Uefa-Cup Willkommen im Mittelmaß

Fünf deutsche Clubs wollten sich für die Gruppenphase des Uefa-Cups qualifizieren, nur drei kamen durch. Während in Mainz nach dem Ausscheiden ein Gefühl von Stolz vorherrscht, regiert bei Leverkusen das Prinzip Hoffnung. Ein neuer Trainer ist aber noch nicht gefunden.


Hamburg - "Wir sind immer noch ein sehr interessanter Verein für viele Trainer", beeilte sich Rudi Völler zu versichern, nachdem Spekulationen aufgekommen waren, der Kandidat für die Nachfolge des Interimsteamchefs könnte eventuell durch die peinliche Vorstellung abgeschreckt worden sein. 0:1 hatte das von Völler trainierte Bayer Leverkusen beide Spiele gegen den bulgarischen Rekordmeister ZSKA Sofia verloren und war sang- und klanglos in der ersten Runde des Uefa-Cups ausgeschieden. Zum ersten Mal seit 17 Jahren.

Bayer Profi Fritz: Sang- und klanglos raus
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Ob Morten Olsen im Stadion war, ließ sich nicht klären, ebensowenig, was er vom Auftritt des Bundesligisten in Sofia hielt. Fest steht nur, dass der als Topkandidat für das Traineramt gehandelte Däne im nächsten Heimspiel noch nicht auf der Bayer-Bank sitzen wird. Gegen Arminia Bielefeld (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist laut Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser noch einmal Völler in der Verantwortung. Und dann? "Ob wir den neuen Trainer schon am Montag oder später präsentieren, muss man sehen", sagte Holzhäuser.

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Dass Olsen allerdings so schnell präsentiert werden kann, darf bezweifelt werden. Immerhin ist der 56-Jährige aufgrund seiner Rolle als Dänemarks Nationalcoach und angesichts der bevorstehenden WM-Qualifikationsspiele am 8. und 12. Oktober ziemlich eingespannt. Zumindest vielversprechende Verhandlungen sind mit dem ehemaligen Profi und Trainer des 1. FC Köln aber bereits geführt worden.

Interimsteamchef Völler: "Immer noch interessant"
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Auch Völler hatte nach der Pleite in Sofia anderes zu tun als sich mit der Regelung seiner Nachfolge zu beschäftigen. Zu schwach war sein Team aufgetreten, zu behäbig und viel zu nachlässig bei der Verwertung der Torchancen. Besonders Bayer-Stürmer Dimitar Berbatow, der an alter Wirkungsstätte drei klare Möglichkeiten vergeben hatte, bedurfte moralischer Aufbauhilfe von Seiten des Noch-Übungsleiters. "Er wirkte gehemmt, er hat aber so viele Tore für uns geschossen, da darf er sich auch so ein Spiel mal erlauben", sagte Völler.

Ansonsten regiert der Trotz bei dem Verein, der vor dreieinhalb Jahren noch im Finale der Champions League stand und dort Real Madrid knapp mit 1:2 unterlag. "Wir wollen wieder in den Europacup, den ersten Schritt wollen wir am Samstag tun", erklärte Völler. Keine Rede mehr vom Hinspiel gegen Sofia (0:1), das Klaus Augenthaler den Job gekostet hatte. Dabei wäre ein Wort zum Vorgänger durchaus angebracht gewesen. Schließlich wurde Augenthaler in Sofia quasi rehabilitiert.

Von Frust keine Spur

In Mainz war einen Tag nach dem Ausscheiden von Frust keine Spur. Der Europacup-Debütant hatte sich gegen den favorisierten FC Sevilla teuer verkauft und im Rückspiel in Frankfurt 0:2 (0:2) verloren. "Natürlich wollten wir in die Gruppenphase. Aber Sevilla war einfach besser. Dennoch bin ich stolz auf unsere Auftritte in Europa", erklärte Trainer Jürgen Klopp. Jetzt werde man sich eben wieder ganz auf die Bundesliga konzentrieren.

Mainzer Spieler Thurk (l.), Geissler, Trainer Klopp (M.): "Wir kommen wieder"
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Aber auch Mainz will zurück in den internationalen Wettbewerb. Nach den Stationen Armenien (Aschtarak), Island (Keflavik) und Spanien haben die Rheinhessen Lust auf mehr bekommen - und auch schon einen Plan, wie man im kommenden Jahr erneut im Uefa-Cup spielen könnte: Über die Fair-Play-Wertung. "Vielleicht spielen wir in dieser Saison ja wieder so fair und dürfen nächstes Jahr nochmal mitmachen", hofft Manager Christian Heidel.

Auf dem Weg dahin gastieren die Mainzer am kommenden Samstag bei Borussia Mönchengladbach. Dort spielte das Klopp-Team in der vergangenen Saison 1:1 - und kassierte keine Gelbe Karte.

Christian Gödecke



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