U21-Finale gegen England Deutsche Jungstars erkämpfen EM-Titel

Starke Vorstellung: Deutschland hat das Finale der U21-Europameisterschaft gegen England dominiert - und souverän gewonnen. In der Defensive ließ das Team von Trainer Horst Hrubesch nur wenige Chancen zu, vorne gelangen Mesut Özil und Co. gleich vier Treffer.


Hamburg - Happy End in Malmö: Der überragende Mesut Özil hat die deutschen U21-Fußballer erstmals zum Europameistertitel geführt. Mit einem Tor und zwei Vorlagen sicherte der Bremer Mittelfeldspieler den 4:0 (1:0)-Erfolg gegen England im Finale der EM in Schweden. Nachdem DFB-Präsident Theo Zwanziger bei der Siegerehrung alle Spieler persönlich gedrückt hatte, reckte Kapitän Sami Khedira um 22.46 Uhr den Siegerpokal in Malmö in die Höhe.

Durch den Erfolg komplettierte die Mannschaft von Trainer Horst Hrubesch auch das Titel-Triple für den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Als erster Verband überhaupt ist der DFB nun für einen Monat im Besitz aller drei EM-Trophäen im Jugendbereich. "Wir haben alles richtig gemacht. Man muss die Mannschaft loben. Es hat einfach Spaß gemacht", sagte Hrubesch nach seinem letzten Spiel als U21-Trainer: "Das ist auch ein Meilenstein für mich." Der 58-Jährige kehrt nach seiner vollbrachten Titel-Mission zur U20 zurück und wird von Rainer Adrion beerbt.

Der Leverkusener Gonzalo Castro erzielte in der 23. Minute nach Vorarbeit von Özil die Führung, Özil selbst erhöhte drei Minuten nach der Pause auf 2:0 und legte in der 79. Minute dem Duisburger Sandro Wagner den dritten deutschen Treffer auf. Fünf Minuten später sorgte Wagner mit seinem zweiten Tor für den Endstand. "Ich habe mit Bremen schon den Pokal gewonnen, aber das hier ist eine Europameisterschaft. Wir haben alles umgesetzt, was der Trainer gesagt hat. Damit haben wir uns das Leben leicht gemacht", sagte Özil, der auch zum besten Spieler des Abends gewählt wurde.

Bundestrainer Joachim Löw, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Sportdirektor Matthias Sammer sahen im Finale die mit Abstand beste Leistung der deutschen Mannschaft in diesem Turnier. Hrubesch hatte überraschend sein System von 4-4-2 auf 4-1-4-1 geändert. Neben dem genesenen Kapitän Sami Khedira rückten auch Mats Hummels und Wagner ins Team und kamen zu ihren ersten Einsätzen von Beginn an. Dafür rutschte außer dem angeschlagenen Marko Marin und dem gesperrten Ashkan Dejagah auch der Hamburger Dennis Aogo aus der Startelf.

Bei den Briten waren mit Torhüter Joe Hart und den Stürmern Gabriel Agbonlahor und Frazier Campbell gleich drei Spieler gesperrt. Vom "B-Team" der Briten vom 1:1 in der Vorrunde standen nur zwei Spieler auf dem Platz. Die Systemumstellung tat dem deutschen Team sichtlich gut. Die Räume waren besser zugestellt, Hummels fügte sich prima ein, Khedira hatte mehr Freiheiten in der Offensive, Özil fühlte sich auf dem linken Flügel erkennbar wohler als in der Spitze.

Dennoch hatten die Briten vor rund 20.000 Zuschauern im fast ausverkauften Stadion in Malmö schon nach zwei Minuten die erste große Chance. Nach einem Schnitzer von Innenverteidiger Benedikt Höwedes verzog Theo Walcott allerdings aus spitzem Winkel. Nach einer Viertelstunde kamen die auf eigenen Wunsch wieder in den roten Ausweichtrikots spielenden DFB-Junioren zur ersten Chance: Einen Schuss von Özil aus zehn Metern blockte der Engländer Fabrice Muamba aber im letzten Moment ab.

Acht Minuten später bediente der Bremer mit einem schönen Pass Castro, und der Leverkusener sorgte mit dem Außenrist wie schon im Vorrundenspiel für die deutsche Führung. Hrubesch war mit der Leistung dennoch nicht vollauf zufrieden, schimpfte an der Seitenlinie über "Kinderfußball". Die Fans sahen es anders: Nach einer halben Stunde ließen die deutschen Fans erstmals die Welle durch das Stadion schwappen. Noch größer wurde der Jubel in der 48. Minute. Özil, der schon im DFB-Pokalfinale gegen Leverkusen das entscheidende Tor zum 1:0 geschossen hatte, profitierte von einem groben Schnitzer des englischen Ersatztorhüters Scott Loach, der den 30-Meter-Freistoß passieren ließ.

Deutschlands Weg zum Titel

GRUPPENSPIELE
Spanien 0:0
Finnland 2:0
England 1:1

HALBFINALE
Italien 1:0

FINALE
England 4:0

Danach verstärkten die Briten den Druck. In der 58. Minute traf James Milner die Latte, drei Minuten später retteten Andreas Beck und Torhüter Manuel Neuer mit vereinten Kräften gegen Adam Johnson, nach einem Kopfball Johnsons klärte Beck noch einmal auf der Linie (70.). Ansonsten ließen die deutschen Junioren aber keine großen Chancen mehr zu - im Gegenteil: Mit zwei Treffern kurz vor Schluss machte Wagner schließlich die gelungene Revanche für das verlorene EM-Finale 1982 gegen die "Three Lions" perfekt.

Deutschland - England 4:0 (1:0)

1:0 Castro (23.)
2:0 Özil (48.)
3:0 Wagner (79.)
4:0 Wagner (84.)

Deutschland: Neuer - Beck, Höwedes, Boateng, Boenisch - Hummels (83. Aogo) - Johnson (68. Schwaab), Castro, Khedira, Özil (89. Schmelzer) - Wagner.
England: Loach - Cranie (80. Gardner), Richards, Onuoha (46. Mancienne), Gibbs - Cattermole, Muamba (78. Rodwell), Noble - Milner, Walcott, Johnson.
Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)
Gelbe Karten: Boenisch, Wagner / -

wit/sid/dpa



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