+1"-Regel befreit sind. Diese Investorenregel besagt, dass der Stammverein die Stimmenmehrheit im Klub behalten muss. Ausgenommen von dieser Bestimmung sind Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg, TSG 1899 Hoffenheim und ab 2017 Hannover 96.

Nach St. Paulis Argumentation besitzen diese Klubs beim Verkauf von Geschäftsanteilen einen Wettbewerbsvorteil. Der Vorstoß, der Anfang der Woche hohe Wellen schlug, wurde den Ligachefs Christian Seifert und Reinhard Rauball bereits in einem Schreiben vom 5. November angekündigt, wie SPIEGEL ONLINE erfuhr. Angeblich unterstützen derzeit mehr als zehn Vereine im Kern das Modell.

Für mehrheitsfähig halten Ligavertreter indes einen Kompromiss: Sind bislang nur die Tabellenplatzierungen der letzten fünf Jahre für den Verteilungsschlüssel maßgeblich, würde es demnach Abzüge für "50+1"-Abweichler geben. Derzeit kassiert Bayern München mit 40,38 Millionen Euro das meiste Geld aus der nationalen Vermarktung, Arminia Bielefeld mit 5,22 Millionen am wenigsten.

kra/cte/dpa
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