Rechte Gruppe in Brandis: Fünf Festnahmen
Foto: oberligasuedHamburg - Nach wochenlangen Ermittlungen zum brutalen Überfall auf Fußball-Fans im sächsischen Brandis haben die Fahnder fünf Neonazis festgenommen. Die jungen Männer seien dringend tatverdächtig, am 24. Oktober in einer Gruppe von rund 50 Angreifern den Sportplatz in Brandis gestürmt zu haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Leipzig mit. Dabei waren vier Menschen teils schwer verletzt worden. Gegen die 19 bis 28 Jahre alten Männer ist Haftbefehl erlassen worden. Die Ermittler sind zuversichtlich, bald weitere Angreifer ausfindig machen zu können.
Die Verdächtigen hatten es gezielt auf Anhänger des Gäste-Vereins Roter Stern Leipzig abgesehen. Mit Eisenstangen und Holzlatten sollen sie auf die Fans losgegangen sein. Die Ermittler legen ihnen gefährliche Körperverletzung zur Last. Die Verhafteten seien teils einschlägig vorbestraft, hieß es. Zwei waren nur zur Bewährung auf freiem Fuß. Die Bezirksklasse-Partie zwischen dem FSV 1921 Brandis und Roter Stern Leipzig war nach wenige Minuten abgebrochen worden. Der Leipziger Verein ist erst kürzlich mit dem sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet worden.
Die Festgenommenen seien dem "gewaltbereiten rechten Spektrum" zuzurechnen, teilten die Behörden mit. Sie stammen aus Stadt und Landkreis Leipzig sowie aus Görlitz. Am Mittwoch wurden vier Wohnungen durchsucht und Beweismaterial sichergestellt. Die Ermittlungen hätten gezeigt, dass die Szene überregional vernetzt ist.
Von den Randalen existieren zahlreiche Fotos und sogar Videoaufnahmen. "Es ist davon auszugehen, dass neben den Festgenommenen weitere tatverdächtige Personen zeitnah identifiziert werden können", erklärten die Ermittler. Bisher seien rund 275 Zeugen und Hinweisgeber befragt worden. Die Ermittlungen waren wochenlang nur schleppend verlaufen.
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Randale: Etwa 50 Personen haben am 24. Oktober beim Bezirksliga-Spiel zwischen dem FSV Brandis und Roter Stern Leipzig (RSL) Fans der Gäste angegriffen. Laut anwesenden RSL-Fans handelte es sich um "eine Mischung aus rechten Hools und einschlägig bekannten Neonazis aus dem Muldentalkreis". Spieler beider Teams...
...hatten noch versucht, sich zwischen die beiden Gruppen zu stellen,...
...um Schlimmeres zu verhindern - jedoch ohne Erfolg. Die Angreifer waren laut Zeugenberichten von einem Brandis-Ordner, der der rechtsextremen Szene angehören soll, durch eine Seitentür auf das Gelände gelassen worden. Dort bewaffneten sie sich mit angeblich zuvor dort deponierten...
...Eisenstangen und Holzknüppeln und gingen...
...auf die politsch als links bekannten Fans von Roter Stern Leipzig los. Die Polizei war laut Augenzeugen zu diesem Zeitpunkt mit zu wenigen Beamten vor Ort und musste...
...dem Treiben auf dem Feld zunächst tatenlos zusehen. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab, da die Angreifer mittlerweile das Feld fest im Griff hatten und...
...sich zielstrebig in Richtung des Gästeblocks bewegten. Dort setzten...
...die Angreifer auch Feuerwerkskörper ein...
...und rückten weiter vor.
Gegenwehr: Ein Teil der RSL-Anhänger ging zur Selbsthilfe über und versuchte, die Angreifer aus dem Stadion zu drängen. Nach etwa 15 Minuten...
...traf dann auch Polizeiverstärkung ein. Unbehelligt...
...von der Polizei verließen...
...die Rechtsextremen den Sportplatz in Brandis und schickten einen letzten...
...obszönen Fingergruß in Richtung der Gästefans. Die Bilanz: Drei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Es gab weder Fest- noch Ingewahrsamnahmen. Die Polizei, die vom Gastverein scharf kritisiert wurde, gründete am Montag eine achtköpfige Ermittlungsgruppe und versucht nun mit der Hilfe von Zeugen, die Täter aus dem rechtsextremen Milieu zu fassen.