Uefa-Cup-Halbfinale Trochowski köpft Hamburg in Bremen zum Sieg

Zweites Nordderby, anderer Sieger: Mit dem ersten Kopfballtor seiner Profikarriere sorgte Hamburgs Piotr Trochowski im Halbfinal-Hinspiel des Uefa Cups für den knappen Sieg seines Teams in Bremen. Im Rückspiel reicht dem HSV nun ein Unentschieden für den Finaleinzug.

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"Wir fahren nach Berlin", schallte es kurz nach dem Anpfiff durch das Bremer Weserstadion. Sollte auch nur einer der mitgereisten HSV-Anhänger den Ausgang des ersten Nordderbys vor etwas mehr als einer Woche vergessen haben, spielten die Werder-Fans Nachhilfelehrer.

Tickets nach Istanbul, am 20. Mai Austragungsort des Finales im Uefa Cup, sollte das Team von der Weser jedoch vorerst nicht buchen. Die bessere Ausgangsposition für das Rückspiel am 7. Mai (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) erarbeiteten sich die Hamburger, die einen hart umkämpften 1:0 (1:0)-Erfolg feiern konnten. Zum Matchwinner avancierte Mittelfeldspieler Piotr Trochowski, der in der 28. Minute den Siegtreffer erzielte. "Ein Auswärtssieg ist natürlich hervorragend. Wir hatten aber auch die Chance, noch klarer zu gewinnen. Dass Paolo Guerrero im Rückspiel gesperrt ist, trifft uns hart", sagte HSV-Trainer Martin Jol nach dem Spiel. Angreifer Guerreo hatte in der 64. Minute seine dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb kassiert und muss in Hamburg pausieren.

Das zweite von vier Nordderbys binnen drei Wochen begann furios: In den ersten 105 Sekunden hatten beide Fan-Lager unter den knapp 37.000 Zuschauer schon jeweils einmal den Torjubel auf den Lippen. Zuerst waren es die mitgereisten Hamburger, die sich über einen starken Angriff ihres Teams freuen konnten, den Stürmer Ivica Olic jedoch nicht erfolgreich vollenden konnte. Aus spitzem Winkel von der linken Seite scheiterte der Angreifer an Werder-Schlussmann Tim Wiese. Im direkten Gegenzug testete Mittelfeldspieler Diego mit einem Distanzschuss die Reflexe von Frank Rost im HSV-Tor, der den Ball erst im Nachfassen sicherte.

Danach beruhigte sich die Partie, bis zur nächsten Gelegenheit vergingen 20 Minuten. Hamburgs Paolo Guerrero probierte es mit einem Schuss aus 16 Metern, erneut war Wiese mit einer sehenswerten Parade zur Stelle und lenkte den Ball ins Toraus. Machtlos war der Elfmeterheld des Pokalduells dann acht Minuten später, als Mittelfeldspieler Trochowski, von Verteidiger Clemens Fritz gänzlich ungestört, zum Kopfball kam. Zwar steckte sich der Keeper, verhindern konnte er den Rückstand nicht. Die Vorbereitung des Treffers kam von Abwehrspieler Guy Demel, der von der rechten Seite präzise geflankt hatte.

Uefa Cup
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Auf nach Istanbul: Am 20. Mai 2009 wird in der größten türkischen Stadt das Finale des Uefa Cups angepfiffen. Den Sieger ermitteln der ukrainische Club Donezk und Werder Bremen, das sich im Halbfinale gegen den HSV durchgesetzt hat. Titelverteidiger Zenit St. Petersburg war im Achtelfinale ausgeschieden.
"Das war mein erstes Kopfballtor als Fußballprofi", sagte der 1,69 Meter kleine Trochowski nach der Partie. Werder-Coach Thomas Schaaf dagegen hatte von der Seitenlinie die Missstände in der Abwehrreihe genau analysiert: "Die gesamte Mannschaft läuft nebenher und schaut zu. Da sind wir zu passiv, der Gegner wird nicht bedrängt, da darf man sich nicht wundern. Trochowski macht das hervorragend, aber normalerweise muss da einer stehen."

In der Folge zogen sich die Gäste weit in die eigene Hälfte zurück und überließen den Bremern die Initiative. Werder mühte sich zwar, die von Schaaf an der Seitenlinie lautstark geforderte Offensivausrichtung umzusetzen, weiter als bis zur Strafraumgrenze schafften es Diego und Co. jedoch nur selten. Folglich blieb es zur Pause bei der knappen Führung der Hamburger.

Der Anpfiff zur zweiten Halbzeit verzögerte sich, nachdem im Gästeblock gezündete Rauchbomben die Sicht auf dem Platz gen Null tendieren ließen. In der Kabine schien Trainer Schaaf deutliche Worte gefunden zu haben: Bremen startete druckvoll und kam durch Hugo Almeidas Kopfball (51. Minute) zur Ausgleichschance, die Rost entschärfte. Mit der Führung im Rücken beschränkte sich der HSV auch im zweiten Durchgang auf eine defensive Ausrichtung, blieb aber durch schnelle Konter gefährlich. Nach einen solchen Tempogegenstoß scheiterte Olic in der 65. Minute, ebenso wie auf der anderen Seite der aktive Werder-Angreifer Claudio Pizarro.

Diese Offensivaktionen rissen beide Teams, ebenso wie die Zuschauer, aus der Lethargie, die sich im Verlauf der zweiten Hälfte breit gemacht hatte. Jedes Foul der Hamburger wurde nun wieder wütend ausgepfiffen, jede gelungene Szene der Bremer gefeiert. Die Gastgeber mühten sich, ohne am Rückstand etwas ändern zu können. Immerhin stieg die Frequenz der Tormöglichkeiten rund 20 Minuten vor dem Ende. Mittelfeldmann Mesut Özil (71.), der eingewechselte Stürmer Markus Rosenberg (72.) und Diego (74.) - alle vergaben gute Chancen.

In der Schlussviertelstunde probierten es die Bremer immer häufiger mit hohen Bällen in die Spitze und kamen mit dieser simplen Taktik sogar zu Möglichkeiten. Ein Treffer gelang trotz drückender Überlegenheit jedoch nicht mehr. "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und nicht aufgepasst beim Tor. Wir müssen den Kopf oben halten. Im Uefa Cup ist für uns jetzt erst Halbzeit und wir liegen 0:1 zurück", so Tim Wiese nach dem Spiel.

Im dritten Akt der norddeutschen Derbywochen wartet auf die auswärtsstarken Bremer nun im Rückspiel eine große Herausforderung, der man an der Weser allerdings optimistisch entgegensieht. "Ich glaube, wir tun uns auswärts leichter, das macht mir Hoffnung. Wir haben bis jetzt in den vorherigen Runden auswärts gut ausgesehen. Das ist längst nicht abgeschrieben", sagte Werder-Manager Klaus Allofs. Am 10. Mai treffen beide Clubs dann in der Liga zum vierten und vorerst letzten Mal aufeinander.

Tor: 0:1 Trochowski (28.)
Werder Bremen: Wiese - C. Fritz (85. Prödl), Mertesacker, Naldo, Boenisch - Frings, Tziolis, Özil, Diego - Pizarro, Hugo Almeida (61. Rosenberg)
Hamburger SV: Rost - Gravgaard, Mathijsen, Alex Silva (75. J. Boateng) - Demel, Aogo (79. Benjamin), Jarolim, Pitroipa, Trochowski - Guerrero, Olic (90+1. Torun)
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 37.000 (ausverkauft)

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