Überzeugungsarbeit Uefa kämpft um Schiedsrichter Frisk

Die Uefa will das Karriere-Ende von Anders Frisk nicht hinnehmen und den Schweden überzeugen, wieder als Schiedsrichter zu arbeiten. Frisk war am Samstag nach Morddrohungen von Fans zurückgetreten. Der deutsche Schiri-Boss Volker Roth kündigte eine Solidarisierung mit dem Schweden an - und schloss sogar einen Streik nicht aus.


Ex-Fifa-Schiedsrichter Frisk: "Er ist einer der Besten"
AFP

Ex-Fifa-Schiedsrichter Frisk: "Er ist einer der Besten"

Nyon - "Wir können nicht tatenlos zusehen. Ich bin wirklich kein Freund von Streiks, aber wir werden uns Maßnahmen überlegen müssen", sagte Roth der "Bild"-Zeitung. Es werde unter den Schiedsrichtern "eine Solidarisierung stattfinden, wie man sie noch nicht gesehen hat", kündigte der Schiedsrichter-Obmann des DFB an. Roth reagierte damit auf die Ereignisse, die zum Rücktritt Frisks geführt hatten. Der Schwede hatte seine Karriere am vergangenen Samstag beendet, nachdem er und seine Familie Morddrohungen erhalten hatten.

In einer Pressemitteilung des DFB bezeichnete Roth einen Streik jedoch als "das allerletzte Mittel, um ein Zeichen gegen nicht mehr beherrschbare Entwicklungen zu setzen". Dennoch sollte der "bedauerliche Rücktritt von Frisk allen Fußballern und Fans deutlich machen, dass Fairplay gegen die Schiedsrichter oberstes Gebot sein sollte". Fehler der Schiedsrichter dürften nicht dazu führen, dass Unparteiische beschimpft oder gar bedroht werden.

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Champions League: Angriff auf einen Unparteiischen

Der 42-jährige Frisk hatte vor drei Wochen das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen dem FC Barcelona und dem FC Chelsea (2:1) geleitet und war danach unter anderem von Chelseas Teammanager Jose Mourinho attackiert worden. "Die letzten Wochen waren die schlimmsten meines Lebens", sagte Frisk zur Begründung seines Karriere-Endes. Der Schwede war zudem von aufgebrachten Fans des AS Rom in der Gruppenphase der Champions League gegen Dynamo Kiew von einer Münze am Kopf verletzt worden. Das damalige Team Rudi Völlers wurde daraufhin mit einer Platzsperre belegt.

Chelsea-Coach Mourinho: Attacke gegen Frisk
REUTERS

Chelsea-Coach Mourinho: Attacke gegen Frisk

Mit dem will sich der Europäische Fußballverband jedoch nicht abfinden. "Wir brauchen Leute von seinem Kaliber und seiner Qualität. Wir stehen in Kontakt mit Anders und wollen versuchen, ihn davon zu überzeugen, wieder als Schiedsrichter zu arbeiten", sagte Uefa-Sprecher Gaillard. Frisk sei einer der besten europäischen Schiedsrichter und habe auch bei der WM 2006 in Deutschland eingesetzt werden sollen.

"Spieler, Trainer und Manager haben die Verantwortung, Druck von den Schiedsrichtern zu nehmen. Fußball wird von Millionen von Menschen verfolgt und wir können leider nicht erwarten, dass alle sich richtig verhalten", sagte Gaillard, "jeder Beteiligte sollte aber sehr vorsichtig sein mit dem, was er sagt."

Die Fans und Verantwortlichen dürften nicht vergessen, dass Schiedsrichter wenig Geld für ihre Arbeit auf dem Platz bekämen - anders als Spieler und Trainer, so Gaillard weiter. "Diese Leute sind Amateure, die zusätzlich einen weiteren Job haben. Es ist unfair, sie in eine Situation zu bringen, in der sie sich verstecken müssen."



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