Uefa-Cup Doppelpack kurz vor Schluss - Toni schießt Bayern ins Halbfinale

Dramatik in Getafe: Im Viertelfinal-Rückspiel sahen die Bayern schon wie Verlierer aus. Dann schlug Luca Toni in der Verlängerung zu und ließ sein Team doch noch jubeln. Dabei hatten die Münchner fast 120 Minuten lang einen Mann mehr auf dem Platz.

Hamburg - Was für eine packende Partie: Die Bayern erkämpften sich in Getafe ein 3:3-Unentschieden nach Verlängerung (0:1/1:1/1:3) und zogen nach dem 1:1 im Hinspiel ins Halbfinale des Uefa-Pokals ein. Dabei sahen die Münchner schon zweimal wie der sichere Verlierer aus, Franck Ribéry (89.) und Luca Toni (115./120.) retteten ihr Team jeweils kurz vor Schluss vor der Pleite. In der Runde der letzten Vier (24. April/1. Mai) treffen die Bayern auf Zenit St. Petersburg, das sich trotz einer 0:1-Niederlage gegen Bayer Leverkusen durchsetzte.

"In der Verlängerung nach einem 1:3 zurückzukommen, ist schon eine großartige Leistung. Das spricht für die Moral der Mannschaft. Da brauchten wir auch das notwendige Glück. Die Mannschaft hat sich das Weiterkommen erkämpft. Ob wir es verdient haben, sei dahingestellt", sagte Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld.

In Getafe hatte sein Team vor etwa 16.000 Zuschauern stürmisch begonnen: Nach einem Pass von Miroslav Klose hatte Ribéry schon in der ersten Minute die große Chance zum 1:0, schoss aber aus acht Metern zu schwach und zudem genau auf seinen Teamkollegen Toni.

Nur fünf Minuten später durften die Münchner dann zum ersten Mal jubeln. Nicht jedoch wegen eines Tores, sondern weil Getafe-Verteidiger Ruben de la Red nach einer Notbremse gegen Klose die Rote Karte sah – eine strittige Entscheidung von Schiedsrichter Massimo Busacca (6.). Den folgenden Freistoß setzte Ribéry an den Pfosten, den Abpraller schoss Toni zur vermeintlichen Führung ins Netz. Der Treffer zählte jedoch nicht - der Italiener hatte den Ball zuvor mit der Hand angenommen.

In der Folge waren die Bayern klar überlegen, mussten sich jedoch immer wieder den gefährlichen Kontern Getafes erwehren. In der 33. Minute hatte Verteidiger Christian Lell nach einem Fehler von Getafe-Keeper Roberto Abbondanzieri die Führung auf dem Fuß, brachte den Ball aus 14 Metern aber nicht im leeren Tor unter.

Diese Nachlässigkeit wurde bestraft: Cosmin Contra schnappte sich im Mittelfeld das Leder, setzte sich gegen Mark van Bommel und Martin Demichelis durch und ließ Oliver Kahn mit einem wuchtigen Schuss aus zehn Metern keine Abwehrchance (44.).

Nach dem Seitenwechsel zunächst das gleiche Bild: Bayern drängte, Getafe lauerte auf Konter. Doch wie in der ersten Hälfte konnten die Münchner Angreifer ihre Chancen nicht nutzen. Tonis Treffer wurde wegen Foulspiels aberkannt (49.), Klose jagte den Ball aus aussichtsreicher Position über die Latte (63.). In der Folge schwanden die Kräfte der Gäste, so dass auf der anderen Seite beinahe das 2:0 gefallen wäre.

Der eingewechselte Braulio hatte Keeper Kahn schon umkurvt und brauchte den Ball nur noch über die Linie zu drücken, als er ausrutschte und die Entscheidung verpasste (68.). Als dann jeder im Stadion schon mit der Sensation rechnete, schlug Ribéry zu: Der Mittelfeldakteur hatte in der 89. Minute keine Mühe, den Ball aus kurzer Distanz ins Tor zu schießen und rettete sein Team so in die Verlängerung.

Dort schockte Getafe die Münchner mit einem Doppelpack unmittelbar nach Wiederanpfiff. Zunächst traf Mittelfeldspieler Casquero mit einem Schuss aus der Distanz genau ins Toreck (92.), anschließend sorgte Braulio mit dem 3:1 scheinbar für die Entscheidung (94.).

Doch die Bayern sollten den Kopf auch dieses Mal aus der Schlinge ziehen: Die Getafe-Fans jubelten schon, als sich Keeper Abbondanzieri einen fürchterlichen Patzer leistete und so Toni den Anschlusstreffer ermöglichte (115.). In der letzten Minute war der Italiener dann erneut zur Stelle, markierte per Kopf den Ausgleich (120.) und sorgte so für ein glückliches Ende der Bayern.

Verteidiger Philipp Lahm wusste die Leistung dennoch richtig einzuordnen: "Es war ein schlechtes Spiel von uns. Wir haben viele Fehler gemacht. Aber die Mannschaft glaubt immer an sich. Diese Mentalität hat man auch heute gesehen", sagte der Nationalspieler.

FC Getafe - Bayern München 3:3 (1:1,1:0)
1:0 Contra (44.)
1:1 Ribéry (89.)
2:1 Casquero (91.)
3:1 Braulio (93.)
3:2 Toni (115.)
3:3 Toni (120.)
FC Getafe: Abbondanzieri - Cortés, De la Red, Manuel Tena, Licht - Celestini - Contra (66. Mario Cotelo), Casquero, Gavilán - Uche (20. Belenguer), Manu (62. Braulio).
Bayern München: Kahn - Lell (46. Jansen), Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger (64. Sosa), van Bommel, Zé Roberto (75. Podolski), Ribéry - Klose, Toni.
Rote Karte: De la Red (5.)
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)
Zuschauer: 16.000 (ausverkauft)

Bayer siegt und fliegt raus

Bayer Leverkusen hat sich beim Betriebsausflug nach St. Petersburg mit Anstand von der Europapokal-Bühne verabschiedet. Die Rheinländer verbuchten mit einer besseren B-Elf im Viertelfinal-Rückspiel des Uefa-Pokals einen 1:0 (1:0)-Sieg bei Zenit St. Petersburg und betrieben nach der 1:4-Pleite im Hinspiel ein wenig Wiedergutmachung.

Damit war für Bayer aber dennoch wie im Vorjahr Endstation im Viertelfinale, während sich der russische Meister erstmals in der Vereinsgeschichte für ein europäisches Halbfinale qualifizierte. Vor 17.000 Zuschauern, darunter 40 Anhänger aus Leverkusen, erzielte der Russe Dimitrij Bulykin den Siegtreffer für Bayer.

An eine Sensation hatte offenbar auch Trainer Michael Skibbe nicht mehr geglaubt. Der Bayer-Coach schonte im Vergleich zum letzten Spiel bei Borussia Dortmund (1:2) am vergangenen Sonntag gleich fünf Stammkräfte. So nahmen die Nationalspieler Manuel Friedrich, Simon Rolfes, Stefan Kießling genauso wie Torschützenkönig Theofanis Gekas und Mittelfeldspieler Sergej Barbarez auf der Bank Platz. Dafür durften die Ergänzungsspieler Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Sascha Dum, Dimitrij Bulykin und Paul Freier Europacup-Luft schnuppern. Und auch der zuletzt formschwache Nationalspieler Bernd Schneider erhielt von Skibbe eine Bewährungschance.

Wider Erwarten spielte Bayer gut nach vorne und präsentierte sich in deutlich besserer Verfassung als in den letzten vier Pflichtspielen, die allesamt verloren gingen. Insbesondere Schneider, seit Wochen außer Form, war wie verwandelt. Der 81-malige Nationalspieler war an fast allen gefährlichen Aktionen der Gäste beteiligt. So hatte Bulykin auf Zuspiel von Schneider schon in der vierten Minute die große Chance zur Führung, doch der Stürmer scheiterte freistehend an Zenit-Keeper Wjatscheslaw Malafejew (4.).

In der 18. Minute machte es Bulykin besser. Nach einer feinen Flanke von Gonzalo Castro köpfte der Stürmer mit seinem zweiten Treffer im laufenden Wettbewerb Bayer in Führung. Beim russischen Meister, der Bayer vor Wochenfrist noch eine Lehrstunde erteilt hatte, lief dagegen wenig zusammen. Mit Beginn der zweiten Halbzeit erhöhten die Gastgeber dann das Tempo und ließen die Leverkusener kaum mehr zur Entfaltung kommen. Igor Denisow setzte in der 70. Minute den Ball an den Pfosten, drei Minuten vor Schluss parierte Bayer-Keeper René Adler einen Foulelfmeter von Anatoli Timostschuk.

Zenit St. Petersburg - Bayer Leverkusen 0:1 (0:1)
Tor:
0:1 Bulykin (18.)
FC Zenit St. Petersburg: Malafeev - Anyukov, Krizanac - Shirokov, Sirl, Tymoshchuk, Zyrianov, Fayzulin (87. Radimov) - Denisov, Arshavin, Pogrebnyak
Bayer 04 Leverkusen: Adler - Castro, Callsen-Bracker, Haggui, Sinkiewicz - Sarpei, Schwegler (59. Rolfes), Freier (68. Kießling), Schneider, Dum (75. Gekas) - Bulykin
Schiedsrichter: Mejuto Gonzalez (Spanien)
Zuschauer: 17.000
Gelbe Karten: - / Freier, Castro, Sinkiewicz

Glasgow und Florenz im Halbfinale

Die Glasgow Rangers haben erstmals seit 36 Jahren wieder ein Halbfinale des Europapokals erreicht. Der schottische Rekordmeister gewann nach dem 0:0 im Hinspiel bei Sporting Lissabon 2:0 (0:0). Die Tore erzielten der Franzose Jean-Claude Darchville (60.) und Steven Whittaker (92.).

Zuletzt stand Glasgow in der Saison 1971/72 im Halbfinale des Pokals, den die Schotten später auch gewannen. Damals hatten sie Sporting Lissabon bereits im Achtelfinale ausgeschaltet.

Im laufenden Uefa-Cup treffen die Rangers nun auf den AC Florenz. Die Italiener triumphierten 2:0 (1:0) beim PSV Eindhoven, das Hinspiel hatte 1:1 geendet. Matchwinner für die "Fiorentina" war Stürmer Adrian Mutu, der beide Treffer erzielte (38./53.). Das Hinspiel gegen die Rangers steigt am 24. April in Glasgow, beim Rückspiel eine Woche später haben dann die Italiener Heimrecht.

all/hut/sid

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