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07. März 2017, 23:46 Uhr

Bayerns Kantersieg in London

10:2

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5:1 in München, 5:1 in London: Der FC Bayern hat Arsenal auch im Achtelfinal-Rückspiel demontiert - mit ein bisschen Glück und viel Gier. Alles Wichtige zur Partie.

Die Ausgangslage: Bei den Bayern war die Stimmung vor dem Anpfiff glänzend, bei den Gastgebern das genaue Gegenteil. Neben dem bitteren 1:5 im Hinspiel kamen für Arsenal in den vergangenen Wochen noch Niederlagen gegen Watford, Chelsea und Liverpool hinzu, sowie Ärger zwischen Arsène Wenger und dem besten Spieler der Londoner, Alexis Sánchez. Die Ära des französischen Trainers scheint zu Ende zu gehen. Wurde es für die Münchner also wirklich nur die "Kaffeefahrt mit Schuss", wie unser Reporter Christoph Leischwitz vorab schrieb?

Ergebnis: 1:5 (1:0). Ja, schon wieder fünf Bayern-Tore gegen die Gunners, wie vor drei Wochen. Hier geht's zum Spielbericht .

Aufstellungen
FC Arsenal: Ospina - Bellerin, Mustafi, Koscielny, Monreal - Ramsey, Xhaka - Walcott, Oxlade-Chamberlain, Welbeck - Sánchez
Bayern München: Neuer - Rafinha, Martínez, Hummels, Alaba - Alonso, Vidal - Robben, Thiago, Ribéry - Lewandowski

Die erste Hälfte: Für Arsenal ging es schon vor dem Anpfiff unglücklich los, Danny Welbeck verletzte sich beim Aufwärmen, dafür rückte Olivier Giroud in die Startelf. Mesut Özil saß nach überstandener Grippe zunächst nur auf der Bank. Die Londoner konterten im eigenen Stadion, Theo Walcott traf nach 20 Minuten aus spitzem Winkel und hatte noch einige weitere gute Szenen im Strafraum. Der FC Bayern gab sich mit einigen wenigen Angriffen zufrieden, Robert Lewandowski vergab die beste Chance (37. Minute). Ein bisschen mehr Kontrolle hätte sich Carlo Ancelotti aber anscheinend gewünscht: Der Unzufriedenheitsanzeiger, die linke Augenbraue, wanderte doch recht deutlich nach oben.

Abräumer hinter der Abwehr: Ein Klassiker der Fan-Aktionen wurde in London mal wieder aufgeführt - der Klopapierrollenwurf. Die Münchner Fans hatten entweder kollektiv die WCs im Emirates Stadium geplündert oder sich gute Ausreden bei den Personenkontrollen am Einlass zurechtgelegt, auf jeden Fall deckten sie den Platz vor ihrem Block dermaßen ein, dass die Ordner mit dem Aufräumen nicht nachkamen und das Spiel nach einer Minute kurz unterbrochen werden musste. Sogar die Spieler halfen ein bisschen mit.

Die zweite Hälfte: Giroud köpfte kurz nach der Pause über das Tor, und dann war die Partie auch bald endgültig entschieden. Robert Lewandowski verwandelte einen Foulelfmeter zum 1:1 (55.), Laurent Koscielny hatte den Polen gefoult und sah die Rote Karte. Vier Tore in Unterzahl hätte Arsenal nun gebraucht, um die Verlängerung zu erreichen. Es fielen tatsächlich noch vier Tore, allerdings auf der anderen Seite.

Arsenal schien sich aufgegeben zu haben, es folgten reihenweise leichtfertige Ballverluste. Sánchez leitete so das 1:2 durch Arjen Robben ein (67.), Douglas Costa traf nach einem Konter zum 1:3 (78.), Skhodran Mustafi leitete mit einem Fehlpass das 1:4 durch Arturo Vidal ein. Der Chilene traf auch zum 1:5-Endstand.

Entscheidungen des Spiels: Schiedsrichter Anastasios Sidiropoulos aus Griechenland ließ in der ersten Hälfte Xabi Alonso einen Zweikampf mit Theo Walcott im Strafraum durchgehen, beim Elfmeter für die Bayern hingegen war er pingelig, sowohl mit dem Pfiff als auch mit dem Platzverweis gegen Koscielny. Vermutlich waren es wütende Arsenal-Fans, die ihren Frust am englischen Wikipedia-Eintrag von Sidiropoulos auslebten. "Er wurde 2017 bekannt als der erste blinde Schiedsrichter in einem Champions-League-Spiel, während Arsenal-Bayern", stand dort unter anderem. Inzwischen sind die Beiträge wieder gelöscht.

Klaps des Spiels: Es lief die 72. Minute, die Bayern führten schon 2:1, das Duell war entschieden, aber noch hatten die "Wenger out!"-Rufe im Stadion noch nicht ganz die Lautstärke erreicht, wie sie es in der Schlussphase tun sollten. Da näherte sich Sánchez seinem Trainer. Der Chilene und Wenger hatten zuletzt unruhige Tage. Laut "Guardian" verließ Sánchez vergangene Woche wutentbrannt das Training und saß deshalb beim 1:3 gegen Liverpool nur auf der Bank. Diesmal ließ Wenger Sánchez wieder spielen, erst in dieser 72. Minute wechselte er ihn aus. Beide gaben sich einen kurzen Klaps auf den Rücken und schauten dabei verkniffen zu Boden.

Fazit des Spiels: Da sind zum einen die Bayern, die nach einem "pomadigen Auftritt", wie Mats Hummels die ersten 50 Minuten nannte, ein Champions-League-Achtelfinale auswärts 5:1 gewinnen. Weil sie es können und weil sie es wollen. Die Mannschaft ist wieder gierig auf Tore. Und zum anderen ist da ein Arsenal-Team, das natürlich schon vor dem Anpfiff wenig Chancen hatte, sich aber kaum gegen die zweite Blamage wehrte. Und das dafür sorgte, das für Arsenal-Fans schier Unmögliche doch möglich scheinen zu lassen: Dass ein Abschied von Arsène Wenger vielleicht doch eine gute Idee ist.

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