Uefa-Cup Bayern verschenkt Sieg, Bayer und Nürnberg enttäuschen

Der Doppelpack von Lukas Podolski brachte am Ende nur einen Punkt: Ein leichtsinniger FC Bayern kam im Uefa-Cup gegen Bolton nicht über ein Remis hinaus. Bayern-Boss Rummenigge übte danach Kritik an Coach Hitzfeld. Leverkusen und Nürnberg blieben ohne Zähler.

Hamburg - Die schlechten Vorstellungen deutscher Clubs in Europapokal gehen weiter: Der FC Bayern spielte gegen die Bolton Wanderers heute nur 2:2 (1:1), Bayer Leverkusen unterlag bei Spartak Moskau 1:2 (0:0). Der 1. FC Nürnberg musste im Heimspiel gegen den FC Everton eine 0:2 (0:0)-Niederlage hinnehmen.

Bayern-Stürmer Podolski hatte mit seinen ersten Treffern nach acht Monaten in der 30. und 49. Minute seine persönliche Torflaute beendet. Doch durch Ricardo Gardner (8.) und Kevin Davies (82.) entführte der englische Tabellenvorletzte einen Punkt und profitierte beim späten Ausgleich von einer Unkonzentriertheit der Bayern-Profis Lucio und Christian Lell. "Gegen so einen Gegner muss man bis zum Schluss hellwach sein, darum stinkt mir dieses Resultat gewaltig", schimpfte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld: "Wir haben beide Gegentore nach unnötigen Ballverlusten im Anschluss an Einwürfe bekommen, da stimmte einfach die Zuordnung nicht."

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge kritisierte nach der Partie Trainer Hitzfeld, weil dieser viele Stars - unter anderem Zé Roberto, Philipp Lahm und Martin Demichelis - 43 Stunden vor dem Südgipfel bei Meister VfB Stuttgart geschont hatte. "Die Zuschauer haben das Recht auf die beste Mannschaft. Fußball ist keine Mathematik, die man berechnen kann", polterte Rummenigge: "Ich bin stocksauer. Es wäre ganz einfach gewesen, zu gewinnen und weiterzukommen."

Mit vier Punkten sind die Münchner aber weiter Spitzenreiter in Gruppe F und haben beste Chancen auf den Einzug in die K.o.-Runde. In den ausstehenden Partien der Gruppenphase müssen die Bayern bei Sporting Braga (29.11.) und zuhause gegen Aris Saloniki (19.12. ) antreten. Am Samstag steht für den Bundesliga-Tabellenführer in Stuttgart (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die nächste Bewährungsprobe an.

"Einige waren sicher mit dem Kopf schon beim Spiel in Stuttgart, aber das geht international nicht", sagte Torhüter Oliver Kahn, der anstelle von Lucio wieder die Kapitänsbinde bei den Bayern trug: "Wir haben das Spiel in den letzten 20 Minuten verloren. Das war Sorglosigkeit und keine totale Konzentration mehr", so Kahn.

Bolton, das ohne die verletzten Stars Nicolas Anelka und El Hadji Diouf in München antrat, ging in der 7. Minute überraschend durch Ricardo Gardner in Führung. Podolski konnte mit seinem ersten Pflichtspieltor in dieser Spielzeit in der 30. Minute mit einem strammen Schuss von der Strafraumgrenze ausgleichen. In der 49. Minute gelang dem in dieser Saison häufig kritisierten Angreifer nach Vorarbeit des auffälligen Franck Ribéry das 2:1. In der 58. Minute wurde der zweifache Torschütze bei seiner Auswechslung von den Fans mit Sprechchören gefeiert.

Kießling und Adler foulen im Strafraum

Zuvor hatte Leverkusen bei Temperaturen von minus zehn Grad in Moskau nach dem Auftaktsieg gegen Toulouse einen Rückschlag hinnehmen müssen. Roman Pawljutschenko (63.) und Mozart (77.) machten jeweils per Foulelfmeter den Sieg für Spartak Moskau perfekt. Dem eingewechselten Paul Freier gelang noch der Anschlusstreffer (90.+1). Bayer blieb damit auch zum 18. Mal in Folge auf internationaler Bühne ohne Auswärtssieg.

"In der ersten Halbzeit waren wir gut. Ich bin enttäuscht, dass wir in der zweiten Halbzeit schlecht gestartet sind. Da waren wir nicht konzentriert und haben nicht gut Fußball gespielt", sagte Trainer Michael Skibbe.

Ein Rempler von Stefan Kießling gegen Dimitri Torbinski brachte Bayer auf die Verliererstraße. Pawljutschenko ließ sich die Chance nicht nehmen. Beim zweiten Strafstoß foulte Leverkusens Schlussmann René Adler den Moskauer Mittelfeldspieler Maxim Kalinitschenko. Bis zum Gegentreffer hatte die Elf von Skibbe auf dem Kunstrasenplatz in Moskau die Partie weitgehend offen gestaltet.

"Diese Niederlage war absolut selbstgemacht"

Dies galt auch für den 1. FC Nürnberg im Heimspiel gegen den FC Everton. Doch am Ende konnte der "Club" seinen schlechten Lauf (Platz 16 in der Bundesliga) auch auf internationaler Bühne nicht stoppen. Die Mannschaft von Trainer Hans Meyer kassierte beim Start in die Gruppenphase des Uefa-Cups mit dem 0:2 (0:0) gegen den FC Everton bereits die vierte Pflichtspiel-Niederlage in Serie.

Mikel Arteta per Foulelfmeter (83. Minute) und der eingewechselte Victor Anichebe (88.) sicherten dem Achten der englischen Premier League mit späten Treffern den zweiten Sieg und damit die Tabellenführung in der Gruppe A. Glauber hatte Anichebe vor dem 0:1 im Strafraum festgehalten.

"Diese Niederlage war absolut selbstgemacht. Ich muss mich zurückhalten. Ich will erst schlafen und morgen mit der Mannschaft sprechen", sagte Nürnberg-Trainer Meyer: "Wenn wir solche Fehler wie vor dem Elfmeter machen, braucht man nicht darüber zu reden, dass wir hier 80 Minuten gut gespielt haben. Das interessiert dann keinen." Nürnberg muss weiter auf seinen ersten Heimsieg in einem Europa-Pokal-Wettbewerb seit mehr als 43 Jahren warten.

pav/sid/dpa

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