Uefa-Niederlage gegen Manchester City Die Machtlosen

Es ist ein Urteil mit Signalkraft: Der Ausschluss von Manchester City aus dem Europacup ist aufgehoben worden - eine schwere Schlappe für die Uefa. Sobald es ernst wird, kann sie sich nicht durchsetzen.
Stadion von Manchester City

Stadion von Manchester City

Foto: Nigel Roddis/EPA-EFE/Shutterstock

Der Sportgerichtshof Cas hat der Uefa einen schweren Schlag verpasst. Der zweijährige Ausschluss von Manchester City aus Uefa-Wettbewerben wurde aufgehoben, statt 30 Millionen Euro Strafe muss der englische Spitzenklub zehn Millionen Euro zahlen. Peanuts für einen solch umsatzstarken Klub. Für die Uefa und ihr Financial Fair Play (FFP) aber dürften die Folgen weit reichen. Dabei ist sekundär, dass der von ihr verhängte Europacup-Bann vom Cas vor allem deshalb kassiert wurde, weil die Vergehen verjährt sind. Das FFP-Modell ist nun so gut wie gescheitert.

Die Machtverhältnisse im Klubfußball sind betoniert, das Cas-Urteil verschärft die Situation nochmals. Es stärkt die Klubinteressen weiter, die Einflussmöglichkeiten der Uefa zur Kontrolle und Sanktion werden auf ein Minimum reduziert. Der Verband wurde auf die Zuschauertribüne verbannt. Das Spiel selbst läuft an ihm vorbei.

Der Uefa bleibt jetzt noch die Organisation der Wettbewerbe, die für die Teilnehmer jährliche Millioneneinnahmen bedeuten. Dafür kann sie weiterhin Regeln definieren. Doch der Verband ist offensichtlich nicht in der Lage, die Einhaltung dieser Regeln auch durchzusetzen. Das ist eine der Erkenntnisse aus der ansonsten recht uneindeutig formulierten Pressemitteilung des Cas. City muss eine Geldstrafe zahlen, weil der Verein mit den Uefa-Ermittlern nicht kooperiert hat. "Wegen der begrenzten Ermittlungsmöglichkeiten" der zuständigen Kontrollkammer sei der aus Abu Dhabi kontrollierte Verein zur Mitarbeit verpflichtet gewesen. Das hat er nicht getan.

Der Klub hatte öffentlich behauptet, "unwiderlegbare Beweise" für seine Unschuld vorgelegt zu haben. In Wahrheit, das hat der Cas nun bestätigt, hat Manchester die Kooperation bei der Untersuchung verweigert. Es ist eine Kuriosität der Regelhüter in Sportverbänden: Kein Staatsanwalt ist vor Gericht schließlich darauf angewiesen, dass der Beschuldigte selbst zugibt, den Banktresor aufgebrochen zu haben.

Die Uefa hatte auf Basis von Football-Leaks-Enthüllungen des SPIEGEL und des Recherchenetzwerks European Investigative Collaborations (EIC) das Verfahren gegen City eröffnet. Wichtige Grundlage waren dabei offenbar Screenshots aus dem Football-Leaks-Datensatz, die der SPIEGEL im März 2019 veröffentlicht hatte . Die Verbandsermittler stützten sich bei ihren Untersuchungen also offenbar auf öffentlich zugängliche Informationen.

Hat die Uefa ihre eigenen Statuten falsch ausgelegt?

Sie unternahmen zudem einen halbherzigen Versuch, an die Originalunterlagen zu gelangen: Die Rechtsabteilung der Uefa bat den SPIEGEL, das Material zu Manchester City herauszugeben. Der SPIEGEL leitet vertrauliche Dokumente von Informanten allerdings grundsätzlich nicht weiter und teilte der Uefa mit, dass sie den Whistleblower Rui Pinto, die Quelle für das Material, oder dessen Rechtsbeistand kontaktieren müsse. Das haben die Uefa-Ermittler allerdings bis heute nicht getan - obwohl Pinto mehrmals betont hat, auch mit Verbandsermittlern kooperieren zu wollen.

Pinto erwartet aktuell in Lissabon einen Gerichtsprozess. Mittlerweile arbeitet er auch mit der portugiesischen Justiz zusammen, die gerade dabei ist, seine Daten auszuwerten. Staatsanwaltschaften aus mehreren Ländern nutzen bereits das Football-Leaks-Material, um Fehlverhalten und Straftaten zu verfolgen. Die Uefa wollte das offensichtlich nicht.

Anzeige

Rafael Buschmann, Michael Wulzinger:
Football Leaks
Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball.

Erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe.

SPIEGEL-Buch bei Penguin; 352 Seiten; 10,00 Euro.

Buch Rafael Buschmann, Michael Wulzinger "Football Leaks" - Amazon Buch Rafael Buschmann, Michael Wulzinger "Football Leaks" - Thalia Buch Rafael Buschmann, Michael Wulzinger "Football Leaks" - Amazon Hörbuch 

Rafael Buschmann, Michael Wulzinger:
Football Leaks 2
Neue Enthüllungen aus der Welt des Profifußballs.

Erscheinungstermin: 9. September 2019

SPIEGEL-Buch bei DVA; 576 Seiten; 20,00 Euro.

Buch Rafael Buschmann, Michael Wulzinger "Football Leaks 2" - Amazon Buch Rafael Buschmann, Michael Wulzinger "Football Leaks 2" - Thalia 
Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier. 

Das Cas-Urteil lässt die Uefa auch noch aus einem anderen Grund in einem fragwürdigen Licht dastehen. Offenbar haben die Verbandsjuristen ihre eigenen Statuten falsch ausgelegt. Die Uefa hatte City für Fehlverhalten verurteilt, das mitunter länger als fünf Jahre zurückliegt. Der Cas entnahm den FFP-Regeln aber, dass entsprechende Vorgänge als verjährt gelten.

Die genaue Begründung für die Aufhebung der Sperre gibt auch Anlass zu Verwirrung. In der Überschrift der Presserklärung des Sportgerichtshof heißt es, ManCity habe Finanzspritzen des Eigentümers nicht als Sponsorengelder ausgegeben. Das klingt, als sei der Verein vom Kern der Vorwürfe freigesprochen worden. Weiter unten im Text wirkt das jedoch anders: Für die angeblichen Regelverstöße seien von der Uefa die Nachweise nicht erbracht worden. In ihrer Stellungnahme betont die Uefa, der Cas habe die Beweise für unzureichend gehalten. Was stimmt denn nun? "In wenigen Tagen" werde der Cas erst das vollständige Urteil veröffentlichen, heißt es im Statement des Sportgerichts .

City-Trainer Pep Guardiola (M.) und Spieler

City-Trainer Pep Guardiola (M.) und Spieler

Foto:

OLI SCARFF/ REUTERS

Viel spricht weiterhin dafür, dass Manchester City Sponsorenverträge aus Abu Dhabi mit verdeckten Finanzspritzen aufgepumpt und dadurch höhere Einkünfte vorgetäuscht hat. Mit dieser Methode ließen sich die Regeln des FFP umschiffen; höhere Umsätze erlauben einem Klub entsprechend größere Ausgaben. Und City gab in den vergangenen Jahren extrem viel aus.

Mit der Übernahme durch Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan 2008 entwickelte sich der Klub vom Mittelklasseverein zum Topteam. Die internen E-Mails des Klubs, in denen davon die Rede war, Geld "durch Sponsoren hindurch" zu leiten, klangen eindeutig. Es folgte ein monatelanges Tauziehen von Staranwälten hinter verschlossenen Türen. Die Regeln des Cas hätten es ermöglicht, den Fall öffentlich zu verhandeln. Doch die Einlassungen der Uefa sowie des Klubs, der sich außer eines Dementis in der Öffentlichkeit nie substanziell zu den Vorwürfen geäußert hat, blieben geheim.

Was auch immer zutage tritt, wenn das Cas-Urteil endlich öffentlich ist: Das Signal an die Fußballklubs bleibt eindeutig. Dass die Sperre von Manchester City aufgehoben wurde, zeigt, dass sie das FFP-Konzept und dessen Konsequenzen nicht zu fürchten brauchen. Denn sobald es ernst wird, ist die Uefa machtlos.