TV-Rechte Entscheidung für Fans und gegen Premiere

Gute Nachricht für alle Fußballfans, schwere Schlappe für Premiere: Der Pay-TV-Sender verlor die Übertragungsrechte. Die ARD kann wie gewohnt kurz nach Spielschluss die Sportschau übertragen. Zudem wird es wieder eine Erstligapartie am Freitagabend geben.


Frankfurt am Main - Im Poker um die TV-Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga hat sich Premiere verzockt: Der Pay-TV-Sender hat die Rechte im Bezahlfernsehen überraschend an die Firma Arena, eine Kabelnetzbetreiber-Gesellschaft, verloren. Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent in Besitz von Unity Media. Der neue Vertrag läuft über drei Jahre und beginnt mit der Saison 2006/2007.

Werder-Profi Frings (l.) gegen den Hamburger Jarolim: Künftig auch wieder freitags
REUTERS

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"Teil der Vereinbarung ist, dass die Fußball-Übertragungen bei dem neuen Pay-TV-Partner sowohl über Kabel als auch über Satellit gewährleistet ist und nicht mehr als 20 Euro pro Monat kosten", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert im Anschluss an eine Vollversammlung der 36 Lizenzvereine in Frankfurt am Main. Für den Zuschlag soll Arena rund 240 Millionen Euro pro Saison zahlen.

Die ARD-"Sportschau" behält indes die Erstverwertungsrechte für das frei empfangbare Fernsehen, wird allerdings ihre Sendung samstags statt um 18.10 Uhr erst um 18.30 Uhr beginnen und wie bisher Zusammenfassungen von sechs Spielen senden. Das wieder eingeführte Erstligaspiel am Freitagabend überträgt Arena live. Die Zweitverwertung im Free-TV am Samstagabend bleibt beim ZDF, das zur gewohnten Zeit ab 22 Uhr sendet.

Die Zusammenfassung im Free-TV der beiden Sonntagspartien strahlt wie bisher das DSF aus, allerdings statt um 19 Uhr erst drei Stunden später. Das Gesamtvolumen des TV-Vertrages für drei Jahre beläuft sich auf 1,26 Milliarden Euro, pro Saison sind 420 Millionen Euro fällig. Zuletzt hatte der Ligaverband 300 Millionen Euro per annum kassiert. Die Internet-Rechte gingen an die Deutsche Telekom, die offenbar plant, künftig komplette Spiele im Web zu übertragen. Die Auslandsrechte sicherte sich der Wettanbieter "betandwin".

"Man kann dem Sieger nur gratulieren. Mit Ausnahme von Premiere gibt es nur Gewinner. Ich dachte, Premiere ist etwas beweglicher. Allerdings haben sie auf stur geschaltet, was die 'Sportschau' anbelangt", sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Auf Grund des Verlustes der Bundesligarechte fiel die Premiere-Aktie um über 40 Prozent, zwischenzeitlich belief sich der Verlust auf 800 Millionen Euro.

Der Poker um die lukrativen Bundesliga-Rechte hatte bis zuletzt für Hochspannung gesorgt. Immer wieder wurde im Verlauf des heutigen Tages darüber spekuliert, ob sich die DFL für eine Erdrutsch-Entscheidung oder ein Beibehalten des bisherigen Verteilungsschlüssels entscheidet. Der achtköpfige Vorstand der DFL hatte am Dienstagabend eine entsprechende Empfehlung abgegeben, die TV-Rechte umzustrukturieren und den bisherigen DFL-Partner Premiere auszubremsen.

Premiere: Absage trotz Höchstgebot

"Ich bedaure, einen Premiumpartner wie Premiere nicht mehr an Bord zu haben", sagte Seifert. Die DFL bestätigte, dass Premiere das finanziell beste Angebot abgegeben hatte. Der Pay-TV-Sender, der ab 2006 auch die Rechte für die Champions League im Free-TV besitzt, hatte mit seiner Bundesliga-Offerte von rund 250 Millionen Euro plus X offenbar zu hoch gepokert.

Der münchner Sender, der seit 1991 die Pay-TV-Rechte in Deutschland besitzt und 3,4 Millionen Abonnenten hat, hatte sein Angebot damit verknüpft, dass die ersten Bilder im frei empfangbaren Fernsehen erst ab 22 Uhr ausgestrahlt werden dürfen. Dies habe der Vorstand der DFL aus fünf Kriterien, unter anderem wegen Sponsorensorgen und Fanunverträglichkeit, abgelehnt, sagte DFL-Präsident Werner Hackmann. Free-TV-Spiele um 22 Uhr hätten neben einem Fanaufstand hohe Einnahmeeinbußen bedeutet.

Um dieses Szenario zu verhindern, war die ARD in die Offensive gegangen, hatte Clubs und Sponsoren in diesem Jahr mittels einer "Werberoadshow" besucht. Der Werbewert der Sportschau für die jeweiligen Werbepartner der Vereine sei auf Grund der hohen Reichweite zwischen 80 und 120 Millionen Euro anzusiedeln, hieß es von Seiten des öffentlich-rechtlichen Senders.

Mehr Geld für die Vereine

Diese Argumentation war offenbar für den Liga-Verband ebenfalls schlüssig, um den Sponsoren entsprechende Quoten im Free-TV garantieren zu können. Die ARD, die bislang 60 Millionen Euro zahlte, hatte ihr Angebot auf rund 80 Millionen aufgestockt. Mit der Beibehaltung der Sportschau favorisierte die DFL das so genannte Modell C. Danach soll ein Spiel am Freitagabend ausgetragen werden, um das sich die ARD allerdings nicht beworben hat. Sechs Spiele sollen am Samstag und wie bisher zwei am Sonntag ausgetragen werden.

Mit der Vergabe wurde ein Schlussstrich unter das umfangreichste und komplizierteste Bieterverfahren gezogen, das es bislang in der deutschen Fernsehlandschaft gegeben hatte. Insgesamt 233 Einzelpakete hatte die DFL ausgeschrieben, zu allen gingen mehrere Offerten ein. 35 Firmen hatten die Unterlagen angefordert, 18 waren bis zum Ende dabei.

Die DFL wird noch im Januar ein neues Verteilungsmodell für die Einnahmen von 420 Millionen Euro pro Saison aus den Übertragungsrechten der Ersten und Zweiten Bundesliga erarbeiten, kündigte Hackmann an. Als Richtlinie zur Findung eines neuen Schlüssels habe man sich bereits auf einige Punkte geeinigt. Jeder der 38 Profivereine werde am Mehrertrag beteiligt. "Grundsätzlich soll die Differenz zwischen dem Ersten der Bundesliga und dem Letzten der Zweiten Bundesliga verringert werden", so Hackmann.



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ps895, 21.12.2005
1.
Ich finde damit ist der DFL ein akzeptabler Kompromiss zwischen Komerz und Interrese der Fans gelungen. Damit wird Premiere wohl ein weiteres Opfer von Grössenwahn werden. Schade um die Arbeitsplätze dort.
Marcusso, 21.12.2005
2.
Kofler ist an seinem Größenwahn gescheitert, er sollte sich schleunigst zuückziehen.
Phantom, 21.12.2005
3.
Jo, allerdings frage ich mich, wo die Spiele jetzt übertragen werden. Premiere ist doch der einzige Pay-TV sender wo gibt, oder nicht ? Oder werden die Spiele jetzt nur noch auf Handy übertragen ?
cycokan, 21.12.2005
4.
Kommt jetzt halt darauf an, was Premiere in Zukunft für sein Restprogramm verlangt. Ich meine, Championsleague, Premierleague und ab und zu Barca sehe ich schon gerne und ab und zu gibts ja auch mal, neben viel Müll aus der Mottenkiste, ein paar gute Filme. Aber wenn das dann zusammen deutlich mehr kostet, also Buli Kabel 1 auf der einen Seite, Restpremiere auf der anderen, dann werden wohl viele so wie ich nur noch für Bundesliga bezahlen. Da ich befürchte, dass es insgesamt zwar nicht gleich doppelt so teuer, aber doch so 10-15 Euro teurer wird, finde ich nicht, dass die neue Verteilung so wirklich kundenfeundlich ist. Die Verantwortung dafür trägt allerdings eindeutig Premire, die haben sich total verzockt und deren Management müsste eigentlich sofort zurücktreten. Denn mit ihrem blinden Bestehen auf Free TV erst nach 22.00 haben die ihre Firma an den Rand des Ruins getrieben, vielleicht sogar darüber hinaus. Die haben dadurch heute rund 1 Milliarde ihrer Anleger verbrannt, die Filmrechte, die im Prinzip nur in Verbindung mit Bundesliga funktionieren total entwertet und völlig unnötiger Weise einen bisher mickrigen Konkurrenten stark gemacht. Am Ende sehe ich eine Kooperation auf den einen oder anderen Weg auf uns zu kommen, jedenfalls wenn Unvernunft nicht die Gesetze der Marktwirtschaft völlig außer Kraft setzt. Das Arena Konsortium besitzt nun die überragend wertvollsten Übertrasgungsrechte für deutsches Pay TV, Premiere besitzt quasi alle anderen bedeutetenden Rechte und verfügt über das Know How, die Infratstruktur und den Kundenstamm. Das Pokerspiel wird also weiter gehen, der Premiere Aktienkurs ist derart geschwächt und man muss die nächsten Tage abwarten, ob er nicht ins total bodenlose abrutscht. Damit ist Premiere ein Übernahmekandidat für die Konkurrenz. Das weiß auch Premiere und wenn die nicht völlig durchgeknallt sind, dann werden die nun versuchen Kabel Deutschland in irgendeiner Form eine Kooperation oder Fusion anzubieten bevor es zu spät ist. Ich bin ziemlich sicher, dass es nicht dazu kommen wird, dass wir in Zukunft mit 2 Decodern und 2 Rechnungsadressen klar kommen müssen, ich schätze, dass die sich irgendwie einigen und Arena auch über den Premieredecoder und im Rahmen der Premiere Abrechnung angeboten wird. Ob das aber schon zur nächsten Saison so kommen wird, oder ob die sich erst eine Saison lang zum Schaden beider Unternehmen, ihrer Kunden und ihrer Besitzer einen ruinösen Konkurrenzkampf leisten wollen wird sich bis zum Sommer sicher entscheiden. Beide Konkurrenten sollten allerdings nicht außer acht lassen, dass es noch ganz andere, ungleich potentere Akteure beim Börsenspiel gibt. So halte ich als Außenseitertip folgendes nicht für ganz unrealistisch: Telekom kauft beide und vereinigt Pay TV und Internetvermarktung für Sport und Filme unter einem Dach. Die Mittel dazu hätten sie zweifelsohne, Sinn würde es auch machen und wenn Premiere und Arena sich zerfleischen sind sie bald beide abschußreif.
FRAD, 21.12.2005
5.
naja es gibt ja noch Kabel-Deutschland als PayTV Anbieter etc ... Bleibt wirklich abzuwarten wie sich das entwickelt, eins steht jedoch fest - bezahlen müssen wir trotzdem! Und wenn es für den Fan (der ein Abo hat) teurer wird, dann bin ich mal auf die Reaktionen gespannt ;)
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