Ermittlungen gegen Guardiola Diese Pedanten

Gegen Bayern-Trainer Josep Guardiola ermittelt die Uefa, weil er mit einem T-Shirt eines toten Journalisten gedachte. Dass dies eine menschliche Geste war, spielt für den Verband keine Rolle. Hauptsache, den Statuten wird entsprochen.
Bayern-Coach Guardiola: Ermittlungen wegen eines T-Shirts

Bayern-Coach Guardiola: Ermittlungen wegen eines T-Shirts

Foto: DPA

Der Sportjournalist Jorge Topo Lopéz ist nur 38 Jahre alt geworden. Er starb bei einem Autounfall in São Paulo, wo er über das Halbfinale seines Heimatlandes Argentinien gegen die Niederlande berichten wollte. Was genau passiert ist, ist bis heute nicht klar, seine Ehefrau Veronica Brunati versucht seit Monaten, die genauen Umstände des Unfalls aufzuklären.

Viele Prominente aus dem Sport haben sich bislang mit Brunatis Kampf öffentlich solidarisch erklärt, unter anderem Lionel Messi und Atlético-Trainer Diego Simeone. Es dürfte niemanden geben, der an diesem Ansinnen irgendetwas zu bemängeln wüsste.

Wenn es da nicht den Artikel 11, Absatz 2 des Verhaltenskodex der Uefa gäbe. Danach sind "Bekundungen nichtsportlicher Art im Rahmen von Uefa-Veranstaltungen" untersagt. Und weil Bayern-Trainer Josep Guardiola am Vortag des Champions-League-Viertelfinals gegen den FC Porto mit einem T-Shirt auftrat, auf dem "Gerechtigkeit für Topo" gefordert wurde, wird jetzt gegen ihn ermittelt. Er habe "eine Sportveranstaltung für eine sportfremde Manifestation" genutzt.

Formal mag das alles seine Richtigkeit haben, dennoch möchte man sich nicht jenen Pedanten in der Uefa-Zentrale im schweizerischen Nyon vorstellen, der Bilder von der Guardiola-Pressekonferenz sieht und nichts Eiligeres zu tun hat, als das schnöde Regelwerk gegen eine menschliche Geste in Stellung zu bringen.

Statt stillschweigend darüber hinwegzugehen, dass solch ein Auftritt möglicherweise nicht ganz konform mit den Statuten ist, wird die gesamte Bürokratie hochgefahren. Wahrscheinlich werden noch Zeugen befragt, Akten gefüllt. Die Kontroll- und Disziplinarkommission wird sich mit dem "Fall" befassen. Haben die Damen und Herren nichts Wichtigeres zu tun? Vermutlich nicht.

Der Sport darf sich von der Politik nicht instrumentalisieren lassen, das ist das Mantra der Funktionäre. Deswegen dürfen ukrainische Wintersportler bei den Spielen in Sotschi auch keinen Trauerflor im Gedenken an die Toten vom Maidan tragen, das verstößt auch gegen irgendwelche Paragrafen aus den Tiefen des IOC-Katechismus. Nur wenn einer der altgedienten Funktionäre von IOC, Fifa oder Uefa stirbt, dann kann es nicht genug Gedenkminuten geben.

Am Ende wird Guardiola für das Tragen seines T-Shirts wahrscheinlich mit einer Geldstrafe belegt. Man kann nur hoffen, dass dieses Geld Veronica Brunati zur Verfügung gestellt wird.