U-21 "Es fehlt die technische Grundlage"

Die Erkenntnis für DFB-Trainer Hannes Löhr war bitter, wenn auch nicht neu. Der deutsche Fußball-Nachwuchs schlampt im Umgang mit dem Arbeitsgerät.


Zagreb - Trainer-Größen wie Christoph Daum oder Cesare Maldini sowie Talentspäher von einem Dutzend europäischer Großvereine und namhafte Spielervermittler hielten auf der Tribüne Ausschau nach den deutschen Stars von morgen. Doch auf dem Rasen des Varteks-Stadion in Varazdin bot der Nachwuchs des DFB beim 0:2 gegen Kroatiens Olympia-Auswahl nur eine erschreckende Perspektivlosigkeit.

Selbst Trainer Hannes Löhr, von Haus aus ein rheinisch-fröhlicher Optimist, vermisste bei seinen aktuellen U21-Auswahlspielern elementare Voraussetzungen zur ordentlichen Ausübung ihres Berufes. "Sie können kämpfen, sie können laufen, sie haben eine gute Einstellung - aber es fehlt die technische Grundlage", bemängelte der 57-jährige Fußball-Lehrer.

In der Tat offenbarten die meisten der deutschen Jungprofis, die vielfach schon Jahresgagen im satten sechsstelligen Bereich einstreichen, eklatante Schwächen im Umgang mit dem Ball. Selbst ein "Katsche" Schwarzenbeck, der frühere "Ausputzer des Kaisers" Franz Beckenbauer und alles andere als ein Filigrantechniker, hätte sein Arbeitsgerät besser beherrscht als mancher Nationalspieler des Jahrgangs 1979/80, so Löhr: "Unsere Technik reicht nicht aus für ein Kombinationsspiel."

Kroatiens Olympia-Auswahl, im Schnitt knapp ein Jahr älter als die deutsche Elf und noch im Kampf um ein Sydney-Ticket, war dem Kontrahenten nicht nur in technischer Hinsicht hoch überlegen. "Die hatten nur den dritten von fünf Gängen eingelegt und die deutsche Mannschaft trotzdem klar beherrscht", brachte Leverkusens Trainer Daum das Kräfteverhältnis treffend auf einen Nenner. Robuster, erfahrener und "abgezockter" seien die Kroaten gewesen, bilanzierte Daum. "Da hat manch deutscher Spieler im Zweikampf geglaubt, er läuft gegen einen Baum."

Auf Fabian Ernst traf diese Einschätzung nicht zu. Der 20 Jahre alte Kapitän und Abwehrchef war der einzige im deutschen Team, der das kroatische Niveau erreichte. Zugleich ist der Dauerreservist des Hamburger SV aber auch ein Symbol dafür, wie schwer es die wenigen Talente haben, sich im eigenen Land durchzusetzen. Nur fünf Mal stand Ernst in dieser Saison in der Anfangself von HSV-Trainer Frank Pagelsdorf, hinzu kamen neun Teileinsätze. Viel zu wenig für einen, dem in erster Linie nur noch Erfahrung und Spielpraxis fehlt.

Beim Umgang mit dem Problem scheiden sich aber sogar die Trainer-Geister. Während Daum dem U21-Kapitän empfiehlt, sich in Hamburg durchzubeißen, ist für Löhr auch ein Vereinswechsel ein denkbarer Ausweg: "Er muss dringend spielen, egal wie." Ähnlich sieht es auch der bis 2001 an den HSV gebundene Ernst selbst. "Wenn ich in Hamburg keine Chance sehe, muss ich einen anderen Ausweg suchen." Vermutlich steht sein Name schon im Notizbuch des einen oder anderen Spions, der am Dienstagabend in Varazdin auf der Tribüne saß.



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