DFB-Junioren bei U21-EM im Viertelfinale Ins Ziel gezittert

Ein störrischer Torpfosten und ein Rumäne auf Wiedergutmachungsmission besiegelten das 0:0 der deutschen U21 im letzten EM-Gruppenspiel. Im Viertelfinale könnte nun ein überraschender Gegner warten.
Niklas Dorsch im Zweikampf mit Rumäniens Darius Olaru

Niklas Dorsch im Zweikampf mit Rumäniens Darius Olaru

Foto: Marton Monus / dpa

Der Pfosten des Spiels: Stand aus TV-Perspektive oben im linken Tor der Budapester Bozsik Aréna. Und er rettete gleich zweimal glänzend: Erst verhinderte die Aluminiumstange die frühe Führung durch Rumäniens Alexandru Matan (4. Minute), später parierte sie auch noch den Handelfmeter von Lukas Nmecha (72.). Insgesamt eine souveräne Leistung des Torgestänges, das auch spät beim Lattenkopfball von Amos Pieper noch einmal im Mittelpunkt stand (90.).

Das Ergebnis: Mit einem 0:0 mussten sich Deutschland und Rumänien folgerichtig begnügen. Das reichte den Deutschen zum Einzug ins Viertelfinale, den Rumänen nicht. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Das andere Ergebnis: So munter die deutsch-rumänische Nullnummer auch war, im Parallelspiel der Gruppe A war deutlich mehr los. Dort zogen die Niederlande dank eines 6:1 (1:0)-Erfolgs über Co-Gastgeber Ungarn an Deutschland und Rumänien vorbei, Oranje stürmte zum Gruppensieg – bei dreifacher Punktgleichheit. Am Ende entschied nur die Höhe der Siege gegen Ungarn über Platz eins, zwei und drei.

Die erste Halbzeit: Begann wild, mit Rumänen, die sich trauten, die Deutschen schon früh anzulaufen. Keeper Finn Dahmen hatte im vorigen Gruppenspiel gepatzt, eine solche Szene wollte der Außenseiter durch hohes Pressing erneut forcieren. Doch nach dem frühen Pfostenschuss gelang Rumänien nach vorn nicht mehr viel, dafür musste Innenverteidiger Alexandru Pascanu in höchster Not gegen Mateo Klimowicz' Lupfer (24.) und Mërgim Berishas Schuss aus sechs, sieben Metern (42.) retten.

Pascanus zweite Chance: Pascanu ist übrigens ein U21-Veteran. Der Abwehrmann war schon bei der EM vor zwei Jahren dabei, als Rumänien sensationell England aus dem Turnier warf und erst im Halbfinale an Deutschland scheiterte. Beim 2:4 damals flog Pascanu in der Nachspielzeit vom Feld. Auch diesmal reichte es nicht zum Weiterkommen, doch an Pascanu lag das nicht.

Wiedergutmachung geglückt: Alexandru Pascanu (l.) hatte Lukas Nmecha gut im Griff

Wiedergutmachung geglückt: Alexandru Pascanu (l.) hatte Lukas Nmecha gut im Griff

Foto: Marton Monus / dpa

Die zweite Halbzeit: Vielmehr lag es daran, dass die Rumänen es nie wirklich schafften, das deutsche Tor in Gefahr zu bringen. Das änderte sich nicht durch Freistöße kurz vor der Strafraumgrenze, das änderte sich nicht dadurch, dass im deutschen Mittelfeld besonders dem angeschlagenen Arne Maier zusehends die Kräfte schwanden. Dafür blockte Adrian Petre im eigenen Strafraum einen deutschen Freistoß mit ausgefahrenem Arm, der fällige Strafstoß landete bekanntlich am Pfosten. Ein anderer ausgefahrener Arm, der von Keeper Andrei Vlad, rettete gegen Jonathan Burkardt das Remis (75.).

Belgische Schokoladenseite: Mit Wunderkindern und Supertalenten ist die deutsche U21 bei diesem Turnier nicht gesegnet. Womit nicht gesagt sei, dass es den Spielern an Begabung fehle – nur spielen eben die großen Nachwuchsstars wie Kai Havertz oder Florian Wirtz bereits im A-Nationalteam mit, während die Leistungsträger der Junioren oft nicht einmal in der Bundesliga kicken. In der Gruppenphase machten gerade diese Spieler auf sich aufmerksam: Nmecha bewies trotz Elfer-Fehlschuss bereits seine Torgefahr, und im abschließenden Gruppenspiel wurde Niklas Dorsch nach einer schweinsteigeresken Darbietung zum Mann des Spiels gekürt. Dorsch spielt in Gent, Nmecha in Anderlecht – die Achse des deutschen Spiels ist eine belgische.

Dabei sein ist alles: Ein Wunderkind und Supertalent – oder, bodenständiger, ein hochveranlagter junger Stürmer – durfte auch das letzte Spiel nur von der Bank verfolgen: Eine schmerzhafte Schienbeinprellung drängte Youssoufa Moukoko von der angedachten Joker- in die Zuschauerrolle. Der Vorsicht halber blieb der 16-Jährige zwar bei der Mannschaft, aber ohne Einsatz. Die Zweiteilung der EM könnte für Moukoko ein Segen sein: Bis es Ende Mai weitergeht, ist die Verletzung sehr sicher wieder abgeklungen.

Der Sinn der Pause: Apropos Ende Mai: Üblich ist es nicht, ein Großturnier für zwei Monate zu unterbrechen. Notwendig geworden war der Zweiteiler durch die Corona-Pandemie: Durch die ins Jahr 2021 verschobene »große« EM mussten sich die Junioren neu sortieren, um eine Überschneidung im Sommer zu vermeiden. Also wurde das Turnier in die zwei vorangehenden Länderspielpausen vorverlegt.

Strategisch kluger Misserfolg: Offen ist noch, gegen wen das deutsche Viertelfinale stattfinden wird. Womöglich erweist sich der verpasste Gruppensieg aber im Nachhinein als leichterer Pfad ins Endspiel: Topfavorit Frankreich ist in Gruppe C, gegen deren Gruppensieger das DFB-Team antreten wird, vor dem letzten Spieltag nur auf Platz zwei. Anstatt gegen Europas beste Talente-Manufaktur der letzten Jahre könnte es gegen Dänemark gehen, falls die Dänen ihr letztes Gruppenspiel gegen Russland am Mittwochabend nicht verlieren.

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