Uefa-Cup Aderlass vor dem "Hammerspiel"

Vor der Uefa-Cup-Partie gegen Inter Mailand bereitet Hertha-Coach Jürgen Röber die eigene Mannschaft größere Sorgen als der Gegner. Der 46-Jährige dürfte froh sein, wenn er am Dienstag elf gesunde Spieler auf den Rasen schicken kann.


Sorgenvolle Blicke: Hertha-Manager Dieter Hoeneß, Co-Trainer Bernd Storck, Trainer Jürgen Röber
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Sorgenvolle Blicke: Hertha-Manager Dieter Hoeneß, Co-Trainer Bernd Storck, Trainer Jürgen Röber

Berlin - Nach dem 0:4-Debakel gegen Schalke darf Hertha BSC am Dienstag gegen Inter Mailand kaum auf mehr als eine Schadenbegrenzung hoffen. Neben Stefan Beinlich (Zeh-Verletzung) und Alex Alves, der nach seinem Muskelfaserriss aus dem Schalke-Spiel mindestens zwei Wochen pausieren muss, fallen auch Tony Sanneh (Oberschenkelverletzung) und Piotr Reiss (Muskelabriss) definitiv aus. "Die Situation ist derzeit katastrophal. Gerade der Ausfall von Alves ist besonders bitter. Er war gerade super in Schuss", erklärte Trainer Jürgen Röber vor dem ersten richtigen "Hammerspiel", mit dem sich Hertha nach den bescheidenen Auftakt-Partien gegen die Nobodys aus Chisinau und Wronki den Griff nach den Fleischtöpfen erhofft hatte. Zudem bangt Röber um den Einsatz von Sixten Veit und Kostas Konstantinidis, die beide unter muskulären Problemen im Oberschenkel leiden.

"Das ist ein wahnsinnig großer Aderlass. Aber wir haben in der Champions League bewiesen, dass wir auch große Teams wie den AC Mailand oder Chelsea schlagen können", verbreitet Kapitän Michael Preetz angesichts der Situation mit insgesamt zehn angeschlagenen Spielern Zweckoptimismus. "Wir werden aber alle Kräfte mobilisieren und den Italienern einen großen Kampf bieten", versucht er die Herthaner aus der Lethargie zu reißen. "Wir brauchen ein Resultat, was uns zumindest Chancen für das Rückspiel belässt", bleibt Manager Dieter Hoeneß Realist.

Die größten Probleme hat Röber ("die Mannschaft stellt sich fast von selber auf") mit der Besetzung des Angriffs, da neben Alves und Reiss auch Ali Daei nach einer Leistenzerrung nicht topfit ist. Hingegen hoffen die Hauptstädter wieder auf die Nationalspieler Sebastian Deisler und Marko Rehmer, die gegen Schalke wegen Fieber und Muskelfaserriss noch die Bank drückten. Auch Dick van Burik wird nach einer Bronchitis wieder einsetzbar sein. "Wichtig ist, dass wir zu Null spielen", gab Röber am Montag die Devise aus.

Die Weltauswahl von Inter mit Top-Spielern aus 15 Ländern, darunter sechs Südamerikaner, kommt mit dem Rückenwind eines 2:1 über Perugia nach Berlin. Dabei wies vor allem der uruguayische Spielmacher Alvaro Recoba Top-Form nach. Zudem sorgte das Comeback des für 90 Millionen Mark von Lazio Rom gekommenen Stürmers Christian Vieri nach neunmonatiger Pause für viel Optimismus bei den Mailändern. Nachdem er zuvor in zwei Testspielen gleich neunmal getroffen hatte, sorgte der Auswahlstürmer gegen Perugia für das Siegtor. Dennoch rangiert Inter, das 1991, 1994 und 1998 bereits dreimal den Uefa-Cup gewann, in der Serie A mit zehn Punkten nach sieben Spielen weiter nur auf Platz elf. "Wenn man allein sieht, wer bei denen auf der Bank sitzt, kann man neidisch werden", so Röber.

Gleichwohl: So schwach wie in dieser Saison war die für viele hundert Millionen Mark zusammengekaufte Truppe lange nicht. Trainer Marcello Lippi warf schon nach dem ersten Spieltag das Handtuch. Sein Nachfolger Marco Tardelli brachte es mit Inter bislang auch nur auf Platz zehn. Dennoch fordert der zuletzt überragende Recoba in Berlin "mindestens ein Unentschieden".

Von Frank Thomas, dpa


Voraussichtliche Aufstellungen:

Hertha BSC: Kiraly - Rehmer, Tretschok, Schmidt, van Burik - Deisler, Dardai, Wosz, Hartmann - Daei, Preetz
Inter Mailand: Frey - Ferrari, Blanc, Serena, Cordoba - Di Biagio, Farinos, Simic, Recoba - Sükür, Vieri




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