Bayerns Kantersieg in London 10:2

5:1 in München, 5:1 in London: Der FC Bayern hat Arsenal auch im Achtelfinal-Rückspiel demontiert - mit ein bisschen Glück und viel Gier. Alles Wichtige zur Partie.

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Die Ausgangslage: Bei den Bayern war die Stimmung vor dem Anpfiff glänzend, bei den Gastgebern das genaue Gegenteil. Neben dem bitteren 1:5 im Hinspiel kamen für Arsenal in den vergangenen Wochen noch Niederlagen gegen Watford, Chelsea und Liverpool hinzu, sowie Ärger zwischen Arsène Wenger und dem besten Spieler der Londoner, Alexis Sánchez. Die Ära des französischen Trainers scheint zu Ende zu gehen. Wurde es für die Münchner also wirklich nur die "Kaffeefahrt mit Schuss", wie unser Reporter Christoph Leischwitz vorab schrieb?

Ergebnis: 1:5 (1:0). Ja, schon wieder fünf Bayern-Tore gegen die Gunners, wie vor drei Wochen. Hier geht's zum Spielbericht.

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Champions League: Die nächste Demütigung

Aufstellungen
FC Arsenal: Ospina - Bellerin, Mustafi, Koscielny, Monreal - Ramsey, Xhaka - Walcott, Oxlade-Chamberlain, Welbeck - Sánchez
Bayern München: Neuer - Rafinha, Martínez, Hummels, Alaba - Alonso, Vidal - Robben, Thiago, Ribéry - Lewandowski

Cech und Özil auf der Ersatzbank
REUTERS

Cech und Özil auf der Ersatzbank

Die erste Hälfte: Für Arsenal ging es schon vor dem Anpfiff unglücklich los, Danny Welbeck verletzte sich beim Aufwärmen, dafür rückte Olivier Giroud in die Startelf. Mesut Özil saß nach überstandener Grippe zunächst nur auf der Bank. Die Londoner konterten im eigenen Stadion, Theo Walcott traf nach 20 Minuten aus spitzem Winkel und hatte noch einige weitere gute Szenen im Strafraum. Der FC Bayern gab sich mit einigen wenigen Angriffen zufrieden, Robert Lewandowski vergab die beste Chance (37. Minute). Ein bisschen mehr Kontrolle hätte sich Carlo Ancelotti aber anscheinend gewünscht: Der Unzufriedenheitsanzeiger, die linke Augenbraue, wanderte doch recht deutlich nach oben.

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Bayern München in der Einzelkritik: Eine Halbzeit Extraklasse

Abräumer hinter der Abwehr: Ein Klassiker der Fan-Aktionen wurde in London mal wieder aufgeführt - der Klopapierrollenwurf. Die Münchner Fans hatten entweder kollektiv die WCs im Emirates Stadium geplündert oder sich gute Ausreden bei den Personenkontrollen am Einlass zurechtgelegt, auf jeden Fall deckten sie den Platz vor ihrem Block dermaßen ein, dass die Ordner mit dem Aufräumen nicht nachkamen und das Spiel nach einer Minute kurz unterbrochen werden musste. Sogar die Spieler halfen ein bisschen mit.

Rafinha räumt auf
AFP

Rafinha räumt auf

Die zweite Hälfte: Giroud köpfte kurz nach der Pause über das Tor, und dann war die Partie auch bald endgültig entschieden. Robert Lewandowski verwandelte einen Foulelfmeter zum 1:1 (55.), Laurent Koscielny hatte den Polen gefoult und sah die Rote Karte. Vier Tore in Unterzahl hätte Arsenal nun gebraucht, um die Verlängerung zu erreichen. Es fielen tatsächlich noch vier Tore, allerdings auf der anderen Seite.

Arsenal schien sich aufgegeben zu haben, es folgten reihenweise leichtfertige Ballverluste. Sánchez leitete so das 1:2 durch Arjen Robben ein (67.), Douglas Costa traf nach einem Konter zum 1:3 (78.), Skhodran Mustafi leitete mit einem Fehlpass das 1:4 durch Arturo Vidal ein. Der Chilene traf auch zum 1:5-Endstand.

Entscheidungen des Spiels: Schiedsrichter Anastasios Sidiropoulos aus Griechenland ließ in der ersten Hälfte Xabi Alonso einen Zweikampf mit Theo Walcott im Strafraum durchgehen, beim Elfmeter für die Bayern hingegen war er pingelig, sowohl mit dem Pfiff als auch mit dem Platzverweis gegen Koscielny. Vermutlich waren es wütende Arsenal-Fans, die ihren Frust am englischen Wikipedia-Eintrag von Sidiropoulos auslebten. "Er wurde 2017 bekannt als der erste blinde Schiedsrichter in einem Champions-League-Spiel, während Arsenal-Bayern", stand dort unter anderem. Inzwischen sind die Beiträge wieder gelöscht.

Screenshot von Sidiropoulos' Wikipedia-Eintrag (während des Spiels)

Screenshot von Sidiropoulos' Wikipedia-Eintrag (während des Spiels)

Klaps des Spiels: Es lief die 72. Minute, die Bayern führten schon 2:1, das Duell war entschieden, aber noch hatten die "Wenger out!"-Rufe im Stadion noch nicht ganz die Lautstärke erreicht, wie sie es in der Schlussphase tun sollten. Da näherte sich Sánchez seinem Trainer. Der Chilene und Wenger hatten zuletzt unruhige Tage. Laut "Guardian" verließ Sánchez vergangene Woche wutentbrannt das Training und saß deshalb beim 1:3 gegen Liverpool nur auf der Bank. Diesmal ließ Wenger Sánchez wieder spielen, erst in dieser 72. Minute wechselte er ihn aus. Beide gaben sich einen kurzen Klaps auf den Rücken und schauten dabei verkniffen zu Boden.

Sánchez und Wenger
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Sánchez und Wenger

Fazit des Spiels: Da sind zum einen die Bayern, die nach einem "pomadigen Auftritt", wie Mats Hummels die ersten 50 Minuten nannte, ein Champions-League-Achtelfinale auswärts 5:1 gewinnen. Weil sie es können und weil sie es wollen. Die Mannschaft ist wieder gierig auf Tore. Und zum anderen ist da ein Arsenal-Team, das natürlich schon vor dem Anpfiff wenig Chancen hatte, sich aber kaum gegen die zweite Blamage wehrte. Und das dafür sorgte, das für Arsenal-Fans schier Unmögliche doch möglich scheinen zu lassen: Dass ein Abschied von Arsène Wenger vielleicht doch eine gute Idee ist.

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micheleyquem 08.03.2017
1. Ein paar Korrekturen und eine Frage....
"Wurde es für die Münchner also wirklich nur die "Kaffeefahrt mit Schuss", wie unser Reporter Christoph Leischwitz vorab schrieb?" Das ist einfach nur lächerlich, Arsenal war bis zur Roten Karte mindestens gleichwertig. Dass man keine vier Gegentore kassieren würde, war natürlich klar. Traurig ist hingegen was auch Wenger geworden ist. Wie ahnungslos muss man sein um das Mittelfeld preiszugeben, anstatt einen der Stürmer rauszunehmen? Und das ist Unsinn…. "Schiedsrichter Anastasios Sidiropoulos aus Griechenland ließ in der ersten Hälfte Xabi Alonso einen Zweikampf mit Theo Walcott im Strafraum durchgehen, beim Elfmeter für die Bayern hingegen war er pingelig, sowohl mit dem Pfiff als auch mit dem Platzverweis gegen Koscielny." Alonso spielte zumindest auch den Ball, während Koscielny nie eine Chance hatte den Ball auch nur zu berühren. Und Lewandowski war am Elfmeterpunkt vor dem Torwart, das Tor war unter keinen Umständen zu verhindern. Eine Rote Karte in Kauf zu nehmen um stattdessen "nur" einen Elfer zu riskieren ist dumm. Die Arsenal Abwehr wird seit Jahren immer schlechter, der einzige gute vom Platz gestellt du dann nicht mal einen anderen Defensiven einwechseln? Gegen die Bayern? Englische Teams haben in der CL immer schlehcte Karten, weil da europäische Schiris pfeifen, die haben die Angewohnheit nach den tatsächliche Regeln zu pfeifen, etwas das man in der Premier League nicht tut, wie jeder weiss, der Match of the Day regelmässig glotzt. PS Wenger meinte Lewa sei bei dem Foul abseits gewesen, gibst da irgendwo ein Video welches das zeigt, oder halt nicht zeigt?
gibmichdiekirsche 08.03.2017
2.
Erneut: Koscielny fällt aus, und Arsenal bricht auseinander. Ich glaube nicht, dass Wenger sich nach dieser erneuten Klatsche noch halten lässt. Irgendwie habe ich auch den Eindruck, er möchte selber ganz gern einen Schlussstrich ziehen. Aber sei's drum: Am hochverdienten Viertelfinaleinzug der Bayern gibt es keinerlei Zweifel - ob es einem persönlich nun gefällt oder nicht.
cdn 08.03.2017
3. die Bayern haben gespielt?
wie konnte ich das nur verpassen... wie der Sack Reis umgefallen ist aber heute Abend kommt ja richtiger Fußball.. ohne fliegende Robben und andere Unwägbarkeiten
minga1972 08.03.2017
4. 10:2
Oh wie ist das schön....
Freifrau von Hase 08.03.2017
5.
Der Schiedsrichter war nicht "pingelig". Er wollte Koscielny nur Gelb geben. Es war der Torrichter, der die Szene als Notbremse wertete und damit den Platzverweis durchsetzte.
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