Uefa-Cup Van der Vaart erlöst Hamburg

Mit einem Last-Minute-Sieg in einem dramatischen Spiel beim FC Kopenhagen hat der Hamburger SV die Gruppenphase des Uefa-Cups erreicht. Eine große Hilfe war dabei der englische Schiedsrichter. Ebenfalls weiter sind Hertha und Stuttgart. Mainz schied wie Leverkusen aus.


Erlöser van der Vaart: Sieg in letzter Minute
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Erlöser van der Vaart: Sieg in letzter Minute

Hamburg - Van der Vaart nutzte beim 1:0 (0:0)-Sieg des HSV beim FC Kopenhagen in der zweiten Minute der Nachspielzeit ein Elfmeter-Geschenk von Schiedsrichter Matthew Messias zum entscheidenden Treffer. Zuvor war Sergej Barbarez mit einem ebenfalls umstrittenen Handelfmeter an Kopenhagens Keeper Jesper Christiansen gescheitert.

34.446 Zuschauer im Parken-Stadion sahen eine hektische Partie, die der schwache Referee Messias nie im Griff hatte. Nach dem verschossenen Strafstoß von Barbarez musste erst HSV-Coach Thomas Doll wegen Meckerns auf die Tribüne. Sechs Minuten vor dem Ende sah HSV-Manndecker Khalid Boulahrouz wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot. Nach dem 0:1 wurden dann noch zwei Kopenhagener des Feldes verwiesen. Zunächst sah Peter Möller wegen Meckerns Gelb-Rot (90.+4), dann Michael Silberbauer wegen groben Foulspiels (90.+5).

Zwei unberechtigte Handelfmeter

"Das ist ein unbeschreibliches Gefühl und sehr wichtig für den Verein", sagte Doll sichtlich bewegt. "Allerdings möchte ich nicht viele solcher Spiele erleben, mit einer derartigen Dramatik." Der Trainer hatte sein Team überraschend eher defensiv aufgestellt, und in der Anfangsphase der Partie, in der der HSV mindestens ein Tor schießen musste, taten lediglich die Außenverteidiger Guy Demel und Timothee Atouba etwas für das Angriffsspiel.

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Erst mit der Einwechslung von Mittelfeldspieler Pjotr Trochowski (61.) änderte sich das Bild. Hamburg drückte nun, auch wenn heraus gespielte Chancen weiter Mangelware blieben. Der zweite unberechtigte Handelfmeter brachte letztlich die Entscheidung zugunsten der Gäste. Der Sieg ging trotz einer durchschnittlichen Leistung aber in Ordnung - Kopenhagen konzentrierte sich über 90 Minuten meist auf die Verteidigung des torlosen Unentschiedens.

Mainzer Abel (l.) gegen Sevillas Saviola: Aus in Runde eins
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Mainzer Abel (l.) gegen Sevillas Saviola: Aus in Runde eins

Mainz verlor das in die Frankfurter Commerzbank-Arena verlegte Rückspiel gegen den FC Sevilla mit 0:2 (0:2) und schied nach dem überraschenden 0:0 in Spanien aus. Die Tore für die favorisierten Gäste schoss Frederic Kanoute (9. und 40.).

Mainz begann nervös, während der Tabellen-15. der Primera División das Spiel gleich kontrollierte. Vor der Heimspiel-Rekordkulisse von 33.400 Zuschauern sorgte Kanoute mit seinem Treffer zum 1:0 bereits früh für Ernüchterung. Kurz vor der Pause ließ der Malier völlig freistehend FSV-Keeper Dimo Wache aus kurzer Distanz erneut keine Chance. Für Wache waren es im sechsten Europapokal-Spiel der Mainzer Club-Historie (inklusive Qualifikation) die ersten Gegentreffer.

"Enttäuscht, aber stolz"

"Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht, dass wir nicht in die Gruppenphase eingezogen sind", gestand Klubchef Harald Strutz, "aber wir als kleiner Verein waren im Uefa-Cup, und das macht uns doch mächtig stolz. Jetzt konzentrieren wir uns wieder ganz auf die Bundesliga und den Klassenerhalt."

Hertha BSC löste seine Aufgabe, gewann gegen die um eine Klasse schwächeren Zyprioten von Hapoel Nikosia mit 3:1 (2:0) und zog nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel in die Gruppenphase ein. Für Berlin trafen Marcelinho (15.), Nando Rafael (25.) und Ellery Cairo (59.). Konstantinos Makridis sorgte 14 Minuten vor dem Ende noch für das erste Gegentor von Hertha im sechsten Spiel gegen einen zypriotischen Club.

Herthas Torschütze Rafael: Gelungene Generalprobe
AP

Herthas Torschütze Rafael: Gelungene Generalprobe

Dennoch knüpfte Hertha vor 22.612 Besuchern an die guten Leistungen der letzten Wochen an und bot streckenweise sehenswerten Fußball. Durch das sechste Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage feierten die Berliner zudem eine gelungene Generalprobe für das Bundesliga-Spitzenspiel gegen Werder Bremen am Samstag.

Bayer Leverkusen hingegen verlor beim bulgarischen Rekordmeister ZSKA Sofia mit 0:1 (0:0), nachdem es schon im ersten Duell zu Hause ein 0:1 gegeben hatte. Der Uefa-Cup-Sieger von 1988 verpasste damit die lukrative Gruppenphase.

Der Marokkaner Mourad Hdiouad (67.) per Kopfball nach Freistoß-Hereingabe von Christo Janew erzielte das Tor des Tages für den bulgarischen Tabellenführer. Letztmals war Bayer in der Saison 1988/89 (gegen Belenenses Lissabon) in der ersten Runde gescheitert. Die Niederlage im Hinspiel hatte zur Entlassung von Trainer Klaus Augenthaler geführt. Nachdem ZSKA zuvor siebenmal gegen deutsche Teams im Europacup gescheitert war, gelang erstmals ein Weiterkommen.

"Wir sind alle sehr niedergeschlagen", sagte Interims-Teamchef Rudi Völler, "wir haben alles versucht. Aber wer in zwei Spielen kein Tor schießt, hat das Weiterkommen eben auch nicht verdient." Vor 22.015 Zuschauern im ausverkauften Stadion der Bulgarischen Armee traf zwar der Brasilianer Athirson (25.) mit einem Freistoß aus 18 Metern die Latte des ZSKA-Tores, doch insgesamt fehlte Bayer die nötige Durchschlagskraft im Angriff. Der eingewechselte Paul Freier (75.) vergab freistehend eine weitere Chance.

Deprimierte Leverkusener Woronin, Berbatow (am Anstoßkreis): Erstrundenaus
AFP

Deprimierte Leverkusener Woronin, Berbatow (am Anstoßkreis): Erstrundenaus

Auch der Bulgare Dimitar Berbatow, der seine Karriere bei ZSKA begonnen hatte, konnte sich gegen seinen Stammclub wie erneut nicht durchsetzen. Der 24-Jährige scheiterte in der 25. Minute an Torwart Dejan Maksic, in der 38. Minute ihm der Ball vom Fuß, kurz nach dem Seitenwechsel klärte erneut Maksic gegen Berbatow.

Insgesamt spielte Bayer ohne die nötige Ruhe und mit wenig Engagement. Konter wurden überhastet vergeben. Der bulgarische Tabellenführer stand sicher in der Abwehr und verdiente sich durch die klarere Spielanlage und die bessere Defensive den Sieg.

Der VfB Stuttgart hingegen hat sich für die Gruppenphase des Uefa-Cups qualifiziert. Der VfB verlor zwar 0:1 durch einen Treffer von Dalibor Stevanovic (16. Minute), erreichte aber wegen des 2:0 im Hinspiel die nächste Runde. Mit einem ordentlichen Fußballspiel hatte diese Partie jedoch selten etwas zu tun. "Es war reines Glücksspiel, die Bedingungen waren nicht regulär", sagte der Stuttgarter Assistenztrainer Andreas Brehme.

Kaum Akzente

Noch bis eine Stunde vor den Anpfiff war unklar, ob die Partie beim slowenischen Meisterschaftszweiten überhaupt angepfiffen werden konnte. Denn über der Stadt Domzale goss es seit Mittwoch wie aus Kübeln, die Drainage des kleinen Stadions versagte ihren Dienst - und die Feuerwehr versuchte, mit Sonderschichten den Rasen zu trocknen. Vergeblich, auf dem Platz bildeten sich viele kleine Seenlandschaften.

Trotzdem hatten sich beide Teams heute für die Durchführung der Partie entschieden, nur 2000 Zuschauer sahen allerdings eine große Rutschpartie als ein Fußballspiel. Stuttgart kam mit diesen Bedingungen noch schlechter zurecht. Die Mannschaft von Trainer Giovanni Trapattoni ging zwar mit einer offensiven 4-3-3-Aufstellung zu Werke, konnte aber kaum Akzente im gegnerischen Strafraum setzen. Nicht einmal nach dem Platzverweis gegen den Domzaler Spieler Luka Elsner (66.) wurde das Stuttgarter Spiel gegen den slowenischen Außenseiter besser.

Domzales Ilic, Stuttgarter Gronkjaer: "Reines Glücksspiel"
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Domzales Ilic, Stuttgarter Gronkjaer: "Reines Glücksspiel"

Der Treffer für Domzale, das seit 172 Tagen kein Ligaspiel verloren hat, wurde auch begünstigt durch eine Unachtsamkeit in der VfB-Deckung. Kurz danach hätte der Stuttgarter Abwehrspieler Mathieur Delpierre beinahe per Eigentor das 2:0 für die Slowenen erzielt, als er in einer Wasserlache den Halt verlor. Die besten Chancen für den VfB hatten Thomas Hitzlsperger (11.) und Torjäger Jon Dahl Tomasson (12.), nach einer Stunde verpasste der Brasilianer Cacau den Ball ganz knapp.

Der Stuttgarter Trainer Trapattoni sagte, dass jeder in seiner Mannschaft von Beginn an vorbildlich gekämpft habe. "Ich habe mir selbst meine Fußballschuhe angezogen, um dem Team die Einstellung vorzuleben, die man bei solchen Bedingungen haben muss. Ich bin zufrieden. Wir sind weiter, das ist die Hauptsache."



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