Uefa-Cup-Qualifikation HSV ohne van der Vaart, ohne Ideen, ohne Tore

Die Posse um Rafael van der Vaart droht den HSV sportlich zu beschädigen: In der Uefa-Cup-Qualifikation zeigten die Hamburger bei Honved Budapest eine schwache Leistung - der angeblich verletzte, aber garantiert wechselwillige Kapitän ist auf dem Absprung.


Budapest - Der Hamburger SV kam im Qualifikations-Hinspiel beim ungarischen Tabellenführer Honved Budapest nicht über ein 0:0 hinaus. Schlimmer noch: Gegen die eigentlich schwachen Ungarn präsentierten sich die Norddeutschen noch schwächer und müssen um das Erreichen der ersten Europacup-Runde bangen.

Tribünengast van der Vaart: Valencia im Kopf?
AP

Tribünengast van der Vaart: Valencia im Kopf?

Die besten Chancen für den HSV hatten Nigel de Jong (84.) mit einem Kopfball an die Latte und der eingewechselte Paolo Guerrero (87.). Zwei Gelegenheiten in neunzig Minuten - der favorisierte Bundesligist kam in Budapest überhaupt nicht zurecht. Im Rückspiel am 30. August benötigt das Team von Trainer Huub Stevens nun einen Sieg oder bei einer erneuten Nullnummer Nerven im Elfmeterschießen.

Der Kapitän möchte das Schiff dann allerdings schon längst verlassen haben. Rafael van der Vaart hatte vor der Partie bei Honved noch einmal seinem Wunsch Nachdruck verliehen, möglichst noch in dieser Woche zum FC Valencia zu wechseln. Er werde entsprechenden Druck ausüben und hoffe, schon in den nächsten Tagen nach Spanien kommen zu können, wurde der 24-Jährige von spanischen Medien zitiert. Der HSV hat sich bisher unnachgiebig gezeigt und dem Spieler die vorzeitige Freigabe (Vertrag bis 2010) verweigert.

Alle unentschlossen

Es wird immer offensichtlicher, dass das Geplänkel um den in der Gunst der Fans längst gefallenen Superstar auch auf die Psyche der Mannschaft drückt. Ideenlos präsentierte sich das Mittelfeld, in dem eigentlich van der Vaart Regie führt. Stürmer Mohamed Zidan kam ohne Bindung zur Zentrale nicht zur Geltung - zudem wirkten alle Mannschaftsteile unentschlossen. Sollte sich die Posse um van der Vaart fortsetzen, droht das zu einem Dauerzustand zu werden. Auch, weil das Verhalten des Kapitäns den Kollegen ein Alibi verschafft für schlechte Leistungen.

"Natürlich hat der Wirbel um Rafael gestört. Aber wir versuchen, uns davon nicht beeinflussen zu lassen", sagte Abwehrchef Bastian Reinhardt. "Mit dem 0:0 können wir leben. Für ein Auswärtsspiel ist das ein gutes Ergebnis." David Jarolim sah das auch so: "Wir haben große Chancen, zu Hause zu gewinnen und die Qualifikation für den Uefa-Cup zu schaffen."

Van der Vaart gehörte bei Honved nicht zum Kader - und wäre so bei einem möglichen Wechsel nach Valencia international weiter spielberechtigt für die Spanier.

Sein kurzfristiger Ausfall hatte denn auch einen üblen Beigeschmack. Als offizieller Grund für den Einsatzverzicht wurde ein Hexenschuss genannt, den sich der Mittelfeldspieler beim Hochheben seines kleinen Sohnes am Dienstagabend zugezogen haben will. Inoffiziell ist für alle Parteien wieder ein bisschen Zeit gewonnen, die beste Lösung zu finden - die nach aktuellem Stand nur so aussehen kann: Valencia erhöht sein Angebot von bisher kolportierten 14 Millionen Euro auf mindestens 20. Und der HSV kommt zur Einsicht, sich diese lieber fürstlich entlohnen zu lassen, als einen renitenten Spieler am Weggang zu hindern. "Wir verkaufen ihn nicht, Rafael wird sich damit abfinden müssen", sagte Sportchef Dietmar Beiersdorfer heute hingegen noch einmal.

Trochowski tut sich schwer

Die Krux ist sportlicher Natur, denn van der Vaarts Fehlen machte sich in Budapest an allen Ecken und Enden bemerkbar. Als sein Vertreter in der zentralen offensiven Mittelfeldposition tat sich Piotr Trochowski sichtlich schwer, sodass dem Angriffsspiel der Gäste über die gesamte Spielzeit die Ideen fehlten. Zwar war der HSV zunächst optisch überlegen, doch zählbare Chancen kamen dabei nicht heraus.

Nach dem Seitenwechsel erarbeiteten sich die Gastgeber sogar mehr Spielanteile und kamen zu Beginn der zweiten Halbzeit gleich zweimal zu Torchancen. Die Hamburger konnten von Glück sagen, dass weder die Direktabnahme von Guie Gneki Abraham aus sieben Metern (47.) noch ein Distanzschuss von Zoltan Hercegfalvi (52.) den Weg ins Tor fanden.

goe/sid

Honved Budapest - Hamburger SV 0:0
Budapest: Toth - Mogyorosi, Angoua Brou Benjamin, Smiljanic, Vincze - Jozsef Magasföldi (70. Diego), Genito, Baranyos, Ivancsics - Guie Gneki Abraham (85. Koos), Hercegfalvi (78. Abass). - Trainer: Supka
Hamburg: Rost - Demel, Reinhardt, Kompany, Atouba - Jarolim, de Jong - Castelen, Trochowski, Olic (76. Ben-Hatira) - Zidan (66. Guerrero). - Trainer: Stevens
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
Zuschauer: 7000
Gelbe Karten: Vincze, Hercegfalvi, Magasföldi - Jarolim, de Jong, Trochowski



insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
Andreas Hoberg, 16.08.2007
1.
Am Besten man macht einen Kompromiß: - lässt ihn Ende der Hinrunde ziehen - setzt ihn bei UEFFA Cup Spielen nicht ein. - Van der Vaart reisst den HSV bis zum Ende der Hinrunde weiter voll mit Letztlich kann man niemanden hindern, seinen Arbeitgeber vorzeitig zu wechseln.
pauliborn, 16.08.2007
2. ay ay ay
schwierig... soll man das Herz seiner Mannschaft einfach ziehen lassen? In allererster Linie zeigt die Situation ja mal wieder das zu junge Menschen zuviel Geld im Fußball verdienen. Ich kann den Herrn v.d.V ja verstehen, aber mal ehrlich: Hätte er seine Geschichte mit den Großeltern ausgepackt und sich mit Valencia darauf geeinigt zur nächsten Saison dort anzufangen, mit dem Verweis darauf seinen aktuellen Brotgeber nicht im Stich sitzten lassen zu wollen, hätte man ihm hier in Hamburg ein Denkmal gebaut und in Spanien mit großem Respekt empfangen. Die jetzige Situation kann nur noch Verlierer hervorbringen... schade. Aber das hätte man voraussehen können bevor man Interviews in Spanien gibt... Aber wenn er gleich spielt hat sich das Thema eh ersteinmal erledigt ;-)
Nudas veritas, 16.08.2007
3.
Ich finde der HSV sollte VdV nicht ziehen lassen. Der wird sich, genauso wie das Publikum, schon wieder beruhigen. Außerdem kann er sich in Hinblick auf die EM, wie SPON auch schreibt, eine schlechte Saison, in der er sich zur "Strafe" hängen lässt, nicht leisten.
Reziprozität 16.08.2007
4.
Pacta sunt servanda. Da gibt es Fussballprofis, denen 5 Minuten nach Vertragsunterzeichnung einfaellt, dass sie eigentlich schon immer zu einem anderen Verein wollten... (s. D. Hamann)
Marathomas, 16.08.2007
5. Tschüss
Ein gefrusteter Spielmacher, der nur gezwungenermaßen spielt hilft keiner Mannschaft weiter. Letztlich kann man niemanden hindern, seinen Arbeitgeber vorzeitig zu wechseln. Da stellt sich natürlich die Frage, wieviel Veträge überhaupt wert sind. Letztendlich zählt nur das Geld und ab einer gewissen Summe ist fast jeder käuflich; da ist der Fußball nur ein Spiegelbild der westlichen Gesellschaft.
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