Übertragungsrechte Milliardenschacher um die Bundesliga

Der Poker um die TV-Rechte der Fußballbundesliga ab der Saison 2000/2001 ist neu angeheizt worden. Ein Konsortium um den Filmverleger Michael Kölmel will ein Angebot von insgesamt 1,5 Milliarden Mark für die kommenden drei Jahre für die Komplett-Rechte vorlegen.


Begehrte Ware: Fußballspiele im Fernsehen
DPA

Begehrte Ware: Fußballspiele im Fernsehen

Frankfurt am Main - Eine Anbieter-Allianz will nach Informationen des Wirtschaftsmagazins "Focus-Money" 1,5 Milliarden Mark für sämtliche Rechte an der Fußballbundesliga für die nächsten drei Jahre zahlen. Ein entsprechendes Angebot hätten der am Champions-League-Sender TM 3 beteiligte Münchner TV-Unternehmer Herbert Kloiber, das Medienunternehmen Kinowelt AG (München) von Michael Kölmel und der Kabelnetzbetreiber Primacom (Mainz) gemeinsam dem DFB vorgelegt. Die Offerte umfasst die Rechte für Livespiele, Ausschnitte, Pay-TV und das Internet. Mit einer Entscheidung durch den Ligaausschuss wird nicht vor April oder Mai gerechnet.

Der DFB konnte das Angebot nicht bestätigen. "Es bestehen Kontakte und Gespräche zu einem Teil der in dieser Allianz aufgeführten Unternehmen. Eine Offerte in dieser genannten Form liegt uns aber nicht vor", sagte DFB-Sprecher Michael Novak am Mittwoch.

Weiterer Mitbewerber im Rechtepoker ist die Kirch-Gruppe (Sat 1, DSF, Premiere World), die über die ISPR seit 1992 die Rechte besitzt. TM 3, das mehrheitlich dem australisch-amerikanischen Medienmagnaten Rupert Murdoch gehört, hatte sich aus dem Buhlen um die Bundesligarechte zurückgezogen. Zwischen Minderheitsgesellschafter Kloiber (34 Prozent) und Murdoch (66 Prozent) gibt es Streit um die Champions-League-Rechte, die Murdoch künftig gerne an RTL und den Pay-TV-Sender Premiere World weitergeben möchte. Murdoch ist seit kurzem mit 24 Prozent an Premiere World beteiligt.

Kloiber und Kölmel waren bisher getrennt als Anbieter aufgetreten. Kölmel hat angekündigt, ab August Bundesligaspiele live in Kinos zeigen zu wollen. Doch gehen Experten davon aus, dass er in erster Linie an den Internetrechten interessiert ist. Die Zeitung "Die Welt" hatte am Dienstag berichtet, dass die Kinowelt AG bei TM 3 einsteigen wolle, falls sich Murdoch von seinen Anteilen trenne.

Die Vereine hoffen auf rund 600 Millionen Mark pro Jahr für die TV-Rechte. Der Sportrechte-Beauftragte der Kirch-Gruppe, Stefan Ziffzer, hatte 500 Millionen Mark als Schmerzgrenze bezeichnet. Filmehändler Kölmel soll allein rund 700 Millionen Mark angeboten haben. Bisher erhielten die Clubs 330 Millionen Mark.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.