Uefa-Cup-Vorschau Bremen hofft auf Klose, Bayer auf das Finale

Die Rollen sind klar verteilt: Gegen Celta Vigo ist Werder Bremen Favorit, Probleme machen nur die Verletzten. Doch dem Gegner geht es nicht besser. Für Leverkusen soll das Uefa-Pokal-Achtelfinale gegen Lens nur Durchgangsstation sein. Bei Bayer träumt man schon vom Finale.


Hamburg - "Wenn wir Lens schlagen, ist alles drin. Aber wir reden erstmal nur vom nächsten Spiel", sagte Nationalspieler Bernd Schneider vor dem Rückspiel gegen den RC Lens (morgen, 18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Nach dem 1:2 aus dem Hinspiel stehen die Chancen auf das Viertelfinale gut für Bayer, Sportdirektor Rudi Völler nennt die Partie gegen den Tabellenzweiten aus Frankreich "eine Fifty-Fifty-Angelegenheit". Die Aufgabe sei "schwer, aber machbar", so Völler.

Werder-Kapitän Frings (l., gesund), Angreifer Almeida (verletzt): Elf Mann werden irgendwie auflaufen
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Werder-Kapitän Frings (l., gesund), Angreifer Almeida (verletzt): Elf Mann werden irgendwie auflaufen

Trainer Michael Skibbe ist weniger optimistisch als der ehemalige Teamchef der DFB-Elf, das Heimspiel werde schwieriger als die Begegnung in Lens. "Das ist eine verdammt starke Truppe mit schnellen Angreifern. Wir müssen höllisch aufpassen", sagte Skibbe, der sich womöglich heute noch darüber ärgert, dass sein Team in Frankreich eine noch bessere Ausgangsposition vergeben hatte. Über eine Stunde lang hatte Bayer das Spiel und den Gegner im Griff und drängte nach dem 1:1-Ausgleich sogar auf den Siegtreffer, ehe ein Aussetzer von Karim Haggui Bayer in Not brachte. Der tunesische Innenverteidiger verschuldete einen Elfmeter und sah dafür die Gelb-Rote Karte.

Trotz der schweren Aufgabe gegen Lens träumt man in Leverkusen davon, mal wieder Geschichte zu schreiben. Das Finale findet am 16. Mai ausgerechnet im Glasgower Hampden Park statt. Genau an diesem Ort hatte Bayer vor fünf Jahren das Finale der Champions League unglücklich 1:2 gegen Real Madrid verloren. Auch die Statistik spricht für die Leverkusener. Zweimal traf der Club bisher im Uefa-Cup auf eine französische Mannschaft und kam zweimal weiter. Am Ende stand jeweils mindestens das Halbfinale, 1988 wurde sogar der Uefa-Cup-gewonnen. Für das Erreichen der nächsten Runde bekäme Bayer zudem eine Prämie von 300.000 Euro - und weiteres Prestige, das die Suche nach einem neuen Hauptsponsor (RWE steigt zum Saisonende aus) erleichtern würde.

"Wir machen uns nicht verrückt"

Lens-Coach Francis Gillot denkt über solche Dinge überhaupt nicht nach, er ist vom Weiterkommen seiner Mannschaft überzeugt. "Wir haben eine gute Ausgangsposition", sagte der Trainer, der ein ähnliches Duell wie vor Wochenfrist erwartet: "Bayer Leverkusen spielt zu Hause ähnlich wie auswärts. Das Team erarbeitet sich viele Tormöglichkeiten, lässt aber auch einige zu. Darin sehe ich unsere Chance."

Bei Werder Bremen wäre man schon froh, wenn vor dem Rückspiel gegen Celta Vigo alle Stammspieler einsatzbereit wären. Die Stürmer Miroslav Klose und Hugo Almeida sind angeschlagen, die Mittelfeldspieler Frank Baumann und Tim Borowski langzeitverletzt - für Trainer Thomas Schaaf aber kein Grund zur Beunruhigung. "Wir nehmen das an und machen uns nicht verrückt. Und wir bringen schon elf Mann zusammen", sagte Werder Bremens Coach vor dem Duell gegen die Spanier (morgen, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Schaafs Gelassenheit nährt sich aber auch aus dem 1:0-Hinspielsieg in der vergangenen Woche. In Vigo reichte den Hanseaten eine bestenfalls durchschnittliche Leistung zum Auswärtssieg. Werder-Sportdirektor Klaus Allofs betonte jedoch, dass Bremen "grundsätzlich ganz sicher die bessere Mannschaft" habe. "Selbst bei einem 0:0 in Vigo wäre ich sicher gewesen, dass wir das Viertelfinale erreichen", sagte Allofs.

Celta mit Rumpfteam

Das größte Rätsel gibt Nationalstürmer Klose auf, der beim Abschlusstraining fehlte und zur Behandlung beim Physiotherapeuten Klaus Eder nach Donaustauf reiste. "Die Situation ist so, dass noch keine Besserung eingetreten ist", sagte Schaaf. Die Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes von Klose sank damit deutlich. "Wir müssen abwarten, ob eine Chance besteht und er dabei ist", so Schaaf. Klose fehlte beim 1:1 im Bundesliga-Gipfel bei Bayern München wegen Rückenbeschwerden, der Portugiese Almeida erlitt bei dieser Begegnung einen Pferdekuss. Klose gab sich zuletzt zurückhaltend: "Ich bekomme Spitzen und Massagen, um die Muskulatur zu lockern. Mir geht es schon besser, aber ich möchte noch keine Prognose abgeben."

Auch Celta, das in der Primera División mit nur einem Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz um sein sportliches Überleben kämpft, traf heute stark ersatzgeschwächt in Bremen ein. Trainer Fernando Vazquez kann nur ein Rumpfteam aufbieten und muss notgedrungen, wie schon im Hinspiel, mehreren seiner Reservisten das Vertrauen schenken. "Unsere Situation ist nicht einfach, aber wir wollen zumindest eine anständige Leistung bieten", erklärte Vazquez. Verzichten wird der Coach möglicherweise auf den Ex-Wolfsburger Fernando Baiano, der frühere Leverkusener Diego Placente hingegen dürfte in der Hintermannschaft der Gäste zum Einsatz kommen.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Leverkusen: Adler - Castro, Callsen-Bracker, Juan, Babic - Ramelow, Rolfes - Schneider, Barnetta - Barbarez - Woronin. - Trainer: Skibbe.
Lens: Itandje - Barul, Coulibaly, Hilton, Tixier - Sidi Keita, Seydou Keita - Demont, Carriere, Monterrubio - Dindane. - Trainer: Gillot.
Schiedsrichter: Olegario Benquerenca (Portugal)

Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Wome - Vranjes - Frings, Jensen - Diego - Klose, Almeida. - Trainer: Schaaf
Vigo: Esteban - Jonathan, Lequi, Yago, Placente - Tamas, Pablo Garcia - Nunez, Guayre, Nene - Perera. - Trainer: Vazquez Schiedsrichter: Stefano Farina (Italien)



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