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U-21-EM: Das sind die spanischen Jungstars

Foto: JACK GUEZ/ AFP

U-21-Europameister Spanien Phantastisches aus Tiki-Taka-Land

Die Kleinen machen es den Großen nach: Wie die spanische A-Nationalmannschaft ist nun auch das Juniorenteam Europameister. Aus einem homogenen Team stachen drei Spieler besonders hervor. Hier sind die Stars des Turniers - und die Enttäuschungen.

Für einen Mann, der gerade den wichtigsten Titel seiner Karriere gewonnen hatte, wirkte Julen Lopetegui erstaunlich gefasst. Sicher, es gibt Menschen, die ihm ein eher ruhiges Temperament nachsagen, doch nach dem Sieg der spanischen Fußballer im Finale der U-21-EM gegen Italien trat er so kontrolliert, so ruhig und so souverän auf, als gelte es, in Konkurrenz zu Jupp Heynckes um den Titel des kühlsten Triumphators zu treten. Nein, sagte Lopetegui, der in seinem früheren Leben einmal Torhüter beim FC Barcelona war, herausheben wolle er niemanden. Es gehe doch nur um die Mannschaft. Und die habe ein gutes Spiel geliefert.

Ein gutes Spiel - was für eine Untertreibung! Für diesen Auftritt, der eher an eine Demonstration erinnerte. Für dieses 4:2 gegen Italien, das cleverste Team des Wettbewerbs. Für diese Augenblicke, in denen es so wirkte, als würde der Ball an einer unsichtbaren Schnur durch die spanischen Reihen gezogen. Einer, Thiago Alcántara vom FC Barcelona, ragte heraus mit seinen drei Treffern in der ersten Hälfte, die den Italienern die Illusion raubten, gegen den Favoriten etwas ausrichten zu können.

"Überall, wo ich hingeschaut habe, habe ich nur phantastische Fußballer gesehen", sagte Italiens Coach Devis Mangia. Natürlich meinte er auch den einen oder anderen im blauen Trikot, natürlich war er stolz auf seine Mannschaft, die ohne Erfolg alles gegen diese Spanier versuchte. Doch eigentlich sprach er über die Spanier, deren Qualität ihn schlichtweg begeisterte: "Das ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Da muss man dem spanischen Verband ein Kompliment machen."

Solche Hymnen nahm der Sieger nur allzu gern entgegen, denn ganz nebenbei ging es ja auch um das Unternehmen Titelverteidigung: Auch 2011 triumphierte Spanien, doch Lopetegui, wen wundert es, wollte die Stärken der Siegerteams nicht gegeneinander aufwiegen: "Das sind doch zwei unterschiedliche Turniere und zwei unterschiedliche Mannschaften."

Die Stars des Turniers: drei Spanier

Dabei hätte er stundenlang über die Stärken seiner aktuellen Siegermannschaft referieren können - über das brillante Zusammenspiel, das blitzschnelle Umschalten, die wenigen Fouls, mit denen Spanien auskam - und über diese herausragenden Spieler, von denen sich Mangia umzingelt sah. Es gab, natürlich, Thiago Alcántara, den dreifachen Torschützen. Aber da war ja auch Alvaro Morata, der Goalgetter, der in Madrid nur ein paar Einsätze in der Saison bekommen hat. Hier traf er in vier Spielen viermal. Im Finale schoss er zwar kein Tor, dafür überzeugte Morata im Zusammenspiel, war ein glänzender Passgeber. Doch ob ihm eine Weltkarriere bevorsteht, ihm, dem eher schmächtigen Stürmer, der eher in der Tradition eines Emilio Butragueño oder eines Raúl steht als in der von Athleten wie Robert Lewandowski oder Ruud van Nistelrooy?

Als Mann für hohe Weihen gilt jedenfalls Isco, der Spielmacher aus Málaga. Nicht nur für die Spanier ist er der Mann des Turniers. Aus der Mitte stößt er auf den Flügel, seine Ruhe am Ball ist schlichtweg atemberaubend. Manchmal erinnert er an Andrés Iniesta, doch er ist noch torgefährlicher als der Barcelona-Taktgeber. Dreimal traf Isco im Turnier. Obschon er lange Wege geht, ist er ein Meister des Minimalismus. Es sind kurze, kaum wahrnehmbare Bewegungen, mit denen er seine Gegner ins Leere laufen lässt. Im Zusammenspiel ist er das Metronom - er gibt den Takt vor, das Ergebnis ist typisch spanischer Fußball: "Wir haben eine Mission: Wir spielen Tiki-Taka und wollen es der Welt zeigen", sagte Thiago Alcántara.

Sie haben sich auf ihr System verschworen - und wollen beweisen, dass es noch immer das Maß der Dinge ist, wo doch der ein oder andere Kritiker Tiki-Taka als Auslaufmodell wähnte. Bei dieser EM jedenfalls war die spanische Passmaschine nicht zu stoppen. Einem Clubteam, eingespielt und im täglichen Trainingsalltag auf allerlei Varianten vorbereitet, könnte das eher gelingen.

Und die Deutschen?

Doch in den Auswahlteams sieht es anders aus. Im Nachwuchsbereich ist die Lücke zwischen Deutschen und Spaniern riesig, es ist sehr wahrscheinlich, dass die DFB-Elf auch mit den besten Kickern, die nicht nominiert wurden (Ilkay Gündogan, Julian Draxler und André Schürrle), große Probleme bekommen hätte. "Es ist wichtig, dass du eine Philosophie hast, und wir arbeiten sehr hart daran, auf diesem Niveau zu bleiben", sagte Lopetegui. Doch ist eine Spielidee, die dann zur Doktrin erklärt wird, das Allheilmittel?

Wer sich die einstmals stilprägenden Niederländer anschaute, der konnte daran zweifeln. Im klassischen 4-3-3-System spielten sie eine exzellente Halbzeit gegen die Deutschen - doch danach hielten sie nicht im Ansatz, was sie sich selbst und dem Anhang versprachen. Noch immer predigen sie das Dogma vom Ballbesitz, doch es war eine ineffektive Breitwand-Variante, die wie eine grobschlächtige Kopie des Originals aussah.

Für Filigranes stehen einstweilen die Spanier. Nicht ausgeschlossen, dass diese großartigen Fußballer ihre Tiki-Taka-Mission bald auch in der A-Nationalelf erfolgreich verfolgen werden.

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