Uefa Cup HSV will Manchester-Fans ruhigstellen, Werder bangt um Diego

"Fanatisch" - so nennt Martin Jol die Fans von Manchester City. Es schwingt Respekt mit vor dem Rückspiel im Uefa-Cup-Viertelfinale. Ein Rezept hat der Hamburger Trainer aber auch parat. Werder Bremen will ebenfalls ins Halbfinale - in Udine droht jedoch der Regisseur auszufallen.


Hamburg - Ein Zwei-Tore-Vorsprung reicht nicht automatisch fürs Halbfinale, Understatement ist angesagt - in diesem Bewusstsein traten der Hamburger SV und Werder Bremen die Reise zu den Viertelfinal-Rückspielen im Uefa-Pokal an. "Das ist noch nicht vorbei. Wir müssen Gas geben und kämpfen", sagte HSV-Kapitän David Jarolim und warnte, Manchester City nach dem 3:1-Hinspielsieg zu unterschätzen.

Werder-Regisseur Diego: Entscheidung kurz vor dem Spiel
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Werder-Regisseur Diego: Entscheidung kurz vor dem Spiel

Auch Werder übt sich vor dem Gang zu Udinese Calcio in Selbstbescheidung, obwohl die Bremer ebenfalls mit einem 3:1 aus dem Hinspiel anreisen. "Wir haben einen kleinen Vorteil, aber im Hinspiel auch gesehen, wie stark die Italiener sind. Wir dürfen uns keine Nachlässigkeiten erlauben", mahnte Kapitän Torsten Frings, zumal sein Team möglicherweise auf Spielmacher Diego verzichten muss.

Bei einem Weiterkommen beider Clubs wäre das erste rein deutsche Uefa-Cup-Halbfinale seit 1989 perfekt, als sich der VfB Stuttgart und Dynamo Dresden gegenüberstanden. Doch in Hamburg denkt man zunächst nur an den Gegner aus Manchester. "In diesem Spiel wird sich zeigen, ob wir Charakter haben", sagte Torwart Frank Rost vor der Partie gegen das Team um den brasilianischen Nationalspieler Robinho am Donnerstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Die Vorzeichen für ein Weiterkommen sind nicht nur ob des Hinspielergebnisses gut. Fast immer, wenn der HSV in dieser Saison unter Zugzwang stand, lieferte das Jol-Team gute Leistungen. Entscheidend für die Konstanz der Hamburger soll aber der Glaube an den ersten Titel seit dem DFB-Pokalsieg 1987 sein. "Man fühlt in unserer Kabine die besondere Stimmung. Wir haben die wichtigsten Spiele des HSV seit langer Zeit vor uns", sagte Verteidiger Michael Gravgaard.

Trainer Martin Jol hat seine simple Taktik für die Partie in Manchester bereits verraten: Tore schießen. "Wir müssen Tore machen, das fanatische Publikum mundtot machen", erklärte der Niederländer mit drastischer Rhetorik. Gewarnt sind die Hamburger vor dem Auftritt beim Premier-League-Club nicht zuletzt durch das 4:4 im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals zwischen Chelsea und Liverpool - auf der Insel ist alles möglich. Jols Bilanz als Trainer gegen City ist hingegen famos: Neun Siege aus neun Spielen holte der Coach.

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Auf nach Istanbul: Am 20. Mai 2009 wird in der größten türkischen Stadt das Finale des Uefa Cups angepfiffen. Den Sieger ermitteln der ukrainische Club Donezk und Werder Bremen, das sich im Halbfinale gegen den HSV durchgesetzt hat. Titelverteidiger Zenit St. Petersburg war im Achtelfinale ausgeschieden.
Dafür bereitet das Personal beim Bundesligisten wieder einmal Sorgen. Gegen die Engländer dürfte Jol vor allem der Ausfall seiner Defensiv-Allrounder Guy Demel und Collin Benjamin schmerzen. Immerhin konnte dagegen mit dem Brasilianer Alex Silva ein möglicher Alternativspieler am Mittwoch das Abschlusstraining absolvieren. Nicht zuletzt wegen der Personalnot erwartet Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer eine Partie "auf des Messers Schneide".

Auch die Bremer traten den Flug nach Italien mit personellen Sorgen an. Schließlich droht am Donnerstag (ebenfalls 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit Diego der entscheidende Mann aus dem Hinspiel auszufallen. Wegen einer Oberschenkelblessur fehlte der 24-Jährige schon zuletzt in Leverkusen. Die Schonung hat noch nicht viel geholfen. "Es ist besser geworden, aber es ist noch nicht gut. Wir hoffen, dass er spielen kann", sagte Trainer Thomas Schaaf, nach dem Abschlusstraining. "Wir wissen erst unmittelbar vor dem Spiel definitiv, ob er auflaufen kann", so Schaaf weiter.

Sollte Diego ausfallen, müsste der Coach taktisch umstellen. Eventuell kämen wie beim 1:1 gegen Bayer zwei defensive Mittelfeldspieler zum Zuge. "Das war eine sehr, sehr gute Lösung", lobte Frings, der gemeinsam mit Frank Baumann aufgelaufen war. Wie auch immer: Werder benötigt in Udine ein Tor, um nicht in Not zu geraten. "Wir dürfen da gar nicht erst versuchen, auf Ergebnis halten zu spielen. Beim AC Mailand haben wir das gut gemacht, bei St. Etienne auch. So müssen wir auch wieder auftreten", forderte Geschäftsführer Klaus Allofs.

goe/dpa



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