TV-Rechte Bundesliga schon an Kirch verkauft?

Presseinformationen zufolge hat sich der DFB entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung jetzt schon entschieden, die Fernsehübertragungsrechte an der Fußballbundesliga bis 2003 der Kirch-Gruppe zuzuschlagen. Die Beteiligten dementieren heftig.


Frankfurt am Main - Nach Informationen des "Kicker" und der "FAZ" hat der DFB die TV-Senderechte an der Fußballbundesliga vorzeitig der Internationalen Sportrechteverwertungsgesellschaft ISPR der Münchner Kirch-Gruppe zugesagt. Die Übertragungsrechte sollen der Kirch-Tochter rund 550 Millionen Mark pro Jahr wert sein. Der Vertrag soll bis zum 30. Juni 2003 laufen. Für die momentanen Rechte zahlt die ISPR dem DFB 330 Millionen Mark pro Saison. DFB und Kirch-Gruppe wollten die Einigung am Montag allerdings nicht bestätigen.

Pressesprecher Michael Novak erklärte dazu: "Es wird nicht nur mit den Genannten, sondern auch noch mit anderen Interessenten verhandelt." Um die Bundesligafernsehrechte haben sich auch der Münchner Medienunternehmer Herbert Kloiber (Tele München Fernseh GmbH) und Michael Kölmel (Kinowelt AG) beworben. Eine Entscheidung hatte der DFB am 22. März "für Mitte Mai" angekündigt.

"Wir begreifen die Meldungen nicht", sagte Kirch-Sprecher Johannes Schmitz am Montag. Olaf Markhoff von dem zur Kirch-Gruppe gehörenden Pay-TV-Sender PremiereWorld meinte: "Die Artikel stoßen auf große Verwunderung. Wir sprechen mit dem DFB, aber es ist ein schwebendes Verfahren. Es ist noch nichts entschieden.

Laut "Kicker" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sollen die Bundesliga-Clubs jeweils 16 Millionen Mark (bisher 12 Millionen Mark) pro Saison aus dem neuen TV-Vertrag erhalten, die Zweitligisten müssen sich je nach Platzierung mit jeweils bis zu zehn Millionen Mark (bisher 5,5 Millionen Mark) begnügen.

Die Vereinbarung soll die Internet-Rechte nicht beinhalten. Sie bleiben vorerst noch beim DFB. Eine Vergabe an Dritte während der Laufzeit des Vertrages mit Kirch sei aber nicht ausgeschlossen, hieß es in den Meldungen. Die Frage der Internet-Rechte gilt als entscheidender Grund, warum sich die Verhandlungen über einen längeren Zeitraum hinziehen. Bei der Vollversammlung der 36 Profi-Clubs und des DFB-Ligaausschusses stehen die Verhandlungen über die TV-Rechte auf der Tagesordnung.

Das neue Programmschema soll erstmals auch Spiele im Pay-per-View-Verfahren vorsehen. Dabei können die TV-Zuschauer nur gegen eine Extragebühr die Partien verfolgen. Live-Spiele im Free-TV sind nicht mehr geplant. Am Freitag wird es statt zwei Spielen nur noch eine Begegnung (live im Pay-TV) geben. Am Samstag werden um 15.30 Uhr fünf Spiele im Pay per View, das so genannte "Spiel der Woche" wird ab 19.30 Uhr im Pay-TV gezeigt. Für den Sonntag werden laut "Kicker" eine Partie um 16 Uhr im Pay per View und ein Spiel ab 18 Uhr im Pay-TV übertragen. Zusammenfassungen im Free-TV werden weiterhin im Kirch-Sender SAT.1 gezeigt. Die Freitags-Ausgabe der Sendung "ran" soll allerdings entfallen.



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